BEROMÜNSTER: Es begann mit einer Notlandung

70 Jahre Erstlandung und 50 Jahre Betreibergesellschaft – der Flugplatz kann heuer gleich zwei runde Jubiläen feiern. Und soll fit gemacht werden für die Zukunft.

Cyril Aregger
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Bild: ZVG

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Cyril Aregger

Es war der 5. Juli 1947. Pilot Walter Friedli führt auf dem Feld zwischen Neudorf und Beromünster eine Notlandung durch. Es ist die erste bekannte Landung auf diesem Stück Land, das einige Jahre später zum heutigen Flugplatz Beromünster wurde. «Über den Pionier Walter Friedli ist uns sonst nichts weiter bekannt», sagt Hansruedi Müller, Verwaltungsratspräsident des Flugplatzbetreibers Flubag. In den Swissair-Archiven taucht der Name Walter Friedli 1939 als Chefmechaniker auf, 1953 ein Walter Friedli, Meister Flugbetrieb, 25-Jahr- Dienstjubiläum bei der Swissair. 1956 teilte die Fluggesellschaft seinen Tod mit. War er der erste Pilot von Beromünster? Man weiss es nicht.

Internationaler Flugplatz geplant

Nach der erzwungenen Erstlandung wurde das Gelände an der Wyna in den nächsten Jahren von Privatpiloten öfters als Landeplatz genutzt. «Mit Einverständnis des betroffenen Bauern war das damals durchaus üblich», weiss Müller. Offizieller wurde das Ganze erst in den 1960er-Jahren. 1960 bestand ein Projekt für einen internationalen Flugplatz für Charter- und Touristikflüge mit einer 1200 Meter langen Hartbelags­piste. Mitinitiant war unter anderem der Luzerner Juwelier und Privatpilot Erich Bucherer.

Damals schon so beliebt wie heute: Den Tag geniessen und den Flugzeugen zusehen. (Bild: PD)
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Gruppenbild stolzer Männer mit Flieger. (Bild: PD)
Der Flugplatz zog auch früher schon zahlreiche Besucher an. (Bild: PD)
Der Flugplatz zog auch früher schon zahlreiche Besucher an. (Bild: PD)
Start auf der Naturpiste. (Bild: PD)
Absturz zweier Piper Super Club im Jahr 1966. (Bild: PD)
Absturz zweier Piper Super Club im Jahr 1966. (Bild: PD)
Absturz zweier Piper Super Club im Jahr 1966. (Bild: PD)
Abgestürzter Piper Super Club im Jahr 1966. (Bild: PD)
Abtransport des abgestürzten Piper Super Club im Jahr 1966. (Bild: PD)
Abtransport des abgestürzten Piper Super Club im Jahr 1966. (Bild: PD)
Drei Maschinen warten auf ihren nächsten Flug. (Bild: PD)

Damals schon so beliebt wie heute: Den Tag geniessen und den Flugzeugen zusehen. (Bild: PD)

Ganz so gross wurde dann nicht angerichtet: Das Eidgenössische Luftamt genehmigte schliesslich ein redimensioniertes Projekt mit einer 520 Meter langen Rasenpiste westlich der Wyna (die heutige Segelflugzeug-Landebahn). Der 1963 eröffnete Flugplatz mit einem Hangar, einer Werkstätte und einem Flugplatzgebäude mit Büros, Funkturm und Tankstelle wird von der Flugplatz-Genossenschaft Luzern-Beromünster betrieben. «Zum Fliegen» kam die Genossenschaft aber nie. Nach einem verregneten Sommer 1965 musste sie im Januar 1966 den Flugbetrieb einstellen.

Ein spektakulärer Crash

Als Nachfolgegesellschaft wurde bereits im Januar 1966 die Flugbetriebs-AG (Flubag) gegründet. Die Genossenschaft blieb weiterhin im Besitz von zwei Piper Super Cub. Die beiden Flugzeuge hatte sie erst 1965 der Schweizer Luftwaffe abgekauft, brachten ihr aber auch kein Glück: Im März 1966 verkeilten sich die beiden Flugzeuge bei einem Landeanflug und trudelten aus 20 Metern Höhe zu Boden. Die beiden Piloten blieben unverletzt, die Flugzeuge wurden aber stark beschädigt. Die Flubag übernahm die beiden Maschinen, diejenige mit der Registrierung HB-OYB flog noch lange in Beromünster, ehe sie vor wenigen Jahren in den Kanton Neuenburg verkauft wurde.

