Der Schötzer Thomas Gisler ist der beliebteste Fahrlehrer von Luzern – bei ihm macht Fahrschule Spass

Thomas Gisler ist zum beliebtesten Fahrlehrer im Kanton Luzern gewählt worden. Zu seinem Beruf kam der Schötzer durch einen Unfall.

Stephan Santschi
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Es sind schwierige Tage, auch für Fahrlehrer. Seit dem 17. März gilt für sie wegen des Corona-Virus ein Berufsverbot. «Ein brutaler Entscheid, auch weil wir nicht wissen, wie es weitergeht», sagt Thomas Gisler, fügt aber an: «Aktuell ist es die einzig richtige Massnahme.» In seiner Fahrschule hat er zwei Angestellte, bald wird er beim Bund Kurzarbeit anmelden.

Fahrlehrer Thomas Gisler aus Schötz vor seinem Fahrschulauto.

Fahrlehrer Thomas Gisler aus Schötz vor seinem Fahrschulauto.

Bild: PD

Umso mehr freut ihn die schöne Nachricht, die kürzlich bei ihm reingeflattert ist. Der zweifache Familienvater aus Schötz, der am Dienstag seinen 40. Geburtstag feiert, ist im Kanton Luzern zum besten Fahrlehrer gewählt worden. «Das ist eine Belohnung für gute Arbeit, etwas Positives in einer aussergewöhnlichen Zeit», sagt Gisler, der schon einmal auf Platz eins dieser Rangliste stand – im Jahr 2013, als sie zum ersten Mal durchgeführt worden war.

«Ich muss sie nicht zusätzlich nervös machen»

Initiant der Wahl ist die Swift Management AG, welche die Autotheorie-App «iTheorie Premium» entwickelt hat. Mitgemacht haben landesweit 10500 Fahrschülerinnen und Fahrschüler, im nationalen Ranking ist Gisler die Nummer 51. Zum achten Mal in Serie landete er damit in den prestigeträchtigen Top 100 der «Superfahrlehrer», wie sie genannt werden; 2013 war er sogar Siebter gewesen. «Bewertet werden die Qualität des Unterrichts, des Services und die sozialen Fähigkeiten», erklärt er. Da auch das eigene Qualitätsmanagement und die Bestehensquoten der Strassenverkehrsämter einbezogen werden, sei es jedes Jahr eine Überraschung, wie man abschneide. Der Blick in die Beurteilungen offenbart fast ausschliesslich exzellente Resultate: «Unkompliziert, kompetent und zuverlässig», sagt etwa Fahrschüler Sandro. «Abwechslungsreich und unterhaltsam», meint Esther. Leandra findet derweil:

«Sehr geduldig und verständnisvoll.»

Auch die gute Stimmung und der Humor werden immer wieder erwähnt. «Wenn es einem im Kreisel das Auto abstellt und hinter uns gehupt wird, muss ich den Schüler nicht zusätzlich nervös machen. Ich bleibe locker, mache auch mal einen Witz», erzählt Gisler. Mitunter könnten Lernende auf der Strasse geradezu blockiert sein. «Wenn sie wie angekettet auf der Bremse stehen, geht vorübergehend gar nichts mehr.» Im Schnitt brauche es 35 bis 45 Stunden, bis sie für die praktische Prüfung bereit seien. «Das hat zugenommen, der Verkehr wird dichter und damit anspruchsvoller. Zudem scheinen die Jungen heute weniger Zeit und Gelegenheit zu haben, um mit privaten Fahrzeugen zu üben.»

Auch heikle Momente kämen vor. Auf der Autobahn beispielsweise, wenn bei einem Tempo von 120 km/h aus dem Nichts das Lenkrad nach links oder rechts gerissen wird. «Ich muss voll parat sein. Wenn ich nur ein bisschen daneben sitzen und die Aussicht geniessen würde, wäre ich am falschen Ort.» Bagatellunfälle kämen vor, schlimme Zwischenfälle habe es bisher aber nicht gegeben.

Alte Karriere aufgegeben

Ein Unfall war indes der Grund, weshalb er Fahrlehrer geworden ist. Seit einer vor ihm ausgelösten Massenkarambolage leidet er unter Nackenschmerzen. «Ich musste als Automechaniker aufhören, weil ich nicht mehr lange nach oben schauen kann.» 2012 wurde er selbstständig – nicht wie angedacht mit einer Garage, sondern als Fahrlehrer. «Der richtige Entscheid, ich bin weiterhin voll motiviert, das Geschäft läuft gut», bilanziert er. Vorderhand kann er aber nur abwarten, wie sich die Corona-Krise entwickelt. Und hat daher Zeit, um sein Liebhaberstück zu restaurieren: einen Ford Mustang.