Beliebte Plattform während der Coronakrise: Jetzt hat auch Entlebuch einen digitalen Dorfplatz

Die App «Crossiety» soll das lokale Zusammenleben attraktiver gestalten. Während der Coronakrise gar nicht mal so einfach. Zeit für die Nutzer, kreativ zu werden – Buttisholz macht's vor.

Livia Fischer
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Hat jetzt auch die Crossiety-App: die Gemeinde Entlebuch.

Hat jetzt auch die Crossiety-App: die Gemeinde Entlebuch.

Bild: Corinne Glanzmann

Buttisholz machte im März den Anfang, seit zwei Wochen hat auch Entlebuch mit der Crossiety-App einen digitalen Dorfplatz. Bisher haben sich bereits 447 Personen auf der Plattform registriert – was einem Anteil von rund 13,5 Prozent der Bevölkerung entspricht. «Das ist grossartig!», freut sich Gemeindepräsidentin Vreni Schmidlin und ergänzt: «So erreichen wir jetzt schon mehr Leute als mit unserem Newsletter oder bei einer Gemeindeversammlung.»

Crossiety soll das Zusammenleben attraktiver gestalten. Einwohner können etwa über lokale Themen diskutieren, mit Ware handeln oder zum gemeinsamen Spörtlern aufrufen. So finden sie zwar digital zusammen, das Engagement erfolgt aber analog. Während der Coronakrise lässt sich dieses Konzept jedoch nur schwierig umsetzen.

Gemeinden informieren via App über Coronamassnahmen

Trotzdem können Benutzer der App in dieser Zeit einen grossen Nutzen abgewinnen. Die Gemeinde Entlebuch etwa informiert über den Kanal laufend über die neuen Coronamassnahmen. «Ich denke, das gibt der Bevölkerung viel Sicherheit. So wissen sie immer schnell, was sie dürfen und was nicht», sagt Schmidlin. Die FDP-Frau erzählt ausserdem von Leuten, die via Crossiety Einkaufshilfen oder Masken anbieten. Und von der Bibliothek, die jetzt ein «Büchertaxi» habe. Viel mehr passiere aber noch nicht. «Das kommt bestimmt noch. Schliesslich haben wir die App gerade erst lanciert», sagt Schmidlin zuversichtlich.

Ein Beispiel, wie sich die Plattform entwickeln kann, liefert Buttisholz. «Wir haben in diesen zwei Monaten sehr gute Erfahrungen gemacht», sagt Geschäftsführer Reto Helfenstein. Vor allem während der Pandemie sei er froh, dass die Gemeinde wie auch die Kommission Bevölkerungsschutz «extrem zeitnahe Informationen mittels Push-Meldungen» veröffentlichen könne. Auch Gewerbebetriebe nutzen die App während der ausserordentlichen Lage aktiv; machen Werbung für die Zeit nach dem Lockdown oder bieten Hauslieferdienste an.

Buttisholzer werden kreativ und trotzen der Langeweile

Genauso aktiv sind die Buttisholzer selbst. «Sie verschenken nicht mehr benötigtes Material oder verkaufen es zu günstigen Preisen», sagt Helfenstein. Darunter befinde sich alles Mögliche – von einer Poolleiter über Reitzubehör bis hin zu Druckerpatronen. Zudem würden laufend Fitness-, Ernährungs- und Pflegetipps veröffentlicht. «Turnerinnen präsentieren humorvolle Quarantäne-Workouts», nennt Helfenstein als Beispiel. Auch Empfehlungen für physiologische Kochsalzlösungen oder Hand- und Fusspeelings seien auf der Plattform zu finden.

Und nicht zuletzt: Anti-Langeweile-Tipps. So mache die Kirchengemeinde Gebetsaufrufe und Bewohner hätten etwa einen Fotowettbewerb für Ostern gestartet oder einen persönlichen Fragebogen erstellt, damit sich die Nutzer «Zeit für sich selbst nehmen». Weiter erzählt Helfenstein, die Jugendanimation Buttisholz rege dazu an, Papierflieger zu basteln und beim Wegwerfen zu filmen.

Mittlerweile haben sich fast 900 Buttisholzer und somit knapp ein Drittel der Bevölkerung auf Crossiety angemeldet. Zwar hat die Gemeinde stets fleissig Werbung gemacht, Helfenstein ist sich aber sicher:

«Die Corona-Zeit hat klar dazu beigetragen, dass wir innert kurzer Zeit sehr viele Nutzerinnen und Nutzer gewinnen konnten.»

Dennoch glaubt der Geschäftsführer, dass der digitale Dorfplatz nach der Pandemie «noch viel reger» genutzt werde. «Dann, wenn sich die Leute zu einer gemeinsamen Bikefahrt treffen und die Vereine wieder ihre Anlässe durchführen können.»

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