BEROMÜNSTER: Der weisse Papierelefant nimmt allmählich Gestalt an

Einen Elefanten in Lebensgrösse aus nur einem Bogen Papier falten: Diese grosse Aufgabe hat sich Sipho Mabona vorgenommen.

Roger Rüegger
Drucken
Teilen
Der wohl grösste Papierelefant der Welt wird derzeit im KKLB in Beromünster aufgestellt. Der Künstler Sipho Mabona (rechts) bei der Arbeit mit einem Helfer. (Bild Pius Amrein)

Der wohl grösste Papierelefant der Welt wird derzeit im KKLB in Beromünster aufgestellt. Der Künstler Sipho Mabona (rechts) bei der Arbeit mit einem Helfer. (Bild Pius Amrein)

Die Szene könnte sich auf einem Campingplatz abspielen: Vier Männer stehen um eine ausgebreitete Plane und scheinen sich nicht ganz sicher zu sein, was als Nächstes zu tun ist. So etwa stellt man sich eine Gruppe Campingurlauber vor, die zum ersten Mal versucht, ein Wohnzelt aufzustellen.

Wir befinden uns aber nicht auf einem Zeltplatz, sondern in der Kunsthalle 1 im KKLB (Kunst und Kultur im Landessender Beromünster), und so unbeholfen, wie es auf den ersten Blick scheint, sind die Leute hier nicht – obwohl sie etwas aufstellen, das auch für sie neu ist. Die Männer um den Luzerner Künstler Sipho Mabona sind dabei, aus einem 15 mal 15 Meter grossen Papierbogen einen lebensgrossen weissen Elefanten zu falten. Drei Meter hoch und ebenso lang soll er werden. Ein einzigartiges Projekt, mit dem der 34-jährige Mabona aufzeigen will, dass es im Origami, der Kunst des Papierfaltens, kein Limit gibt. Dass er damit den wohl grössten Papierelefanten der Welt falten wird und somit einen Weltrekord innehaben könnte, ist für ihn uninteressant: «Darum geht es nicht. Origami ist kein Sport.»

150 Kilogramm schwer

Freitagmorgen nach der Kaffeepause im KKLB: der entscheidende Teil. «Die Vorarbeiten sind abgeschlossen, das Papier ist gefaltet und ausgebreitet. Nun gilt es, die Figur teilweise aufzurichten», erklärt Mabona den weiteren Verlauf. Der Elefant ist in dieser Phase bereits erkennbar. Die Beine und der Rüssel aus mehreren Schichten übereinandergelegtem Papier sind ausgebreitet und mit Dachlatten verstärkt. Mabona duckt sich, verschwindet unter dem Papier und richtet sich im Innern wieder auf. Er erteilt seinen Assistenten Instruktionen: «Du kannst mit der rechten Hand loslassen», weist er einen der Männer an. Die anderen heben die Latten an, während Mabona wieder unter dem Papier hervorkriecht.

Das Unterfangen ist nicht einfach, dessen war sich Mabona von vornherein bewusst. Kleinere Elefanten hat er schon einige gefaltet. Auch Tiger, Heuschrecken, Fische oder Menschen. Doch dieses Werk unterscheidet sich von all seinen früheren wesentlich. «Durch die Grösse und das Gewicht des Papiers stehe ich vor neuen Herausforderungen. Und ich muss mich vom Origami-Gedanken lösen. Es ist unmöglich, den Elefanten zu falten und so aufzustellen, dass er ohne Gerüst steht.» 150 Kilogramm wiegt das Papier, das eine Firma in Minnesota (USA) hergestellt hat.

Den Kompromiss mit dem Gerüst nimmt Mabona in Kauf. «Man kann im Leben nicht alles vorhersehen. Bei diesem Projekt muss ich täglich neue Probleme lösen. Learning by doing.» Die Schwierigkeit liege in der Stärke des Papiers. Wäre der Bogen dicker, wäre die Stabilität grösser, und der Elefant könnte alleine stehen. Dann wäre es allerdings unmöglich, das Material wie vorgesehen zu falten.

Budget von 24 000 Dollar

Ob und wann der Elefant aufgerichtet wird, war zum Zeitpunkt unseres Besuchs noch ungewiss. «Das Werk ist fertig, wenn es fertig ist. Es lässt sich nicht exakt voraussagen», meinte Mabona am Freitag. Die Leitung des KKLB ist mit dieser Aussage gar nicht unglücklich. Künstler Wetz, der Inhaber, meint: «Wir lassen Sipho die Zeit, die er braucht. Es wird sich zeigen, ob es klappt. Ich bin noch nicht überzeugt. Und gerade das ist so spannend an diesem Projekt. Denn gerade weil der Ausgang offenbleibt, ist diese Kunst sehr lebensnah.»

Sie kostet auch eine Stange Geld. Das Material inklusive Transport in die Schweiz kostete 13 000 Dollar. Das Gesamtbudget beträgt 24 000 Dollar. Finanziert wurde es von Spendern über eine Crowdfunding-Plattform. Rund 630 Leute haben das Projekt von Mabona finanziell unterstützt.

Im KKLB werden neben Mabonas Elefant und anderen Origami-Werken Arbeiten weiterer Kunstschaffender gezeigt. Wo der Weg des Papierelefanten hinführt, weiss Mabona nicht. «Vielleicht findet sich ein Käufer, vielleicht nicht.» Über den Preis macht er sich keine Gedanken und auch nicht, wie die Skulptur aus dem Saal heraustransportiert werden soll. Wetz dazu: «Es gibt hier keine Öffnung, die gross genug für einen Elefanten ist. Aber es wäre nicht das erste Mal, dass ein Loch aus einer Wand herausgebrochen werden müsste, um ein Kunstwerk abzutransportieren.»

Hinweis

Sipho Mabona bei der Arbeit kann man entweder auf: www.mabonaorigami.com oder im KKLB live erleben. Jeden Sonntag finden ab 14 Uhr Führungen statt. Weitere Infos: www.kklb.ch