BERNT LÜCHTENBORG: Weltumsegler erreicht Kap der guten Hoffnung

94 Tage ist Bernt Lüchtenborg nun schon mit seiner Segeljacht unterwegs. Der 55-jährige Luzerner hat Ambitiöses vor: Er will zweimal die Welt umsegeln – ohne an Land zu gehen.

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Trotzt Wind und Wetter: Bernt Lüchtenborg am Steuer seiner Jacht. (Bild zVg)

Trotzt Wind und Wetter: Bernt Lüchtenborg am Steuer seiner Jacht. (Bild zVg)

Bernt Lüchtenborg ist am 27. Juni in das Abenteuer seines Lebens gestartet: Als erster Mensch überhaupt will er mit seinem Segelschiff zweimal die südliche Erdhalbkugel entlang der rauen Antarktis umrunden. Einmal mit dem Wind, einmal dagegen. Allein. Ohne jemals einen Fuss auf festen Boden zu setzen oder in einem Hafen anzulegen. «Sonst wäre das Projekt Makulatur.» Und der Weltrekordversuch gescheitert.

«Ich will dabei nicht sterben»
Etwa eineinhalb Jahre soll die Reise dauern. 120'380 Kilometer hat Lüchtenborg insgesamt vor sich. Ausgestattet mit einer halben Million Franken teuren und 16 Meter langen Spezial-Expeditionsjacht «Horizons», mit 1800 Liter Wasser, Schränken voller Dosenfutter sowie Kisten gefüllt mit Büchern und DVDs will Lüchtenborg seine Grenzen tüchtig ausloten. Gefahren drohen etwa von Eisbergen, die knapp unter de Wasseroberfläche liegen. Der braun gebrannte Abenteurer weiss auch: Nebst der Natur ist die Einsamkeit auf dem Schiff die grösste Herausforderung. Lüchtenborg: «Ich will dabei nicht sterben – aber garantieren kann ich das niemandem.» Zurückgelassen in Luzern hat er seine Frau Anita Zosso – die beiden haben sich im März das Ja-Wort gegeben.

Bloggen für virtuelle Reisebegleiter
Ganz allein ist der gebürtige Deutsche jedoch nicht – im Prinzip. Tagtäglich schreibt Lüchtenborg in der «Wir»-Form im Hinblick auf ein erwartetes Online-Publikum in einem Bordtagebuch teiles nüchtern, teils poetisch, aber immer komprimiert und knapp auf, wo er gerade ist und was ihn zurzeit beschäftigt. «Der Wind heulte in den Wanten, Schoten knarzen. Die Wellen locker bis zur ersten Saling, der Westwind hatte auf auf 35 Knoten zugenommen und meine Lady wie im Rausch», notiert er etwa am 17. September. Am Folgetag sinniert Lüchtenborg über Nelsons Mandelas Jahre in der Isolation, ehe der Seefahrer am 87. Tag auf See das Kap der Guten Hoffnung umsegelte.

Schwermut und Naturschönheit
Nun ist er im Indischen Ozean gelandet. Und bläst Trübsal, wie der Eintrag vom (gestrigen) Montag verrät: «Eine Rippenprellung, Regen, Gräue und das erste Tief. Das Tief in mir. Eine Art Schwere packt mich seit Tagen.» Seine Gedanken kehren immer wieder zum Kap der Guten Hoffnung zurück: «Die südlichen Kaps halten dich gefangen, strahlen eine ganz besondere, melancholische Atmosphäre aus.» Doch am nächsten Morgen sieht Lüchtenborgs Welt schon wieder anders aus: «Dann weckten mich Geräusche. Mit uns zogen Wale. Sie sangen und kommunizierten mit ihren Artgenossen, umspielten dabei neugierig die Horizons und tauchten im Mondlicht und in einer magischen Spur in die Tiefe einer silbrig glänzenden See. Keine Schiffe. Nichts.»

Luca Wolf/scd

Video zum Weltrekordversuch: