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BEROMÜNSTER: Hallenpläne legen Altlasten bloss

Für gut 9 Millionen Franken will die Gemeinde eine neue Sporthalle bauen. Sie soll auf einer ehemaligen Deponie zu stehen kommen. Das wirft bei der Ortspartei der Grünen Fragen auf.
Evelyne Fischer

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Es ist für die Schulleitung von Beromünster heute ein «Gezirkel», für alle Turnstunden die nötigen Räume zu finden. «Aus Platzmangel schicken wir Klassen vermehrt ins Schwimmen», sagt Gemeindepräsident Charly Freitag (FDP).

In Zukunft dürfte sich das Problem verschärfen: Die Schülerzahlen steigen in den nächsten drei Jahren an. Weil Hallenplätze fehlen, mussten Vereine gar Trainings kürzen. Freitag: «Wir kommen um eine neue Halle nicht her­um.» Auch, weil die bisherige Mehrzweckhalle aus den 1940er- Jahren nicht mehr den Anforderungen entspricht. Für deren Sanierung sind 2021 im Finanzplan 1,6 Millionen Franken eingestellt.

Vorbild der Sporthalle steht in Schötz

Welche Bedürfnisse die Halle abdecken soll, zeigt ein Planungsbericht: Nötig sind ein Aussenplatz und eine Dreifachhalle, reserviert dafür ist der nördliche Teil der Chällermatte (siehe Karte). Das Vorbild steht in Schötz: Die dortige Halle samt Cateringanschlüssen soll um eine Tribüne ergänzt werden. Freitag: «Wir müssen das Rad nicht neu erfinden.» Ein so ausgestatteter Bau könne auch für Gewerbeausstellungen oder Ähnliches genutzt werden. «Toleriert wird maximal ein mehrtägiger Grossanlass pro Jahr.»

Samt Einrichtung rechnet die Gemeinde mit Investitionen von gut 9 Millionen Franken, rund 600000 Franken fallen für Planung und Landerwerb an. Bis im Herbst 2018 soll das Bauprojekt ausgearbeitet werden. 2019 ist die Urnenabstimmung vorgesehen, 2020 soll die Halle stehen. «Der Zeitplan ist eng, aber realistisch», sagt Freitag. Die Gemeinde will die Investitionen tätigen, ohne am Steuerfuss von 1,95 Einheiten zu rütteln. «Die Halle ist im Finanzplan enthalten und seit langem ein Bedürfnis, wir haben die nötigen Rücklagen gebildet.»

Angedacht ist, die Feuerwehr in den Bau zu integrieren. Das Magazin, das rund 3 Millionen Franken kosten soll, würde von der Kantonsstrasse her erschlossen. So will der Gemeinderat die Bedenken von Bürgern ausräumen, dass sich künftig Löschfahrzeuge und Schulkinder in die Quere kämen.

Der Standort der Dreifachturnhalle ist nicht unumstritten: Bei der Chällermatte handelt es sich um eine ehemalige Kiesgrube, die in den 1960er-Jahren verfüllt wurde. Wie Gutachten zeigen, ­lagern in dieser Deponie nebst Aushub Kieswaschschlamm, Bauschutt und zum Teil gar Güsel. Aufgrund dieser Altlasten setzt die Ortspartei der Grünen ein Fragezeichen hinter den Standort. In einem Leserbrief im «Anzeiger Michelsamt» schrieb Julian Büchler, die Chällermatte sei «bodentechnisch nicht optimal».

Grüne fordern Altlasten-Beseitigung

Gemäss den Grünen habe die Deponie «vermutlich bis ans Grundwasser» gereicht, mit bisher «nicht klar aufgezeigten Folgen für die Bevölkerung». Der kiesige Untergrund könnte zu Absenkungen führen – eine Pfählung sei mit Zusatzkosten verbunden. Namens der Grünen fordert Büchler den Gemeinderat auf, erst nach einer «Beseitigung der Altlasten» über neue Nutzungen nachzudenken. Als alternativen Standort bringen die Grünen den «gut erschlossenen und zentral gelegenen» Standort Bifang ins Spiel.

Gemeindepräsident Freitag sagt dazu: «Es ist vorgesehen, im Bifang das neue Pflegeheim samt Wohnungen zu realisieren.» Der Hallenbau auf der Chällermatte basiere auf dem räumlichen Entwicklungskonzept, das die Bevölkerung an der Gemeindeversammlung im Juni 2015 zur Kenntnis genommen habe. So entstehe zwischen den Schularealen Linden und St. Michael künftig ein Campus. «Eine bestechende Idee», sagt Freitag. «Alle diese Standorte können künftig ohne das Queren einer Hauptverkehrsstrasse erreicht werden.» Freitag ist froh, brachte der Planungsbericht kritische Stimmen bereits jetzt zu Tage: «Das gehört zu einer guten Diskussionskultur. Es gilt jetzt zu entscheiden, bevor die Planung angegangen wird.»

Zu umweltpolitischen Bedenken meint Freitag: «Drei Gutachten halten fest, dass auf der Chällermatte keine Umweltgefährdung besteht und die Deponie überbaut werden kann. Im südlichen Teil soll dereinst die Entlastungsstrasse entstehen.» Gemäss der Dienststelle Umwelt und Energie (UWE) sei dafür ein Verlagern der Abfälle oder eine Altlastensanierung nicht erforderlich. «So oder so käme die Halle im Bereich der früheren Einfahrt zu stehen, wo nachweislich keine Abfälle gelagert wurden.»

Schutzmassnahmen wegen Deoponiegasen

Auf Nachfrage beim UWE heisst es: «Solange das Grundwasser nicht genutzt wird, ist ­aktuell keine Gefährdung für den Menschen zu erwarten», sagt Andreas Wüest, Teamleiter Boden & Altlasten auf Anfrage.

Sobald gebaut werde, müsse die Lage aber neu eingeschätzt und auch die Gasemissionen aus der Deponie beurteilt werden. Deponiegase seien auf der grünen Wiese in der Regel und auch im vorliegenden Fall für Mensch und Umwelt unbedenklich. «Bauherren müssen aber wenn nötig Schutzmassnahmen vornehmen, um gefährliche Gasansammlungen in der Grube und später im Neubau oder auf Spielplätzen zu verhindern.»

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