Beromünster
Anonyme Flyer heizen Diskussion um Bärgmättli-Standort erneut an

Die bevorstehende Abstimmung über das neue Pflegewohnheim schürt Emotionen. Mittendrin im Abstimmungskampf: ein Pro- und ein Kontra-Komitee. Und ein Zürcher Architekt.

Niels Jost
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«Möchten SIE im Alter hier wohnen?» Mit dieser Frage werden Leserinnen und Leser torpediert, wenn sie einen Flyer der Arbeitsgruppe «Zukunft Bärgmättli» vor sich haben.

Einer der Flyer der Arbeitsgruppe «Zukunft Bärgmättli».

Einer der Flyer der Arbeitsgruppe «Zukunft Bärgmättli».

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«Schöner, ruhiger, natürlicher, günstiger», schreibt dieselbe Absenderin auf einem anderen Flyer. Gemeint ist damit der aktuelle Standort des Pflegewohnheims Bärgmättli. Dieses soll saniert und erweitert werden, schlägt die Arbeitsgruppe vor. Einen Neubau im Gebiet Bifang, wie ihn der Gemeinderat und die Pflegewohnheim Bärgmättli AG planen, lehnt sie ab. Sie empfiehlt, die entsprechende Umzonung an der Gemeindeversammlung vom 26. Oktober abzulehnen.

Auf diesem Flyer hat die Arbeitsgruppe «Zukunft Bärgmättli» eigenhändig eine Visualisierung eines Erweiterungsbaus erstellt.

Auf diesem Flyer hat die Arbeitsgruppe «Zukunft Bärgmättli» eigenhändig eine Visualisierung eines Erweiterungsbaus erstellt.

Screenshot

Pensionierter Architekt wollte Gemeinde mitgestalten

Insgesamt drei Flyer der Arbeitsgruppe kursieren in Beromünster. Wer dahinter steckt, ist nicht öffentlich bekannt. Als «fachliche Unterstützung» wird der Zürcher Architekt und Raumplaner Hugo Wandeler angegeben. Auf Anfrage bestätigt der 84-Jährige, massgeblich an den Flyern mitgewirkt zu haben. Er habe Bekannte in Beromünster und sei fasziniert vom historischen «Flecken».

Aus diesem Grund habe er sich bereits vor rund zehn Jahren bei der öffentlichen Ausschreibung um die Ortsplanungsrevision beworben. Allerdings erfolglos, wie er bedauere. Schon damals hätten ihn die Pläne der Umfahrung nicht überzeugt. Er schlägt eine schmalere Strasse mit Tempo 30 und einer alternativen Linienführung vor. Eine, bei der das Bärgmättli am jetzigen Standort bestehen könnte.

Seine Pläne seien auf wenig Gehör gestossen, weder beim Gemeinderat noch bei den kantonalen Dienststellen Raum und Wirtschaft sowie Verkehr und Infrastruktur, sagt Wandeler. Dabei sei er überzeugt, bessere Lösungen parat zu haben. Ein «Gefälligkeitsgutachten» für die Bärgmättli- und Umfahrungsgegner sei das nicht, versichert er. Schliesslich habe er kein persönliches Interesse daran. Ihm ginge es um die Sache. Für Wandeler ist klar:

«Man will das Bärgmättli nur abbrechen, damit man die seit Jahren geplante Umfahrung bauen kann.»

Anonymität der Gegner stört das Pro-Komitee

Die Flyer kommen beim Pro-Komitee «Für ein lebenswertes Beromünster» schlecht an. Er habe sie mit «grossem Unverständnis» zur Kenntnis genommen, sagt Luca Boog. Der Gunzwiler ist sowohl Mitglied der Parteileitung von Die Mitte als auch Mitglied des Pro-Komitees. Die Gruppe hat sich im August formiert, um sich für Projekte wie den Bärgmättli-Neubau, die Umfahrung, die Ortsplanungsrevision oder die Dreifachsporthalle mit Feuerwehrmagazin einzusetzen. Boog stört zum einen, dass nicht transparent gemacht werde, wer alles hinter den Flyern stecke. Er sagt:

«Unter dem Deckmantel der Anonymität kann keine richtige Debatte entstehen.»

Zum anderen kritisiert er, dass die darauf aufgeführten Informationen falsch oder fachlich zu wenig abgestützt seien. Er vertraue den Informationen des Gemeinderats und der Pflegewohnheim Bärgmättli AG, welche über Jahre und in mehrstufigen Verfahren erarbeitet worden seien. Diese Informationen versuchen Boog und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter, unters Volks zu bringen; via Website, Whatsapp oder an der Kilbi. Zudem zieren hie und da Fähnchen des Komitees das Dorf.

Gelbe Fähnchen wie dieses im Flecken sind in ganz Beromünster zu sehen; im Hintergrund die Stiftskirche St. Michael.

Gelbe Fähnchen wie dieses im Flecken sind in ganz Beromünster zu sehen; im Hintergrund die Stiftskirche St. Michael.

Bild: Niels Jost (15. Oktober 2021)

Gegenseitige Vorwürfe, verhärtete Fronten

Während beide Lager die Offensive suchen, verhärten sich die Fronten. Das zeigt sich etwa in den Leserbriefsparten der Lokalzeitung. Die Gegnerschaft wirft dem Gemeinderat und dem Verwaltungsrat der Pflegewohnheim Bärgmättli AG vor, zu wenig und nicht ausgewogen zu informieren. Sie fühlen sich benachteiligt von den beiden Gremien, die einzig aus Mitgliedern von Die Mitte und der FDP bestehen. Die Befürworterinnen wiederum monieren, dass die Gegner sich während des jahrelangen Mitwirkungsprozesses kaum eingebracht haben und ihre Kritik erst jetzt anbringen.

Das weckt Erinnerungen an die Abstimmung im Mai 2020 über die Ortsplanung. Schon damals kursierten im Vorfeld aus denselben Reihen anonymisierte Flugblätter. Eine durchgeführte Umfrage zeigte später, dass diese Flyer massgeblich zur Ablehnung der Vorlage beigetragen hatten. Ein Nein legten vor allem Alteingesessene sowie SVP-nahe und links-grüne Kreise in die Urne. Zustimmung erhielt die Vorlage aus der politischen Mitte. Dieselben Lager lassen sich jetzt wieder ausmachen. Entscheidend dürfte sein, wer an der Gemeindeversammlung mehr mobilisieren kann.

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