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BERGSPORT: Das Ende einer Abenteurer-Ära

Max Eiselin (85) leitete Expeditionen auf Achttausender und war ein erfolgreicher Geschäftsmann. Mit der Schliessung der letzten Eiselin-Filiale ist sein Lebenswerk nun Geschichte.
Gabriela Jordan
Der 85-jährige Eiselin bei sich zu Hause in Udligenswil. (Bild: Dominik Wunderli (Udligenswil, 2. März 2017))

Der 85-jährige Eiselin bei sich zu Hause in Udligenswil. (Bild: Dominik Wunderli (Udligenswil, 2. März 2017))

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Mit einer angenehmen Gelassenheit führt Max Eiselin (85) die Treppen hoch in seine Stube, die selbst beim gerade bewölkten Himmel Sicht auf ein unglaubliches Panorama bietet. An den Bergen, die er für die Besucherin sogleich zu benennen beginnt, freut er sich sichtlich, obschon er den Ausblick gewöhnt sein muss: Sein Haus auf dem Rooterberg hat der gebürtige Krienser vor 43 Jahren bauen lassen. Auf dem roten Ledersofa Platz genommen, muss die Journalistin gar nicht erst fragen, Max Eiselin, ehemaliger Bergsportler und Gründer der Firma Eiselin Sport, beginnt mit ruhiger Stimme von selbst zu erzählen.

«Es tut natürlich schon ein bisschen weh, dass wir aus dem Geschäft ausgestiegen sind. Aber geschäftlich darf man nicht emotional denken, sondern muss cool den Franken sprechen lassen.» Ein Geschäft, das Eiselin 63 Jahre lang geführt hat: Er hat Expeditionen und Skitouren geleitet, diverse Kurse durchgeführt und baute Sportgeschäfte in mehreren Städten auf. Mit der Schliessung der Filialen an der Luzerner Obergrundstrasse sowie in Bern hat sich die Firma nun aber endgültig aus dem Schweizer Markt verabschiedet, lediglich im deutschen Lörrach gibt es noch einen Laden. Mit Touren oder Expeditionen ist allerdings ganz Schluss, und auch die von Eiselin Sport geführte Kletterhalle beim Alpenquai in Luzern ist seit Ende Januar geschlossen. Für Max Eiselin ist eine Ära zu Ende gegangen.

«Über eine Schliessung habe ich mir schon ein paar Jahre lang Gedanken gemacht», fährt Eise­lin unbekümmert fort. «Meine Frau und meine Söhne wollten den Entscheid zuerst nicht akzeptieren.» Denn die Firma habe noch immer schwarze Zahlen geschrieben; ein Aufhören sei nicht zwingend gewesen.

Für die Zukunft sah Eiselin ­jedoch wenig Chancen, um im «völlig übersättigten Markt zu überleben». Auch anderen kleinen sowie mittelgrossen Fach­geschäften sagt er eine düstere Zukunft voraus. «Wir sind sozusagen zum Tante-Emma-Lädeli verkommen, die nach und nach dem Markt zum Opfer fallen.»

Sein erstes Geschäft befand sich im Kinderzimmer

Auf die Bitte, doch von den Anfängen zu erzählen, meint Eiselin zuerst: «Ich bin in meinen jungen Jahren viel herumgekommen – dass ich Händler werde, hätte ich aber nicht gedacht.» Als junger Bergsteiger sei er oft für Klettertouren nach Frankreich, Italien und Österreich gereist und habe dabei viele Gleichgesinnte kennen gelernt. So entdeckte er auch immer wieder Neuheiten in der damals noch so raren Kletterausrüstung. «Ich testete zum Beispiel ein gutes neues Steigeisen aus dem Aostatal oder die früher noch verrufenen Nylonseile. In Luzern gab es so etwas nicht – und da sah ich, das hat Zukunft.» Danach ging alles ziemlich schnell. Denn dass es in Kriens plötzlich modernste Kletterausrüstung gab, «schnorrte sich dermassen herum», dass sogar Kunden aus Genf, dem Engadin oder dem Berner Jura kamen. Einen Laden hatte der damals 22-jährige Eiselin noch nicht und verkaufte die Sachen deshalb in einem Zimmer seines Eltern­hauses. Vier Jahre später, im Jahr 1958, kündigte er seine Anstellung bei IBM in Zürich und er­öffnete die erste Eiselin-Sport-­Filiale an der Obergrundstrasse.

Unter den vielen Bergtouren, die Eiselin zeit seines Lebens unternommen hat, ist ihm eine besonders im Gedächtnis ge­blieben: die Erstbesteigung des damals höchsten noch unbestiegenen Berges der Welt, des Dhaulagiri in Nepal. Unter Eiselins Leitung machte sich eine Schweizer Expedition zur Gipfelbesteigung des 8167 Meter hohen Berges auf. Ermöglicht wurde dies durch private Geldspenden.

Am 13. Mai 1960 erklomm die 13-köpfige Expedition den Berg, doch Eiselin selbst kam nicht bis ganz auf den Gipfel: Wegen eines Motorschadens ihres Kleinflugzeuges «Yeti» musste er als Expeditionsleiter ins Tal hinab, um die Formalitäten für den Ersatzmotor zu regeln. Der Pilatus Porter «Yeti», mit dem die Expedition von der Schweiz bis nach Nepal flog, schaffte am Dhaulagiri aber immerhin einen Höhenrekord: Landung und Start befanden sich auf 5650 Metern. Dieser Rekord für Flächenflugzeuge ist gemäss Eise­lin bis heute unübertroffen. Max Eiselin blickt gerne auf die historische Expedition zurück. «Mein Buch, das ich darüber geschrieben habe, wurde sogar in Japanisch, Russisch und Farsi übersetzt», erzählt er nicht ohne Stolz. Das Buch erschien im Jahr 1960 und trägt den Titel «Erfolg am Dhaulagiri».

Skitouren in Afrika? «Der spinnt doch!»

Eine weitere Reise, die sein Leben nachhaltig prägte, war eine Skitour auf die Viertausender von Marokko. «Der spinnt doch, eine Tour in Afrika anzubieten, wir ­haben ja genug Skitouren vor der Türe», erinnert sich Eiselin an das Gerede der Leute. Doch genau an dieser Tour lernte er seine jetzige Frau Heidi kennen. «Sie war damals 21, ich 38. Das hat mir schon imponiert, so ein junges Mädi, das sich auf eine solche Tour traut», sagt er und lacht. Mit ihr macht er auch heute noch ­regelmässig Ausflüge in die Berge – «Spazier-Dreitausender auf den Titlis», nennt er sie. So fit wie früher sei er nicht mehr, aber reichen tue es schon noch.

Auch seine Söhne Andreas (42) und Urs (40) teilen die Leidenschaft für den Bergsport. Jahrelang fuhren sie Snowboard für die Schweizer Nationalmannschaft. 2005 holte Urs die Silbermedaille an der Weltmeisterschaft. Heute stehe vor allem noch Andreas auf den Brettern und fahre gerne gefährliche Steilwände hinab. Eiselin gesteht: «So, wie meine Eltern früher um mich Angst hatten, wenn ich in den Bergen war, geht es mir heute mit meinen Söhnen.»

Max Eiselin dokumentiert seine Erlebnisse auf einer Schreibmaschine während der Erstbesteigung des Dhaulagiri (8167 Meter) im Jahr 1960. (Bild: PD)

Max Eiselin dokumentiert seine Erlebnisse auf einer Schreibmaschine während der Erstbesteigung des Dhaulagiri (8167 Meter) im Jahr 1960. (Bild: PD)

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