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BEISTÄNDE: Luzerner Kesb sucht mehr Freiwillige

Die Kesb Stadt Luzern sucht Leute, die sich im Erwachsenenschutz en­gagieren. Die öffentliche Hand spart so Geld – doch das ist nicht der Hauptgrund.
Guy Studer
Private Beistände haben für die Betreuung ihrer Klienten in der Regel mehr Zeit als Berufsbeistände. (Symbolbild Keystone)

Private Beistände haben für die Betreuung ihrer Klienten in der Regel mehr Zeit als Berufsbeistände. (Symbolbild Keystone)

Guy Studer

Sie kümmern sich selber um ihre erwachsenen Kinder mit Behinderungen oder möchten einen Dienst an der Gesellschaft leisten, indem sie sozial benachteiligten Menschen zur Seite stehen. Private Beistände leisten einen wertvollen Einsatz, damit Menschen, die nicht für sich selber sorgen können, dennoch gut durchs Leben kommen.

Dies will die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Stadt Luzern weiter fördern: «In der Stadt Luzern ist der Anteil an privaten Beiständinnen und Beiständen vergleichsweise tief, wir sind deshalb daran, das Angebot auszubauen, mehr Leute für diesen Dienst zu gewinnen», sagt Präsidentin Angela Marfurt. Die Anfang 2015 in Betrieb genommene Fachstelle für private Beistände hat den Auftrag, geeignete Personen zu suchen. «Aktuell ist ein Ziel der Fachstelle, dass die bereits geschulten Privatpersonen mehrere Mandate übernehmen können», sagt Marfurt.

In St. Gallen zum Beispiel, wo Angela Marfurt früher die Kesb leitete, seien in der Region (Stadt und vier Agglomerationsgemeinden) rund 480 Privatbeistände tätig. In der Stadt Luzern wurden per Ende 2015 lediglich 148 von 1164 Erwachsenenmandate von privaten Beiständen geführt. Das entspricht einer Quote von 12,7 Prozent. Gemäss Marfurt soll sich die Zahl bis Ende 2018 auf 258 Mandate erhöhen. Dass man mehr engagierte Helfer sucht, hat mehrere Gründe: «Einerseits möchten wir die Berufsbeistände von einfachen Fällen entlasten», sagt Marfurt. «Ausserdem möchten wir Leute, die ehrenamtlich tätig sein wollen, allgemein besser einbinden.»

Für Kinder nur Berufsbeistände

Berufsbeistände sind eigentlich dazu da, sich um jene Fälle zu kümmern, bei denen spezifische Fachkenntnisse gefragt sind. Diese Fälle reichen von einer komplexen Vermögensverwaltung über Menschen, die zu Gewalt neigen oder Suchtprobleme haben, bis hin zu Fällen, bei denen der Widerstand gegen eine Betreuung gross ist. Im Kindesschutz werden zudem ausschliesslich Berufsbeistände eingesetzt. Privatbeistände sollen zum Beispiel älteren Personen, oft mit Demenzerkrankungen, beistehen. Auch für geistig und/oder körperlich behinderte oder leicht psychisch beeinträchtigte Erwachsene können Privatbeistände gemäss Marfurt eingesetzt werden.

Natürlich kann die öffentliche Hand mit einem höheren Anteil an privaten Beiständen auch Kosten sparen. Denn diese werden zwar auch entschädigt, aber zu tieferen Ansätzen als Berufsbeistände. Privatbeistände erhalten 40 Franken pro Stunde, «wobei in der Regel nicht mehr als 24 Stunden pro Jahr entschädigt werden», sagt Marfurt. Ein höherer Aufwand ist vorher mit der Fachstelle für private Beistände abzusprechen.

