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Beizentausch in der Luzerner Altstadt Teil 2: Das «Magdi» hat seinen Charme bewahrt

Dies ist eine Hommage an zwei der letzten traditionellen Beizen in der Luzerner Altstadt: Im «Doorzögli» gönnt sich unsere Autorin ab und zu ein Glas Wein. Unser Autor wiederum verkehrt an Wochenenden gerne bei einem Carajillo in der «Magdi»-Bar. Für einmal haben die beiden das Lager gewechselt.
Sandra Monika Ziegler
Die Autorin lässt sich vor der «Magdi»-Bar Geschichten erzählen. (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 1. Oktober 2019)

Die Autorin lässt sich vor der «Magdi»-Bar Geschichten erzählen. (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 1. Oktober 2019)

Für einen Carajillo oder ein Bier, für ein Glas Wein oder einen Whisky: In der Magdi-Bar in der Eisengasse hat jeder Gast seine Favoriten. Einige kommen zum Apéro und zügeln später einen Stock in die Beiz höher zum Essen oder machen den umgekehrten Weg. Sie essen zuerst und nehmen dann den Absacker in der Bar.

Die Beiz in der Altstadt blickt auf eine lange bewegte Geschichte zurück, gehört zu den Ältesten der Stadt. Ab 1803 war sie als Spelunke für Handwerker und anderes Volk ohne Alkoholausschank in Betrieb. Dann wurde aus der Mostschenke eine Knelle, die seither immer wieder sanft renoviert wurde. Im Jahr 2006 erhielt das Restaurant eine moderne Küche und wurde zur gemütlichen Beiz für bis zu 60 Personen. Seinen Charme hat das Magdi jedoch über all die Jahre behalten. Ist Kreativtreff, Kultlokal, Absackerbar, Zufluchtsort oder Wohnzimmer – je nach Gast.

Seit dem Rauchverbot 2010 ist der obere Stock ohne Qualm. Das hat sich bestens eingespielt und erfordert nur ein Paar Schritte. Ein Fumoir musste dazu nicht eingerichtet werden, denn in der Bar darf nach wie vor geraucht werden.

Das Restaurant St. Magdalena an der Eisengasse serviert auch Tapas. (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 1. Oktober 2019)

Das Restaurant St. Magdalena an der Eisengasse serviert auch Tapas. (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 1. Oktober 2019)

Seit 1994 ist Carlos Eichmann der alleinige Geschäftsführer der Lokalität, er kam ursprünglich vom Bistro du Théâtre in die Eisengasse. Zuvor waren es Roli und Inge und noch früher Elsi und Fonsi. Aktiv am Tresen war Carlos schon sechs Jahre zuvor. In den über 30 Jahren, die er nun an der Eisengasse wirtet, gelang es ihm und seinem Team, allen Stürmen charmant und bestimmt Paroli zu bieten. Gekocht wird mit Marktprodukten und Biofleisch nach internationalem Gusto. Und mittwochs gibt es den Mittagstisch. Dann kostet das Menu 15 Franken inklusive Softgetränk.

Locker und unaufgeregt

Bei meinem Besuch setze ich mich an die Bar, an den linken Rand in die Ecke. So habe ich freie Sicht auf Gäste und Eisengasse. Adrian, seit einem guten Jahr Barchef, richtet die Getränke: ein Bier, ein zweites, drei Carajillo, einen Gespritzen und meinen Rotwein. Das Wetter lässt es heute zu, auch in der Gasse zu sitzen. An den wenigen Tischchen hat es bereits Gäste. Sie kennen sich, stammen aus der Stadt oder der näheren Umgebung.

Die Atmosphäre ist locker und unaufgeregt, frau bleibt beim Vornamen. Ab und an verschlägt es mich in oder vor diese Raucheroase. Und jedes Mal treffe ich auf Menschen, mit denen ich auch schon gesprochen habe, solche die mit dem Madgi älter geworden sind. Was mir besonders gefällt, ist das Zwanglose, das hier bewusst gepflegt wird: Entweder wird gequatscht oder man wird mit seinen Gedanken in Ruhe gelassen, ohne gleich als arrogant zu gelten. Es gibt kein Muss. Selten wird im Magdi, wie etwa in anderen Beizen, aufs Handy gestarrt. Stattdessen wird geredet. Entsprechend viele Geschichten hört Andi an der Bar. Der Tresen ist schmal, die Gäste sind nah. «Ich bekomme alles mit, muss aber nichts kommentieren», sagt er.

