BELIMED: Verunsicherung in Ballwil

Ballwil verliert mit der Belimed den grössten Arbeitgeber und 130 Arbeitsplätze. Die Betroffenheit in der Gemeinde ist gross.

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Gemeindepräsident Benno Büeler gestern auf dem Belimed-Areal: Die Firma soll geschlossen werden. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Gemeindepräsident Benno Büeler gestern auf dem Belimed-Areal: Die Firma soll geschlossen werden. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Ernesto Piazza

Hiobsbotschaft für 130 Mitarbeiter der Firma Belimed in Ballwil: Als Teil einer Restrukturierung wird der Standort des Unternehmens, welches Reinigungs- und Sterilisationsgeräte für Arztpraxen, Spitäler, Labors und die Pharmaindustrie herstellt, bis Ende 2016 in verschiedenen Etappen (siehe Ausgabe von gestern) geschlossen. «Dieser Entscheid macht betroffen», sagt Ballwils Gemeindepräsident Benno Büeler auf Anfrage. Die Mitarbeiter hätten schockiert auf diese Mitteilung reagiert. Und Walter Stalder, der Direktor Wirtschaftsförderung Luzern, betont: «Ich hatte zwar seit längerer Zeit wegen des Belimed-Standortes in Ballwil ein komisches Bauchgefühl. Über eine Standortschliessung sind wir aber doch überrascht und nicht vorab informiert worden.»

Lehrlinge können bleiben

Am vergangenen Freitag habe er von der Metall-Zug-Gruppe einen Anruf mit der Bitte um ein Gespräch erhalten, erzählt Büeler. Am Montagmorgen um 7.30 Uhr wurde er von den Verantwortlichen über deren Pläne informiert. «Ballwil verliert rund einen Siebtel seiner insgesamt 900 Arbeitsplätze», weiss der Gemeindepräsident. Etwa die Hälfte der Stellen wird nach Zug an den Standort des Haushaltgeräteherstellers V-Zug verlegt. «Bei den übrigen Mitarbeitern sagten uns die Verantwortlichen, dass sie bei der Suche nach Lösungen mithelfen wollten», so Büeler. Ein entsprechender Sozialplan soll mögliche finanzielle Einbussen abfedern. Auf die Auszubildenden hat dieser Entscheid allerdings keinen Einfluss. Sie können ihre Lehrzeit beenden. Trotzdem wird es wohl zu Kündigungen kommen.

Neu orientieren

Von der Schliessung in Ballwil sind viele Leute aus der Umgebung und zwölf in Ballwil wohnende Mitarbeiter teilweise mit Familie – betroffen. «Sie müssen sich alle neu orientieren, was zu Verunsicherung führt», sagt Büeler. Und er sagt auch: «Nicht die fehlenden Steuereinnahmen schmerzen, sondern der Verlust von Arbeitsplätzen im Dorf.»

Zweimal hatte der Ballwiler Gemeinderat in den letzten beiden Jahren mit den Belimed-Verantwortlichen Kontakt. Letztmals war das im Dezember mit Hanspeter Weber, dem Produktionsleiter vor Ort, der Fall. Bei diesem Gespräch habe der Produktionsleiter von den Plänen, das Werk in Ballwil zu schliessen, noch nichts gewusst, so Büeler.

Notfallszenario

Auch die Luzerner Wirtschaftsförderung tauschte sich regelmässig mit der Firma aus. Direktor Walter Stalder sagt: «Wir sind mit der Belimed seit 2007 immer wieder in Kontakt. Ab 2009 diskutierten wir sogar über eine eventuelle Aussiedlung des Betriebs. Dies, weil am jetzigen Standort keine Möglichkeit mehr für eine Expansion besteht.» Das letzte Gespräch fand im Oktober 2014 statt. Stalder betont aber auch, dass sie seit 2014 keinen Kernansprechpartner mehr gehabt hätten.

Für solche Fälle wie aktuell die Belimed in Ballwil liegt bei der Wirtschaftsförderung Luzern ein Notfallszenario bereit. «Bei Bedarf bieten wir die Moderation einer Task-Force an», sagt der Direktor. Sie würde beispielsweise bei der Platzierung von Mitarbeitern oder auch bei der künftigen Verwendung des Areals beigezogen. Da es sich jedoch um keine Massenentlassung handelt, bestehe diesbezüglich kein akuter Handlungsbedarf, erklärt Stalder.

Über die konkreten Pläne der Grundeigentümer zur künftigen Verwendung des 10 000 Quadratmeter grossen Areals ist dem Gemeinderat nichts bekannt. Auf die weitere Entwicklung will man aber ein kritisches Auge werfen. Das Gelände gehört der V-Zug Immobilien AG. Die Belimed befindet sich in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs, an der Hauptverkehrsstrasse EmmenHochdorf–Hitzkirch.