BERNSTRASSE: Traurig verlässt er seine Heimat

Die geplante Überbauung kann nun doch lückenlos realisiert werden. Kunstmaler Anton Buob (80) verkauft sein Haus nach zähem Ringen.

Sandra Monika Ziegler
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Der Luzerner Kunstmaler Anton Buob in seinem Atelier an der Bernstrasse in der Stadt Luzern. (Bild Dominik Wunderli)

Der Luzerner Kunstmaler Anton Buob in seinem Atelier an der Bernstrasse in der Stadt Luzern. (Bild Dominik Wunderli)

Sandra Monika Ziegler

An der Stadtluzerner Bernstrasse ist die Überbauung «Entwicklungsareal obere Bernstrasse» mit 135 Wohnungen geplant. Die Baukosten werden mit 47,6 Millionen Franken budgetiert. Um das Projekt zu realisieren, muss die gesamte Häuserzeile an der Bernstrasse weichen. Dort wohnt auch Kunstmaler Anton Buob (80) – und das von Kindsbeinen an. Bis vor ein paar Monaten hat er als Miteigentümer seines Elternhauses gegen den Verkauf der Parzelle gekämpft und alle ihm präsentierten Kaufangebote ausgeschlagen (Artikel vom 6. Juni 2015). Nicht etwa, weil er ein Querulant sei, sondern weil er seinen Lebensabend an der Bernstrasse 84 verbringen wolle.

Dem Verkauf durchaus positiv gesinnt waren indes seine Schwester und sein Bruder, beides Miteigentümer der Liegenschaft. Nur Anton Buob wollte «alles beim Alten lassen». Er begründet sein Festhalten an der Wohnadresse Bernstrasse: «Ich habe noch nie an einem anderen Ort gelebt. Hier sind meine Wurzeln.» Doch diesen Monat hat sich die Situation geändert: Am 1. März wurde die Parzelle verkauft, wie Recherchen unserer Zeitung zeigen.

Zuschlag zu «günstigem» Preis

Denn es kam doch noch zum Verkauf von Haus und Land. Den Zuschlag für die Parzelle Bernstrasse 84 bekam die Baugenossenschaft Matt. Für einen «günstigen» Preis, wie Buob betont. Darauf angesprochen sagt Genossenschaftspräsident Markus Helfenstein: «Dazu kann ich nur schmunzeln.»

Die Genossenschaft Matt hat bereits die Parzellen der Häuser 88, 90, 92 und 94 erworben. Die Parzellen der Häuser Bernstrasse 62–82 wurden im Baurecht von der Stadt Luzern an die Allgemeine Baugenossenschaft Luzern (ABL) abgetreten. Damit sind nun alle Parzellen für die geplante Überbauung in den Händen der Baugenossenschaften. Dass sich Kunstmaler Anton Buob doch noch zu einem Verkauf bewegen liess, hat diverse Gründe. Ausschlaggebend sei aber vor allem gewesen, dass er sich ein Wohnen inmitten einer solch grossen Baustelle gar nicht mehr vorstellen könne. Dies auch, weil er ab und an gesundheitliche Probleme habe.

«Halbherzig zugestimmt»

Doch, so Buob: «Ich habe halbherzig zugestimmt. Es schmerzt mich natürlich schon, meine Heimat dereinst verlassen zu müssen. Das war ja mein Elternhaus.» Verläuft alles nach Plan, wird frühestens im Sommer 2018 mit der Überbauung begonnen, wie Helfenstein sagt.

Genossenschaft bietet Hand

Zum weiteren Vorgehen sagt Helfen­stein: «Die Ausgangslage ist jetzt geklärt. Der Projektwettbewerb wird nun zusammen mit der ABL Luzern vorbereitet.» Auch das braucht seine Zeit. Sobald aber der Baustart konkret wird, ist auch der Auszugstermin für Buob gesetzt. Damit er dann aber nicht auf der Strasse steht, werde die Baugenossenschaft für eine neue Bleibe Hand bieten, erzählt Buob sichtlich beruhigt. Dies bestätigt auch Helfenstein und fügt an: «Wir werden bestimmt eine gute Lösung finden.» Für Kunstmaler Anton Buob sieht so die Zukunft doch noch positiver aus als anfangs gedacht, und der Schalk kehrt zurück: «Der Baustart kann ja irgendwann sein, und wer weiss, vielleicht lebe ich bis dann gar nicht mehr.»