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BERGBAU: Nur in Krisenzeiten begehrt

Vor 70 Jahren wurde das Bergwerk im Sonnenberg stillgelegt – weil heimische Kohle nach dem Ende des Kriegs viel zu teuer war. Zuvor aber verdienten Mineure hier gutes Geld.
Stefan Dähler
Das Bild wurde während des 2. Weltkrieges oberhalb der Liegenschaft Vogelsang in Littau aufgenommen. (Bild: PD)

Das Bild wurde während des 2. Weltkrieges oberhalb der Liegenschaft Vogelsang in Littau aufgenommen. (Bild: PD)

Stefan Dähler

«Eigentlich ist die Kohle aus dem Sonnenberg nicht konkurrenzfähig», sagt Patrick Koch. Der Krienser SVP-Einwohnerrat hat sich privat lange mit dem dortigen Bergwerk beschäftigt und auch ein Buch darüber geschrieben. «Die Qualität ist schlecht. Die Kohle ist sehr brüchig, enthält viel Sand und hat einen hohen Schwefelgehalt, wodurch beim Brennen die Öfen beschädigt worden sind.»

Darum sei die Kohle aus dem Sonnenberg nur zu Krisenzeiten begehrt gewesen – dann dafür richtig. Während der Weltkriege war das Kohlebergwerk Sonnenberg eines der wichtigsten in der Schweiz, weil die Versorgung aus dem Ausland stockte. Auch die Löhne waren fürstlich: «Ein Mineur verdiente gegen Ende des Zweiten Weltkriegs rund 1000 Franken pro Monat. Das war damals sehr viel Geld», sagt Koch. Zum Vergleich: Ein Bankangestellter erhielt nur die Hälfte. Nach dem Ende des Kriegs war die Luzerner Kohle aber schnell nicht mehr gefragt, die Abbaufirmen schrieben Verluste. «Aus dem Ruhrgebiet etwa konnte man Kohle viel günstiger und mit höherer Qualität kaufen.» 1946 – vor 70 Jahren – wurde das Bergwerk im Sonnenberg schliesslich geschlossen.

Auch Eisen am Sonnenberg

Die Periode von 1941 bis 1946 war vorerst die letzte, während der man im Sonnenberg intensiv Rohstoffe abbaute. Damit endete eine lange Tradition. Bereits im Mittelalter sind Abbauversuche mit eisenhaltigen Gesteinen unternommen worden. So hiess die heutige Wolfsschlucht damals Erzgrube. Die Umtaufe in den romantischeren Namen Wolfsschlucht hatte später ein Hotelier vom Sonnenberg vorgenommen.

Der erste Kohlestollen entstand 1839 oberhalb der Liegenschaft Vogelsang in Littau. Zuvor hatte ein Waldarbeiter das Vorkommen entdeckt. Initiiert wurde der Stollen von Bleicher Degen und den Gebrüdern Filliger von der Hammerschmiede aus Kriens. Bereits nach wenigen Jahren gaben diese den Betrieb jedoch auf. Danach folgten bis 1881 weitere Versuche, die ebenfalls nicht von grossem Erfolg gekrönt waren.

Rohstoff-Engpass während Kriegen

Als es aufgrund der Weltkriege in der Schweiz zu Rohstoff-Engpässen kam, wurde die Sonnenberg-Kohle aber wieder interessant. Der Grosse Rat des Kantons Luzern erliess 1918 ein Gesetz, laut dem Bodenschätze dem Staat gehören. Der Regierungsrat konnte zur Gewinnung Konzessionen an Private erteilen. Ab 1918 baute die Firma Gustav Weimann aus Zürich südlich von Vogelsang bei Littau Kohle ab, ab 1919 am ganzen Sonnenberg. Bereits 1920 wurde der Betrieb wieder eingestellt. Insgesamt bauten die Mineuere am Sonnenberg in dieser Zeit stattliche 7843 Tonnen Braunkohle ab – das entsprach fast einem Viertel der schweizerischen Gesamtproduktion.

Am besten dokumentiert ist der Abbau am Sonnenberg während des Zweiten Weltkriegs. In dieser Zeit erhielt die Fuga AG aus Luzern die Konzession. Sie gewann von 1941 bis 1946 insgesamt 21 848 Tonnen Kohle – etwa 5 Prozent der schweizerischen Gesamtproduktion. Hauptabnehmer waren Industriebetriebe in der Region wie die Eisenwerke von Moos in Emmenbrücke, die Papierfabrik Perlen und die Spinnerei Schappe sowie die Maschinenfabrik Bell ­(beide in Kriens). Die Stolleneingänge befan­den sich erneut oberhalb der Liegenschaft Vogelsang sowie beim Rengg­loch. Der längste Stollen führte 1,2 Kilometer unter dem Berg durch.

Bis zu 100 Angestellte

«Das Bergwerk war zu dieser Zeit ein bedeutender Arbeitgeber in der Region», sagt Koch. Bis zu 100 Leute waren dort angestellt. Die meisten davon kamen aus Kriens, Littau und weiteren Luzerner Gemeinden. Sie wohnten an der Basel- und Bernstrasse sowie in Bergwerk-Pensionen. Eine davon befand sich im ehemaligen Restaurant Hammer auf dem Littauerboden. Die Mineure verdienten wie erwähnt gut, die Arbeitsbedingungen waren aber sehr hart. Der Arbeitstag dauerte zehn Stunden, abgebaut wurde Tag und Nacht. Koch: «Durch die Bohrungen litten viele Arbeiter unter einer Quarzstaub-Lunge, was schweres Asthma zur Folge hatte.» Die Einführung des Nassbohrens entschärfte die Situation.

Mehrere Todesfälle

Während des Abbaus zur Zeit des Zweiten Weltkriegs kam es zu drei Todesfällen. Ein Arbeiter erlitt nach einem Deckeneinbruch einen Herzinfarkt. Ein weiterer wurde von einem Grubenwagen zerquetscht, das dritte Todesopfer wurde von herunterfallenden Gesteinsplatten getroffen.

Aber auch in der Zeit, als die Stollen stillgelegt waren, kam es zu einem Todesfall. 1935 erkundeten zwei Jugendliche das verlassene Bergwerk. Ein 16-jähriger Reussbühler stürzte in ­einen Schacht und erlag nach der Bergung seinen schweren Kopfverletzungen. Heute kann man die Stollen nicht mehr besichtigen, die Zugänge sind gesichert. Der Nordhang ist sehr dicht bewaldet, sodass man die ehemaligen Eingänge nur bemerkt, wenn man davorsteht. Teils sind noch leichte Sackungen oder Absenkungen sichtbar – etwa ob Hintergütsch in der Nähe der Chrüzhöchi. Kohle ist unter dem Sonnenberg nach wie vor vorhanden – schätzungsweise 1000 bis 2000 Tonnen. Grössere Vorkommen werden westlich des Rengglochs im Blattenberg vermutet. «Ich hoffe aber nicht, dass es eines Tages nötig sein wird, diese Kohle abzubauen», sagt Patrick Koch. «Dann müsste es unserer Wirtschaft sehr schlecht gehen.»

Hinweis

Patrick Koch, Kohlenbergwerk Sonnenberg: Historischer Bergbau in Kriens, Schweizerische Gesellschaft für Historische Bergbauforschung 2001. Exemplare kann man für 15 Franken bestellen unter kochpa@bluewin.ch

Ein Bergwerksarbeiter mit Stollenhund um 1942. (Bild: PD)

Ein Bergwerksarbeiter mit Stollenhund um 1942. (Bild: PD)

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