Zeit für einen Kaffee

Im Erwachsenenschutz der Kesb Stadt Luzern arbeiten 15 Berufsbeistände in Teilzeit, weitere 13 im Kinderschutz. Sie betreuen Dutzende Mandate gleichzeitig und werden, wie erwähnt, besser entlöhnt. «Sie haben eine Ausbildung in diesem Bereich und sind in der Regel Sozialarbeitende und Sozialpädagogen», erklärt Marfurt. Dennoch würden die Kosten bei der Suche nach mehr Privatbeiständen nur eine Nebenrolle spielen. Zentral sei ein anderer Grund: «Die Privatbeistände haben mehr Zeit und gehen mit ihren Klienten auch mal einen Kaffee trinken, oder sie machen gemeinsam einen Ausflug.» Die Entschädigung soll denn auch nicht die Motivation sein, Privatbeistand zu werden. «Das ist ganz klar eine soziale Tätigkeit», sagt Marfurt. «Oft sind es Pensionierte, die etwas für die Allgemeinheit tun wollen und aus ihrem Berufsleben wertvolle Erfahrungen einbringen können.»

Zug hat sehr viele Privatbeistände

Dass in der Stadt Luzern nicht so viele Privatbeistände tätig sind, führt Angela Marfurt schlicht darauf zurück, dass man das hier nicht so stark gefördert hat wie andernorts. «In St. Gallen zum Beispiel herrscht da eine andere Kultur, dort hat man private Beistände schon seit vielen Jahren stark gefördert.» Ähnlich funktioniert es offenbar auch in Zug. Gemäss Gabriella Zlauwinen, Amtsleiterin der Kesb Kanton Zug, werden dort im Erwachsenenschutz rund 60 bis 70 Prozent aller Mandate von privaten Beiständen betreut. «Wir haben rund 380 private Beiständinnen und Beistände», sagt Zlauwinen. Zum Vergleich: Der Kanton Zug zählt mehr als 120 000 Einwohner, die Stadt Luzern gut 80 000.

In Zug macht man mit Privatbeiständen gute Erfahrungen: «Wir sind sehr froh, das wir sie haben – sie machen gute Arbeit und setzen sich stark ein für die Leute, die sie betreuen.» Die Zuger Kesb bietet den Privatbeiständen Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch, dazu auch zweimal jährlich Weiterbildungsmöglichkeiten.

Historisch grosse Unterschiede

Auch die Kesb Hochdorf und Sursee haben einen höheren Anteil an privaten Beiständen, wie Vizepräsidentin Verena Nigg auf Anfrage sagt: «Ich schätze den Anteil bei den Erwachsenenmandaten auf 20 bis 30 Prozent.» Allerdings sei der Anteil bei den 28 angeschlossenen Gemeinden sehr unterschiedlich. «Das ist historisch gewachsen.» Denn nach altem Recht (vor 2013) waren die Gemeinden für den Kindes- und Erwachsenenschutz zuständig. «Manche Gemeinden haben gezielt auf private Beistände gesetzt, während andere wiederum mehr professionelle einsetzten.» Das sei zum ­einen eine Haltungsfrage, teilweise aber auch eine finanzielle.

Bei der Kesb Luzern Land, zu der mehrere Agglomerationsgemeinden gehören, beträgt der Anteil an Privatbeiständen bei den Erwachsenenmandaten gut 30 Prozent (186 Mandate).

Auf etwas mehr private Beistände als die Stadt Luzern kann auch die Kesb Kreis Emmen zählen. Allerdings ist auch hier der Anteil tief, wie die Zahlen zeigen: Von 418 Erwachsenenschutzmassnahmen werden 61 Mandate durch Private betreut. Das entspricht einem Anteil von 14,6 Prozent. Dabei werden fast alle, nämlich deren 59, von Angehörigen geführt.

Strafregisterauszug ist Pflicht

Wer sich dafür interessiert, privater Beistand in der Stadt Luzern zu werden, kann sich bei der Fachstelle für private Beistände melden. Informationen gibt es im Internet unter www.kesb.stadtluzern.ch, für andere Luzerner Kesb unter www.kesb-lu.ch. In aller Regel werden Auszüge aus dem Straf- und Betreibungsregister verlangt. Wenn diese einwandfrei sind, wird man zu einem Eignungsgespräch eingeladen. Dort geht es vor allem um die Motivationsgründe sowie um die Erklärung der Rechte und Pflichten eines Beistandes. Anschliessend erfolgt eine dreiteilige Schulung.

gus

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