BEIZ: Sein letztes Jahr in der «Jazzkantine»

Henk Bergmans (67) hat ein halbes Jahrhundert die Luzerner Gastronomieszene geprägt. Im Sommer hört er als Wirt der «Jazzkantine» auf – nach 19 Jahren.

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Henk Bergmans in der «Jazzkantine». Nächsten Sommer setzt sich der Wirt zur Ruhe. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Henk Bergmans in der «Jazzkantine». Nächsten Sommer setzt sich der Wirt zur Ruhe. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

«Irgendwann ist es auch mal fertig», sagt Henk Bergmans mit holländischem Akzent. 2016 wird er genau fünfzig Jahre in der Gastronomie tätig gewesen sein. Im Sommer hört die 67-jährige Frohnatur in der «Jazzkantine» auf. 19 Jahre lang hat er das Lokal in der Luzerner Altstadt geführt.

Umstieg auf mehr Essen

Die «Jazzkantine» wurde von der Jazzschule Luzern, die heute der Hochschule Luzern angehört, ins Leben gerufen. Ziel: ein Konzertlokal mit Klubatmosphäre, das Musikern Gelegenheit für Sessions bietet, aber auch allen anderen Kulturinteressierten offen stehen würde. Im Keller entstand das eigentliche Jazzlokal und im Erdgeschoss das Restaurant. Die Jazzschule gründete unter dem Namen «Jazzkantine im Graben GmbH» eine eigene Trägerschaft mit sieben Privatpersonen.

Henk Bergmans ist von der GmbH als Geschäftsführer eingestellt worden. Er betreibt die Beiz und veranstaltete regelmässig Disco-Anlässe. Zuletzt gab es aber immer weniger Partys in der «Jazzkantine». «Die Szene hat sich in Richtung Neustadt verschoben. Das machte es für uns schwieriger», sagt Henk Bergmans dazu. Das Lokal reagierte und setzte deshalb in den letzten Jahren vermehrt auf eine feine Küche. Am Mittag sei das Lokal dadurch jeweils sehr gut gefüllt. «Die ‹Jazzkantine› läuft nach wie vor sehr gut», sagt Bergmans. Doch zurzeit gibt es in der «Jazzkantine» weniger Personal als zuvor: Damit sollen Kosten eingespart werden. «Ich habe jetzt nochmals ein bisschen mehr zu tun. Es ist also ein Endspurt», sagt Henk Bergmans.

Der Wirt wird von zahlreichen Stammgästen herzlich begrüsst und verabschiedet – für alle heisst er Henk. «Klar finden es einige schade, dass ich aufhöre. Aber das Verständnis dafür ist auch da», sagt er. Ihm liegt die «Jazzkantine» nach wie vor am Herzen. Er hofft, dass sein Nachfolger das Lokal weiterhin so führt wie er.

Weinberg in Sardinien

1966 begann der Holländer seine Lehre im Hotel Alpenclub in Engelberg, danach setzte er seine Gastronomie-Karriere unter anderem im Hotel Des Balances sowie in den Restaurants Helvetia und Hopfenkranz fort. Nun setzt sich Henk Bergmans im nächsten Sommer nach 19 Jahren in der «Jazzkantine» zur Ruhe. Dann wird er auch mehr Zeit für seinen Weinberg in Sardinien haben, den er bereits seit einigen Jahren besitzt.

Auswandern möchte der Weinliebhaber aber nicht. «Vielleicht nehme ich mir aber schon ein bisschen länger Zeit für den Rebberg als bis jetzt.» Seine Frau Irene, die auch in der «Jazzkantine» arbeitet, möchte mit einer langjährigen Mitarbeiterin weiterhin ein Lokal betreiben. «Wir möchten aber etwas Kleineres als die ‹Jazzkantine›, das wir ohne Angestellte betreiben können», sagt sie zu ihren Plänen. Es ist gut möglich, dass auch mal der heutige «Jazzkantine»-Wirt aushilft.

Ab 2019 keine «Jazzkantine» mehr

Die «Jazzkantine» soll wie bisher weitergeführt werden, sagt Marianne Doran, ehemalige Geschäftsführerin der Jazzschule Luzern und Gesellschafterin der GmbH. «Wir wollen aber wieder mehr Belebung in der ‹Jazzkantine›. Heisst: mehr Veranstaltungen und Events. Es soll Platz für Neues geben.» Öffentlich ausgeschrieben wurde das Lokal nicht. Bewerbungen gibt es dennoch genügend: «Wir sind bereits mit einigen Interessierten im Gespräch», sagt Doran. Ein Punkt im Anforderungsprofil für den neuen Betreiber ist auch, dass er eine Affinität für die Jazzschule mitbringt. «Noch mindestens in den nächsten drei Jahren ist das ein wichtiger Punkt», sagt Marianne Doran.

Danach verändert sich für die «Jazzkantine» vieles. Grund dafür ist der Umzug der Abteilung Jazz der Hochschule Luzern. Sie zügelt 2019 von der Altstadt zum «Südpol». Dort baut die Hochschule ein neues Musik-Gebäude für 70 Millionen Franken. Die «Jazzkantine» wäre dann zu weit entfernt. Marianne Doran spricht denn auch von einer Zwischenlösung.

«Für den neuen Wirt ist das überhaupt kein Nachteil, da er gewisse Freiheiten besitzt. Es kann genau darum umso interessanter sein.» Geht es nach den Besitzern, bleibt die «Jazzkantine» aber auch nach dem Umzug der Jazzschule eine Beiz mit kulturellen Anlässen und Konzerten. Noch ungeklärt ist, ob die Besitzer mit Bezug zur Jazzschule Eigentümer des Gebäudes bleiben oder ob sie es dann verkaufen möchten.

Raphael Gutzwiller