1967 wurde die Flugpiste an die heutige Position östlich der Wyna verlegt. 1970 kaufte der Kanton Luzern zwei Drittel des Flugplatzareals, die Stadt Luzern einen Drittel. «Die Gründe für den Verkauf waren finanzieller Natur», sagt Hansruedi Müller. «Und Stadt und Kanton haben das Land dann – einerseits vermutlich aus strategischen Gründen, mit Hinblick auf einen möglichen Regionalflugplatz, andererseits als Ersatz für den auf der Luzerner Allmend nicht mehr möglichen Flugbetrieb gekauft.» Trotz einiger Anläufe für einen Regionalflugplatz blieb es aber bis heute bei der Graspiste.

Autos als Pistenbeleuchtung

Hansruedi Müller hat einen Grossteil der Geschichte des Flugplatzes Beromünster miterlebt. Bereits sein Vater machte hier 1964/65 den Flugschein. «Der Rest der Familie ging während dieser Zeit jeweils im nahe gelegenen Wald picknicken», erinnert sich der 65-jährige Reinacher. 1973 lernte er selber in Beromünster das Fliegen. «Es war eine andere Zeit damals», sagt Müller. «Wenn noch ein Flieger am späten Abend zurückerwartet wurde, stellten sich Kollegen mit ihren Autos schon einmal an der Piste auf, um sie mit den Scheinwerfern zu beleuchten.» Nachtlandungen seien zwar schon damals nicht erlaubt gewesen. «Aber gekümmert hat das kaum jemanden. Heute wäre das undenkbar.»

Ein Fall für Idealisten

Dem Flugplatz ist Müller immer treu geblieben. Seit 2002 ist der Helikopter-Unternehmer im Verwaltungsrat der Flubag, seit 2003 amtet er als Präsident. Der Flugplatz sei damals in einem schlechten Zustand gewesen, sagt er. «Man musste so sehr sparen, dass darunter viele für einen Flugplatz wichtige Aspekte gelitten haben.» Schritt für Schritt habe man danach den Flugplatz wieder auf die Beine gebracht, unter grosser Mithilfe des fünfköpfigen Vorstandes. «Wir sind alle auch operativ tätig, legen in unseren Fachbereichen selber Hand an. Wir und auch die Aktionäre sind Idealisten. Anders würde es gar nicht funktionieren.»

Hartpiste als Chance

Müller erlebte auch den letzten – vergeblichen – Anlauf, die wohl kürzeste Graspiste Europas durch eine Hartpiste zu ersetzen: 2013 zog die Flubag ihr Baugesuch zurück. «Auch, weil wir von Seiten der Landeigentümer signalisiert bekamen, dass der Umbau angesichts zahlreicher Einsprachen politisch nicht opportun sei», wie sich Müller erinnert. «Das ist eben Politik. Grundsätzlich haben wir ein gutes Einvernehmen mit den Landbesitzern.»

Hoffen auf Rasengitter

Eine Sanierung der Piste soll nach dem Willen der Flubag dennoch in absehbarer Zeit anstehen. «Wir möchten die Piste ausebnen und mit Rasengittern befestigen», sagt Müller. Eine Baubewilligung wurde noch nicht eingereicht. Müller hofft jedoch, dass das Projekt in ein bis zwei Jahren realisiert werden kann. Die Finanzierung – gerechnet wird mit rund 900 000 Franken – könne die Flubag stemmen. «Durch eine befestigte Piste wäre der Flugplatz häufiger nutzbar. Das würde es uns auch ermöglichen, die Flugbewegungen besser zu verteilen. Heute können wir bei durchnässter Piste nicht starten und landen – auch wenn das Wetter das Fliegen zulassen würde.»

An der Zahl der Flugbewegungen – also Starts und Landungen – solle sich mit einer befestigten Piste kaum etwas ändern. Mit der Gemeinde Beromünster ist eine Obergrenze von 16 000 Bewegungen, davon 1800 von Helikoptern, vereinbart. Auch grössere Flugzeuge würden nach einer Sanierung nicht in Beromünster landen können, sagt Müller: «Das verhindert schon die bloss 510 Meter lange Piste.»

Mehr historische Bilder vom Flugplatz Beromünster finden Sie auf www.luzernerzeitung.ch/bilder

Glück im Unglück: Beim Absturz zweier Piper Super Cub im Jahr 1966 blieben beide Piloten unverletzt (oben). Schon 1962 lockte die Fliegerei schaulustige Zuschauer zum Flugplatz Beromünster. (Bilder zvg)

Glück im Unglück: Beim Absturz zweier Piper Super Cub im Jahr 1966 blieben beide Piloten unverletzt (oben). Schon 1962 lockte die Fliegerei schaulustige Zuschauer zum Flugplatz Beromünster. (Bilder zvg)