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BEROMÜNSTER: Eine Kapelle wird zum Klassenzimmer

1,5 Millionen Franken hat die Stiftung Schule und Wohnen Mariazell Sursee ins einstige Internat Don Bosco gesteckt. Damit in der früheren Hauskapelle Schüler einziehen konnten, musste gar der Vatikan seinen Segen geben.
Evelyne Fischer
Geschäftsführer Armin Müller in den neuen Räumen der Sonderschule Mariazell in Beromünster. Bild: Roger Grütter (Beromünster, 18. Oktober 2016)

Geschäftsführer Armin Müller in den neuen Räumen der Sonderschule Mariazell in Beromünster. Bild: Roger Grütter (Beromünster, 18. Oktober 2016)

Einen «Meilenstein» feiert die Stiftung Schule und Wohnen Mariazell Sursee heute: Im Beisein von Bildungsdirektor Reto Wyss wird in Beromünster eine weitere Abteilung im Bereich der Sonderschulung eröffnet – die zweite sogenannte Eingangsstufe. Neu gibts hier 18 statt 9 Tagesschulplätze für fünf- bis achtjährige Kinder mit schweren Sprach- und Verhaltensbehinderungen. Morgen findet von 10 bis 15 Uhr ein Tag der offenen Tür statt. «Der Standort Beromünster ist nun ergänzend zum Stammhaus in Sursee unser zweites Standbein», sagt Heidi Schilliger Menz, Präsidentin des Stiftungsrats.

Die private Institution Mariazell Sursee bietet im Auftrag des Kantons Sonderschulung im Bereich Sprache und Verhalten an. Seit 2002 auch in Beromünster. Hier werden nebst jüngeren Kindern auch Jugendliche mit schweren Verhaltensauffälligkeiten auf Sekstufe geschult und begleitet.

Vatikan hat schwierige Aufgabe gestellt

Das Schulheim für Sekschüler war lange im Altbau des früheren Internats Don Bosco eingemietet. 2015 konnte die Stiftung das Gebäude vom Verein Jugendwerk Don Bosco erwerben – samt Hauskapelle. «Die Möglichkeit, diese einst in Wohn- und Schulräume umzuwandeln, war als Bedingung an den Kauf geknüpft», so Geschäftsführer Armin Müller.

Damit die Kapelle umgebaut werden konnte, musste der Vatikan seinen Segen geben: Eine päpstliche Kongregation hatte dem Antrag zur Entweihung des Raumes zuzustimmen. Das Ja war mit Auflagen verbunden: Zwei Steinaltare sollten weitergenutzt werden. «Diese Forderung war nicht so einfach umzusetzen», sagt Pater Josef Knupp vom Jugendwerk Don Bosco. «Wir fanden eine Firma, die daraus zwei Brunnen herstellen will.» Vom alten Inventar findet sich einiges im neuen Andachtsraum der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos wieder – etwa Kirchenfenster und eine Reliquie des heiligen Don Bosco.

Sparmassnahmen setzen Schule zu

«Für die drei verbliebenen Ordensbrüder war die Umnutzung der Kapelle sicher kein leichter Schritt», sagt Stiftungsrätin Schilliger. «Für sie und uns war es wichtig, dass der Leitgedanke von Don Bosco, sich für Kinder und Jugendliche einzusetzen, weiterlebt.» 1,5 Millionen Franken kostete der Umbau. Geschäftsführer Müller ist überzeugt: Die Investition lohnt sich. «Mit einer zweiten Abteilung auf der Eingangsstufe können wir wirtschaftlicher arbeiten.» Stellvertretungen liessen sich einfacher regeln, Fachräume – etwa für die Logopädie – seien besser ausgelastet. «Zudem schafft die Verlegung von Plätzen von Sursee nach Beromünster Raum für Angebotsentwicklungen am Hauptstandort.»

Die finanziellen Herausforderungen dürften künftig nicht kleiner werden. Schon in der Vergangenheit setzte der Rotstift des Kantons dem Betrieb zu, sagt Müller. «Die linearen Kürzungen der Pauschalen 2015 und 2016 haben uns hart getroffen. Bereits zuvor mussten wir Internatsplätze abbauen, reduzierten Lager und Gruppenwochenenden. So weit möglich haben wir unseren Betrieb optimiert, mehr geht nicht.» Auch vom Konsolidierungsprogramm 17, kurz KP 17, dürfte Mariazell nicht verschont bleiben: Lehrern droht eine zusätzliche Wochenlektion, Eltern sollen sich mit monatlich 300 statt 120 Franken an den Internatskosten beteiligen. «Schon heute haben viele Mühe, die Internatsrechnung zu begleichen. Diese Massnahme dürfte letztlich die Gemeinden belasten, die für Fehlbeträge aufkommen müssen.» Noch mehr Sorgen macht Müller, dass die Regierung am Personalschlüssel rütteln will, gemäss KP 17 eine «vertretbare Reduktion respektive Vereinheitlichung der Qualität» anstrebt. «Weniger Fachpersonal einzustellen, steht in einem krassen Widerspruch zu den zunehmend komplexeren Fällen», sagt Müller. «Oberstes Ziel sollte sein, die Schüler so schnell wie möglich in Regelklassen zu integrieren.»

Die Qualitätsansprüche zu erfüllen, den kantonalen Auftrag auszuführen und gleichzeitig mit den Finanzen im Lot zu bleiben, fordere von der Stiftung Weitsicht, sagt Heidi Schilliger. «Als Stiftungsrat ist es unsere Aufgabe, stets einen Schritt vorauszudenken, um jene Rahmenbedingungen zu schaffen, mit denen Kinder und Jugendliche bedürfnisgerecht gefördert werden und die Mitarbeitenden professionell arbeiten können.»

Evelyne Fischer

Die Garderobe einer Schulklasse. (Bild: Roger Gruetter/LZ)
Die ehemalige Hauskapelle des Jugendwerkes Don Bosco in Beromünster bietet nun Schul- und Wohnraum. (Bild: Roger Gruetter/LZ)
Neu gibts hier 18 statt wie bisher 9 Tagesschulplätze für fünf- bis achtjährige Kinder mit schweren Sprach- und Verhaltensbehinderungen. (Bild: Roger Gruetter/LZ)
Neu eingerichtet: Waschbecken statt Weihwasser. (Bild: Roger Gruetter/LZ)
Hier kann man spielen, aber auch einfach ruhen. (Bild: Roger Gruetter/LZ)
Einblick ins Schulzimmer. (Bild: Roger Gruetter/LZ)
Eine Spielecke in der ehemaligen Kapelle. (Bild: Roger Gruetter/LZ)
Beromünster entlastet nun den Hauptstandort Sursee. (Bild: Roger Gruetter/LZ)
Hier wird auch gekocht und gegessen. (Bild: Roger Gruetter/LZ)
9 Bilder

Diese Klassenzimmer waren eine Kapelle

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