Beim Hitzkircher Gemeindehaus gibt's bald eine Mini-Bibliothek

Die Telefonkabine im Gemeindehaus wird nicht mehr genutzt. Statt sie abzubauen, betreibt sie die Gemeinde als offenen Bücherschrank weiter. Solche «Bibliotheken» gibt es an immer mehr Orten.

Susanne Balli
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Ist bald auch in Hitzkirch möglich: Der Austausch von Büchern in einer umgenutzten Telefonkabine. Hier ein offener Bücherschrank in Stansstad. (Bild: Corinne Glanzmann, Stansstad, 23. Oktober 2018)

Ist bald auch in Hitzkirch möglich: Der Austausch von Büchern in einer umgenutzten Telefonkabine. Hier ein offener Bücherschrank in Stansstad. (Bild: Corinne Glanzmann, Stansstad, 23. Oktober 2018)

Telefonkabinen werden in ihrer ursprünglichen Funktion nicht mehr gebraucht. Darum ist die Swisscom dabei, die letzten Publifone abzubauen. Nicht so in Hitzkirch. Die Telefonkabine an der Luzernerstrasse 8, welche ins Gebäude des Gemeindehauses – gleich neben dem Eingang – integriert ist, soll wieder häufiger benutzt werden. Und zwar nicht zum telefonieren, sondern als eine Art Mini-Bibliothek. Hier können ab dem 2. Februar ausgemusterte Bücher ins Regal gestellt werden, und gleichzeitig kann man sich kostenlos eine neue Lektüre aussuchen. Damit müssen gelesene Bücher nicht weggeworfen werden; gleichzeitig können Ressourcen geschont werden.

Die Idee ist nicht neu. Solche offenen Bücherschränke gibt es immer mehr. Denn die Zentralschweizer Umweltfachstellen der Kantone Luzern, Zug, Schwyz, Uri, Nid- und Obwalden fördern sie im Rahmen der Kampagne «E chline Schritt» (Ausgabe vom 21. Juli 2018). Dabei wird die Umnutzung von ehemaligen Telefonkabinen in offene Bücherschränke durch die Zusammenarbeit mit Gemeinden, der Swisscom sowie des Möbelhauses Ikea und weiteren Sponsoren und Partnern ermöglicht.

Offene Bücherschränke auch in Horw und Kriens

In der Zentralschweiz haben in diesem Jahr gleich mehrere dieser Mini-Bibliotheken eröffnet, zum Beispiel in Horw. Dort steht seit Ende Oktober bei der Bushaltestelle Wegscheide ein offener Bücherschrank. Auch im Schappe Kulturquadrat in Kriens hat es seit dem Herbst einen frei zugänglichen Bücherschrank. Und im Juni wurde im Zentrum Höchweid in Ebikon ein entsprechendes Angebot eingeweiht.

In Zug, Bar und Cham wurden ebenfalls im Herbst offene Bücherschränke realisiert, ebenso in Stansstad. Gleich mehrfach gibt es offene Bücherschränke in Luzern; so im Helvetiagärtli, im Sentihof und im Wesemlinquartier.

Aber zurück zu Hitzkirch: Derzeit sucht die Umweltkommission der Gemeinde, die für den offenen Bücherschrank verantwortlich ist, nach freiwilligen Helfern. Diese sollen die Mini-Bibliothek wöchentlich ehrenamtlich kontrollieren und aufräumen. «Wir rechnen mit einem zeitlichen Aufwand von zirka 15 Minuten pro Monat», sagt Gabriel Barroso von der Umweltkommission. Wer sich für die freiwillige Arbeit interessiert, kann sich via Mail bei der Umweltkommission melden (buecherschrank-hitzkirch@gmx.ch). «Ideal wären zwischen fünf und zehn Personen», so Barroso. Für den offenen Bücherschrank braucht es nicht viel. Das Gestell werde von Ikea gesponsert. «Bücher haben wir bisher nur ganz wenige gesammelt. Wir gehen davon aus, dass das alleine in Gang kommt, und das Regal nach und nach gefüllt wird.»

Einige Regeln und Einschränkungen

Der Bücherschrank in Hitzkirch wird zu jeder Zeit und allen Passanten offen stehen, unabhängig davon, ob diese in Hitzkirch wohnen. Damit alles seine Ordnung hat, gibt es einige Regeln zu beachten, wie Barroso erläutert:

  • Nur Bücher bringen, die selber als gut befunden werden und ein breites Publikum ansprechen (inklusive Kinder- und Jugendliteratur). Nicht geeignet sind Fachliteratur, Schulbücher, Zeitschriften und Werbematerial.
  • Die Bücher sollen in gutem und sauberem Zustand sein.
  • Es sollen nur Einzelbücher gebracht werden. Der Bücherschrank ist weder Antiquariat noch Entsorgungsstelle.
  • Wenn das Regal im Bücherschrank voll ist, müssen die mitgebrachten Bücher wieder nach Hause genommen werden.
  • Es muss auf die vorgegebene Ordnung geachtet und die Bücher nach bestem Wissen eingeordnet werden.
  • Verboten sind Bücher mit pornografischem, rassistischem oder gewaltverherrlichendem Inhalt.

Von 60'000 öffentlichen Telefonen auf 4100

Die Blütezeit der öffentlichen Telefonkabinen war Mitte der Neunzigerjahre. Damals gab es fast 60 000 sogenannte Publifone im Land. Doch mit dem Siegeszug der Mobilkommunikation begann das Sterben der Telefonkabinen. Jährlich sanken die Nutzer der Publifone und damit auch deren Zahl. Seit Anfang 2018 ist die Swisscom davon der Pflicht entbunden, mindestens 4100 Publifone zu betreiben. Kontinuierlich wurden sie seither abgebaut und verschwinden ganz. Es sei denn, sie werden einer alternativen Nutzung zugeführt. (sb)