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«Bei vielen dient übermässiges Essen als Kompensation bei Frust»

Nachgefragt
Thomas Schwaller, Oberarzt bei der Luzerner Psychiatrie. (Bild: PD)

Thomas Schwaller, Oberarzt bei der Luzerner Psychiatrie. (Bild: PD)

«Man kann Seele und Körper nicht trennen», sagt Thomas Schwaller, Oberarzt bei der Luzerner Psychiatrie. Vor einer Magenverkleinerung unterzieht sein Team jeden Patienten einem Check. Auch um Enttäuschungen vorzubeugen.

Thomas Schwaller, vier von zehn Kandidaten für Magenverkleinerungen haben vor dem Eingriff mehr als eine Sitzung bei Ihnen. Weshalb?

Die Patienten kommen mit hohen Erwartungen zu uns. Viele Übergewichtige denken beispielsweise, es falle ihnen nach dem Eingriff einfacher, soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Wir müssen prüfen, ob solche Vorstellungen realistisch sind. Oft geht es auch darum, das gestörte Essverhalten zu analysieren.

Das heisst?

Bei vielen Patienten diente übermässiges und ungesundes Essen als Kompensation bei Frust. Wer sich den Magen verkleinern lässt, muss in solchen Situationen künftig anders reagieren, sonst kann es zu chirurgischen Komplikationen oder gar zu einer Suchtverlagerung kommen, unter anderem in den Alkoholismus.

Alkohol als Ersatzdroge bei Operierten ist nur ein Risiko. Wissenschaftler sprechen gar von einer bis zu viermal höheren Suizidrate. Warum?

Ein Grund wird in der erhöhten psych­iatrischen Krankheitsrate der Betroffenen vermutet. Viele Patienten mit extremer Adipositas leiden schon vor der OP unter Depressionen oder anderen mentalen Störungen, die sich danach nicht zwingend bessern. Das Adipositaszen­trum Zentralschweiz hat bis heute nach über 1000 behandelten Patienten zum Glück noch keinen Suizid zu beklagen.

Patienten werden nach einer Magenverkleinerung während fünf Jahren betreut. Weshalb ist dies nötig?

Zum einen schreibt dies der Gesetzgeber vor, zum andern wollen wir sie vor Komplikationen schützen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Ernährungsberatung: Ein Patient muss alte Essgewohnheiten komplett ablegen. Aufgrund der OP können zudem Mangelerscheinungen auftreten, die es zu verhindern gilt. Es braucht ferner chirurgische Nachkon­trollen sowie teilweise auch psychologische und psychiatrische Nachbetreuung.

Jährlich werden im Schnitt auch fünf Jugendliche operiert. Sie brauchen fast durchs Band psychologische Unterstützung. Warum?

Aufgrund ihres Übergewichts werden Jugendliche schon früh gehänselt und ausgegrenzt. Dies kann Ängste und Depressionen auslösen oder zu Verhaltensauffälligkeiten führen. Es gilt hier, genau hinzuschauen und die Jugendlichen sowie ihr Umfeld durch unsere hauseigenen psychologischen Coaches zu unterstützen oder ihnen Kontakte zur Kinder- und Jugendpsychiatrie zu vermitteln. (fi)

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