Der Tresen der «Magdi»-Bar. (Bild: Nadia Schärli Luzern, 1. Oktober 2019)

Der Tresen der «Magdi»-Bar. (Bild: Nadia Schärli Luzern, 1. Oktober 2019)

Am hohen Stehtisch beim Fenster entdecke ich ein bekanntes Gesicht. Ich grüsse den Mann. Er lächelt, nickt freundlich und zieht von dannen – erkannt hat er mich nicht mehr. Mir kommen kulinarische Gelage in den Sinn, ein unvergessliches gelbes Fest und die grossen Wandmalereien. Mann wird nicht jünger, auch Frau nicht. Der stumme Gast an der Theke bestellt sich noch ein Bier, die zwei an der Wand gehen verbal nochmals das bevorstehende Wochenende durch. Draussen setze ich mich zu Andi. Er steigt ein ins Gespräch und erzählt mir, dass er zwar gebürtiger Luzerner sei, jetzt aber in Ballwil wohne: «Eigentlich bin ich hier vor Jahren hängen geblieben. Denn in den 90er-Jahren war hier im Erdgeschoss der Kultladen ‹Shave & Sound› eingemietet.» Geführt wurde er von der Barbierin Christine Weber. Zum Haarschnitt waren auch immer Musikwünsche frei. Andi liess sich von Christine regelmässig den Bart trimmen. Und später kam noch eine Coiffeuse in die Rasierstube, in der auch gepierct wurde und sogar die Condomeria Platz fand. Alles Tempi passati, den Bart trägt Andi noch, aber gepierct, getrimmt oder geschnitten wird hier nicht mehr, höchstens noch die Schale von der Zitrone für den legendären Carajillo.

So kunterbunt wie die Gäste, sind auch die Wände und Türen im «Magdi». (Bild: Nadia Schärli Luzern, 1. Oktober 2019)

So kunterbunt wie die Gäste, sind auch die Wände und Türen im «Magdi». (Bild: Nadia Schärli Luzern, 1. Oktober 2019)

Auch gab es Zeiten, in denen man sich an Samstagen nach dem Einkauf hier mit anderen Shoppern traf. Die voll gepackten Einkaufstaschen stellte man ab, um «schnell» noch einen Drink zu nehmen, die News auszutauschen oder sich nach jemandem zu erkundigen. Es blieb nie beim «schnell» und wurde immer später und später. Die Zeit raste vorbei, die Einkäufe welkten dahin und wurden zu guter Letzt auch noch vergessen. So hatten auch die Barbetreiber etwas davon.

Jeder Wochentag hat seinen Reiz

Der Samstag hat in der Magdi-Woche seinen besonderen Reiz. So kunterbunt durchmischt wie an diesem Tag, ist die Gästeschar sonst nie. An Samstagen ist bereits ab 10 Uhr offen, sonst ab 15 Uhr. Einer, der das hautnah erlebt, ist Barkeeper Jürg. Er schätzt und liebt seine Gästeschar seit über 20 Jahren. Sie haben mit dem Samstagmorgen-Besuch ihr festes Ritual, zur festen Zeit. Als Erstes sind die Marktgänger am Tresen. Mit Cappuccino laufe aber nicht viel, lacht Jürg, da gehe es schon eher direkt in den Apéro. Noch immer schleppen die Morgengäste ihre vollgepackten Einkaufstaschen an – aber anders als früher nehmen sie sie wieder nach Hause.

Getankt wird im Magdi aber nicht nur Alkohol, sondern auch Benzin. Aber nur für das Zippo-Feuerzeug. Nicht die einzige Spezialität des Hauses. Denn das Magdi ist wohl die einzige Beiz in der Luzerner Altstadt, die mit einem eigenen Fussballclub auftrumpfen kann. Ja, das gibt’s. Damit die Balance zwischen Körper und Geist lange anhält, wurde in den 80er-Jahren der AC Magdalena gegründet. Die Spiellust war in den Anfangszeiten etwa gleich stark wie die Trinklust. So waren es meist nur kurze Auftritte und selten ein Endrundenspiel.

Kultur gibt's nicht nur an der Wand, sondern immer wieder auch im Restaurant. (Bild: Nadia Schärli Luzern, 1. Oktober 2019)

Kultur gibt's nicht nur an der Wand, sondern immer wieder auch im Restaurant. (Bild: Nadia Schärli Luzern, 1. Oktober 2019)

Es wird spät und später. Die Gäste wechseln von draussen nach drinnen und umgekehrt. Einen kurzen Moment wird es eng, es prasselt in der Eisengasse und die Gäste suchen das Trockene. Kaum verebbt der Regen, teilt sich die Gästeschar. Einige bleiben drinnen, andere gehen nach draussen. So wie ich. Der Abend war für mich eine bereichernde Reise in die Vergangenheit. Was hängen bleibt, sind – nebst Rauch in Kehle und Kleidern – Geschichten, die das Leben schrieb. Ich möchte diese Lebensausschnitte nicht missen.

Hier geht es zum zweiten Teil des Beizentauschs:

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