BERGBAHNEN: «Höchst fragwürdiges Projekt»

Der Kanton will 6 Millionen ins Projekt des Skigebiets Sörenberg–Rothorn investieren. Dagegen hagelt es Kritik von Naturschützern. Der Kanton verteidigt sich.

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Das ist in Sörenberg geplant. (Bild: Grafik Neue LZ)

Das ist in Sörenberg geplant. (Bild: Grafik Neue LZ)

Evelyne Fischer

An den Anlagen rund ums Brienzer Rothorn nagt der Zahn der Zeit: Die Sesselbahn Eisee–Rothorn läuft derzeit bloss mit einer provisorischen Konzessionsbewilligung. Die Skipisten sind nur mit einem Marsch durch einen Tunnel erreichbar. «Die Anlage auf dem Rothorn ist über 40 Jahre alt. Werden die Bahnen jetzt nicht ersetzt, müssen wir das Skigebiet mittelfristig aufgeben», sagt Fredy Portmann, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Sörenberg AG. Mit einem 36-Millionen-Projekt soll das Rothorn deshalb mit Sörenberg verbunden und das Skigebiet um eine neue Sesselbahn ausgebaut werden. 6 Millionen will der Kanton beisteuern – 1,8 Millionen in Form eines Darlehens, 4,2 Millionen als Bürgschaft (Ausgabe vom 27. Oktober).

Kredit für «Landschaftsfrevel»

Gegen diese Beteiligung und das Projekt gehen Pro Natura, die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und der WWF auf die Barrikaden: In einer Mitteilung reden die Einsprecher von «Landschaftsfrevel» und von einem «unakzeptablen Umgang» mit einer schützenswerten Region. «Dies ist ein höchst fragwürdiges Projekt», sagt Samuel Ehrenbold von Pro Natura Luzern. «Umso erstaunlicher ist es, dass die zahlreichen noch hängigen Einsprachen in der Botschaft der Regierung einzig in einem Satz erwähnt werden.» Der Kanton informiere einseitig und lasse die problematischen Punkte aussen vor. In «Zeiten grösster finanzieller Schwierigkeiten» setze er «blauäugig aufs falsche Pferd».

180 Arbeitsplätze betroffen

Dem widerspricht Sven-Erik Zeidler, Leiter der Dienststelle Raum und Wirtschaft. «Von einem Hinters-Licht-Führen kann keine Rede sein.» Die Botschaft enthalte «alle wesentlichen Informationen», die der Kantonsrat für die Abstimmung über den Sonderkredit in der nächsten Session benötige. Auf einzelne Einsprachepunkte einzugehen, sei «weder üblich noch zweckmässig», da die abschliessende Beurteilung – etwa punkto Umweltverträglichkeit – dem Bundesamt für Verkehr obliege. Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben wird das Geschäft vorberaten. Bis die inhaltliche Diskussion stattgefunden hat, äussert sich Präsident Rolf Born (FDP) nicht.

«Aus wirtschaftlicher Sicht verdient das Projekt die volle Zustimmung des Kantons», sagt Zeidler. «Von der Positionierung im umkämpften Wettbewerb der Wintersportgebiete hängen allein bei den Bergbahnen 180 Arbeitsplätze ab – 30 Vollzeit- und bis zu 150 Saisonstellen.» Die Mittel für das Darlehen seien im Budget 2015 enthalten und vorhanden. «Die Bürgschaft von 4,2 Millionen löst keine Zahlungen aus und bleibt von der Schuldenbremse unberührt.»

Kritik an mangelndem Rückbau

Im rauen Wind, der dem Projekt entgegen weht, geben sich die Bergbahnen Sörenberg AG standhaft: «Dass sich Pro Natura, die Stiftung Landschaftsschutz und der WWF zu Wort melden, liegt in der Natur der Sache», sagt Verwaltungsratspräsident Fredy Portmann.

Die Naturschützer kritisieren, dass es für das neue Gipfelrestaurant zu «massiven Eingriffen ins Landschaftsbild» kommt, Lawinensprengungen in Wildruhezonen vorgenommen werden und dass «aus Kostengründen» auf den Rückbau nicht mehr benötigter Bauten verzichtet werde. Dies betrifft die Talstation Schönenboden der Rothorn-Bahn. «Ein Abriss wäre Verhältnisblödsinn», sagt Portmann. «Auf dem frei werdenden Platz können wir unsere Beschneiungsanlagen unterbringen. Zudem befinden sich in der Talstation heute ein Kleinkraftwerk und eine Trafostation. Deswegen halten wir an der Umnutzung fest.»

Auf der Berner Seite hat die Brienz-Rothorn-Bahn Einsprache eingereicht. Man gebe derzeit keinen Kommentar ab, sagt Direktor Simon Koller auf Anfrage.