Bereits nach zwei Monaten ist klar: Uber setzt die Luzerner Taxi-Branche unter Druck

Seit Mitte Dezember bietet Uber seine Dienste in Luzern an. Das spüren die lokalen Taxifahrer – höchstwahrscheinlich auch während der Fasnacht.

Pascal Studer
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Uber ist in Luzern angekommen. Das international tätige Unternehmen hatte vergangenen Dezember mitgeteilt, den Luzerner Markt zu erschliessen. Mit den ersten zwei Monaten sind die Verantwortlichen zufrieden, sagt Luisa Elster, Medienverantwortliche von Uber Schweiz: «Die Fahrer und Fahrgäste haben den Service sehr gut angenommen.»

Die durchschnittliche Wartezeit für eine Fahrt liege zwischen sechs und sieben Minuten, zudem sei die Nachfrage nach Uber-Dienstleistungen in Luzern steigend. Lokalspezifische Kennzahlen oder Wachstumsraten teilt das Unternehmen auf Anfrage nicht mit.

Haben Einbussen verzeichnet: die Taxifahrer vor dem Luzerner Bahnhof.

Haben Einbussen verzeichnet: die Taxifahrer vor dem Luzerner Bahnhof.

Bild: Boris Bürgisser, 15. Juni 2016

Negative Auswirkungen hat Uber auf die hiesigen Anbieter – vor allem auf diejenigen, die zwischen dem Luzerner Hauptbahnhof und dem Torbogen auf dem Bahnhofplatz auf ihre Kundschaft warten. Genau dies macht Mohammed Gale. Der selbstständige Taxifahrer ist seit acht Jahren in Luzern tätig und sagt über die neue Konkurrenz:

«Es ist eine Katastrophe.»

Gemäss Gale verzichten vor allem Touristen fast ausschliesslich auf Luzerner Taxifahrer und nutzen stattdessen Uber. Auch Nachtschwärmer, die am Wochenende zu später Stunde Clubs und Bars verlassen, würden vermehrt Uber für ihren Heimweg buchen. Dies habe Folgen, sagt Gale: «Ich habe in den vergangenen Wochen erhebliche Einnahmeeinbussen verzeichnet.» Beziffern könne er diese allerdings nicht. Für Gale ist klar, dass auf politischer Ebene etwas geschehen muss: «Ich wünsche von den Politikern, dass sie Uber verbieten.»

Dies wäre in der Schweiz kein Novum: Im vergangenen November hatte Genf als erster Schweizer Kanton das Geschäftsmodell untersagt. In Luzern hat SP-Kantonsrat David Roth diesbezüglich kürzlich ein Postulat eingereicht. Die Antwort des Regierungsrats ist allerdings noch ausstehend, zu hängigen Vorstössen nimmt der Kanton keine Stellung.

Der Schweizerische Nutzfahrzeugverband Astag schreibt derweil, dass man grundsätzlich für den freien Wettbewerb einstehe. Voraussetzung sei jedoch, dass für alle Marktteilnehmer die gleichen Rahmenbedingungen gelten würden. Auch Uber müsste sich daher an dieselben Vorgaben halten wie das Taxigewerbe. Gemäss Astag ist dies heute jedoch noch nicht der Fall.

Uber jagt auch grösseren Taxiunternehmen Kunden ab

Nicht nur selbstständige Taxifahrer spüren die neue Konkurrenz auf dem Taximarkt Luzern. Auch lokale Unternehmen sehen, wie ihre Kunden teilweise zu Uber abwandern. Taxi Olé bestätigt die Aussagen von Mohammed Gale, wonach vor allem Touristen das neue Angebot nutzen würden. So habe das Unternehmen, welches vor 20 Jahren in Luzern gegründet wurde, in den vergangenen Wochen ebenfalls weniger Fahrten durchgeführt. «Vor allem in der Nacht sind wir weniger gefragt», teilt Taxi Olé mit.

Nicht ganz so deutliche Aussagen macht Roman Frey. Der Inhaber von RF Taxi Luzern bestätigt zwar, auch sein Unternehmen habe beim Partyvolk Abstriche machen müssen. Ob dies jedoch an Uber liege, wisse er derzeit nicht und es bedürfe weiterer Abklärungen. Positiv für Frey sei aber, dass er auf eine breite Stammkundschaft zurückgreifen könne. «Diese wechseln nicht so schnell zu Uber», sagt er. Ohnehin würde seine Firma nur Fahrten auf Bestellung anbieten.

Wohl mehr Uber-Fahrer während der Fasnacht

Am Donnerstag beginnt in Luzern die Fasnacht. Die Stadt wird für ein paar Tage in einen Ausnahmezustand versetzt. Ist dies für Uber Grund genug, das Angebot in Luzern zumindest vorübergehend zu intensivieren? Das Unternehmen teilt auf Anfrage mit, es schreibe den Fahrern nicht vor, wo sie tätig sein sollen. Diese könnten im Rahmen der geltenden Gesetze selber entscheiden, wo sie ihre Dienste anbieten.

Da sich während der Fasnacht viele Menschen in Luzern aufhalten, ist es folglich wahrscheinlich, dass in den nächsten Tagen mehr Uber-Fahrer in der Stadt Luzern anzutreffen sind als üblich. Der Konkurrenzdruck für die lokalen Taxifahrer dürfte sich also während der Fasnacht akzentuieren.