Beizenfasnächtler auf dem Land plagen Nachwuchssorgen

Ob in Sursee, Willisau oder Altishofen: Die Narren, Sprüchler und Bänkler sorgen für ausverkaufte Lokale. Hingegen haben die Veranstalter Probleme, genügend Protagonisten zu finden. Jetzt haben sie einen Plan.

Ernesto Piazza
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Eine Szene des Narrenlaufs Sursee im Restaurant Schweizerheim. (Bild: Dominik Wunderli, 23. Februar 2017)

Eine Szene des Narrenlaufs Sursee im Restaurant Schweizerheim. (Bild: Dominik Wunderli, 23. Februar 2017)

Das Soorser Narrenlaufen, die Sprüchler in Willisau und die Beizenfasnacht in Altishofen und Umgebung sind feste Bestandteile. Und das soll auch so bleiben. Doch mehr und mehr bekunden die Organisatoren Mühe, die bestandenen Protagonisten bei der Stange zu halten. Zudem entwickelt sich das Rekrutieren von Nachwuchskräften zu einer immer grösseren Herausforderung.

Daher haben sich die Verantwortlichen entschieden, künftig regionenübergreifend zusammenzuspannen. «Wir erhoffen uns mit diesem Schritt neben neuen Gruppen auch eine Blutauffrischung bei den Teilnehmenden», bringt Raini Thüer die gemeinsame Initiative auf den Punkt. Er ist bei der Karnöffelzunft Willisau für den dortigen Anlass zuständig. Als weiteren Effekt erhoffen sich die Organisatoren «Narrenläufer und Sprüchler zu animieren, nicht nur an einem Abend aufzutreten», sagt Florian Felber, «Usrüefer» bei der Zunft Heini von Uri Sursee. «Wenn sie die Sketches nicht bereits nach einem Auftritt wieder in die Schublade legen müssten, wäre das möglicherweise für einige ein Grund, ebenfalls mitzumachen.»

Am Fasnachts-Abschlussapéro in Willisau war das Thema erstmals zur Sprache gekommen. Im Juni traf sich eine Kerngruppe zu einem Austausch. Am vergangenen Montag besuchten rund 20 Personen in Willisau einen entsprechenden Infoanlass. Mit dabei waren sowohl Neuinteressierte wie auch bestandene Unterhalter. Im Rahmen der Veranstaltung wurde potenziellen Neumitgliedern mittels Präsentation ebenfalls aufgezeigt, was künftige Neulinge erwartet.

«Können auf harten Kern zählen»

In Sursee treten momentan am Schmudo neun bis elf Einzelpersonen oder Gruppen in sieben Restaurants auf. «Wir können auf einen harten Kern zählen», erfreut sich Nico Cozzolino. Er gehört bei der Zunft Heini von Uri Sursee zum Komitee Narrenlaufen. So sind die Auftritte des unverwüstlichen «Ruedi» seit Jahren Programm. Auch die «Chele-Müüs» mit den bissigen Reimen und ihren kakofonischen Klängen sind ein spezieller Farbtupfer im bunten Soorser Programm. Doch Cozzolino sagt auch: «Neue Teilnehmer zu rekrutieren, wird zusehends schwieriger.»

In Willisau sind am Güdismontag jeweils acht bis neun Einzelmasken oder Gruppen in acht Restaurants unterwegs. «Unser Anlass boomt nach wie vor», sagt Thüer. Die Lokale sind praktisch immer ausgebucht. Die Veranstaltungen haben sich als Publikumsmagnet etabliert. Dasselbe gilt übrigens auch für die Soorser Gastbetriebe. Trotzdem bereitet der Blick in die Zukunft den Willisauer Organisatoren einige Sorgenfalten. «Es finden sich zusehends weniger Interessierte, die den zeitlichen Aufwand, ein Programm auf die Beine zu stellen, auf sich nehmen. Zudem ist es nicht jedermanns Sache, vor Publikum aufzutreten», ortet Raini Thüer Gründe für die jetzige Situation.

«Wir möchten gerne zwei bis drei Teilnehmer mehr»

In Altishofen ist die Lage noch etwas angespannter als in Sursee und Willisau. Momentan «bänklen» drei Gruppen, dazu sind zwei Musikformationen unterwegs. «Wir möchten gerne zwei bis drei Teilnehmer mehr», sagt Werner Hodel. Er hat zusammen mit Beat Lütolf die Fäden in der Hand.

Beim besagten Thema ist Altishofen mit Reiden und Dagmersellen seit Jahren in Kontakt. Altishofen und Reiden organisieren die Beizenfasnacht am Schmudo. Ein gegenseitiger Besuch ist daher nicht möglich. Dagmersellen, das an der Infoveranstaltung in Willisau durch Altishofen vertreten wurde, hat seinen Anlass am Güdismontag.

Für Altishofen kommt erschwerend dazu, dass die Auftritte gleichzeitig nicht nur im Dorf, sondern auch in Nebikon, Ebersecken und Ohmstal über die Bühne gehen. Das bedingt für die Gruppen längere Fahrwege und dadurch zwischen den einzelnen Aufführungen für die Besucher womöglich grössere Wartezeiten.

Die Organisatoren sind sich aber einig: Dieser alte Brauch soll weiter bestehen. Deshalb sagt Hodel: «Wir müssen bei den Interessierten nachfassen und so proaktiv auf mögliche Neulinge zugehen.» Dranbleiben ist auch für Cozzolino ein absolutes Muss. «Vielleicht müssten wir das Ganze noch gezielter und mit Nachdruck angehen», mutmasst er.