BEROMÜNSTER: Mit Schafmilch zum Erfolg

Seit fünf Jahren halten Bruno und Margrith Koller Milchschafe. Ein Nischengeschäft, das sich lohnt. Doch anfänglich bezahlten sie viel Lehrgeld.

Stephan Santschi
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Landwirt Bruno Koller (40) aus Beromünster setzt auf Milchschafe. 150 Schafe hält er auf seinem Bauernhof. (Bild Pius Amrein)

Landwirt Bruno Koller (40) aus Beromünster setzt auf Milchschafe. 150 Schafe hält er auf seinem Bauernhof. (Bild Pius Amrein)

Stephan Santschi

Mähende Schafe anstatt muhende Kühe. Wo einst 30 Milchkühe lebten, finden sich nun 150 Schafe. «Mein Sohn trank als Kleinkind keine Kuhmilch, also legten wir uns zwei Milchschafe zu. So hat alles angefangen», berichtet Margrith Koller (40), die den Hof in Beromünster mit Ehemann Bruno (40) führt. Die Umstellung fiel ihnen vor fünf Jahren nicht leicht. Da man mit der Fläcke-Chäsi in Beromünster aber einen kompetenten und innovativen Abnehmer in Aussicht hatte, entschied man sich, auf Milchschafe zu setzen. «Die Bauern sind heute ein Spielball der grossen Milchverarbeiter. Das ist schade», sagt Bruno Koller mit Bezug auf die tiefen Kuhmilchpreise. Während für einen Liter Kuhmilch der höchsten Qualität 60 bis 65 Rappen bezahlt werden, komme man bei einem Liter Schafmilch auf rund 2.50 Franken.

Geschmacklich ist kein nennenswerter Unterschied auszumachen, Schafmilch enthält aber mehr Fett und Eiweiss als Kuhmilch. Wegen einer anderen Fettstruktur und Zusammensetzung des Eiweisses ist Schafmilch besser verträglich. Zudem fördert der hohe Anteil an Vitamin B13 die Regeneration der Leber und des Magen-Darm-Trakts.

«Streicheln» reicht nicht

Laut der Dienststelle Landwirtschaft und Wald zählt man im Kanton Luzern derzeit 28 Betriebe mit Milchschafen. Jüngste Tendenz: konstant. In den letzten Jahren hat sich in dieser Nische zwar etwas getan, ein grosser Run findet allerdings nicht statt. In Beromünster ist man mit dem Geschäft zufrieden, man könne davon leben. «Aber es ist nicht so, dass wir ohne viel Arbeit über Nacht reich werden. Mit nostalgischem Lämmchenstreicheln ist es nicht getan», sagt Bruno Koller.

Schafmilch ist zwar lukrativ. «Aber für viel Milch braucht es auch mehr Tiere. Ein Schaf liefert jährlich 400 Liter Milch, eine Kuh 6000 bis 10 000 Liter.» Mehr Tiere bedeute auch höheren Platzbedarf und mehr Pflege. Erst recht, wenn der Nachwuchs kommt. Seit November habe man 140 Geburten zu verzeichnen gehabt. Jene Tiere, die nicht in die Herde nachrücken, werden dem Metzger verkauft. «Der Schweizer Lammmarkt hat aber keine grosse Bedeutung. Zu billig und zu gross sind die importierten Stücke aus Neuseeland und Australien», erklärt Bruno Koller.

Die Kinder helfen tatkräftig mit

Die Kollers betreiben neben der Milchschafhaltung auch Schweinemast und Ackerbau. Mitzuhelfen hätten alle in der Familie, also auch die drei Kinder (14-, 13- und 9-jährig). «Streuen, melken oder was auch immer – alle haben ihr Ämtchen im Stalldienst. Für die Kinder ist das nicht immer eine Freude. Doch so lernen sie anzupacken, das wird ihnen irgendwann zugutekommen», sagt die Mutter. «Damit verdienen sie sich ihr Sackgeld», sagt der Vater.

Der Umgang mit den Schafen erfordert dabei eine etwas höhere Sensibilität als bei den Kühen. «Sie sind sehr schreckhaft. Auf halbem Weg zwischen Wohnhaus und Stall beginne ich zu reden, damit sie wissen, dass jemand kommt», erzählt Margrith Koller. Speziell sei auch der hohe Strohbedarf, damit sie trocken liegen könnten. «Jährlich brauchen wir 30 bis 40 Tonnen Stroh», so Bruno Koller. Zweimal jährlich werden sie von einem Schafscherer geschoren. Der grösste Feind des Schafs sei dabei die Hitze. Ab 20 Grad werde es heikel, hohe Temperaturen haben einen negativen Einfluss auf die Milchleistung. Schattenplätze, ein Ventilator und offene Fenster für den Durchzug im Stall sind Gegenmassnahmen. «Wobei zu viel Durchzug zu Euterentzündungen führen kann. Anfänglich haben wir viel Lehrgeld bezahlt», sagt Margrith Koller.

«Markt muss eine Nische bleiben»

Der Zukunft blicken die beiden mit optimistischem Realismus entgegen. «Die Produktion von Schafmilch ist im Kommen, in unserer Region tun es insgesamt fünf Bauern. Doch die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Dieser Markt muss eine Nische bleiben. Sobald es zur Massenproduktion kommt, sinken die Preise, und der Druck nimmt zu», sagt Bruno Koller. Seine Produkte werden in der Fläcke-Chäsi in Beromünster verarbeitet und verkauft. Zudem sind Milch und Joghurt in der Zentralschweiz bei der Migros erhältlich. Margrith Koller betont: «In der Schweiz müssen wir uns wieder darauf besinnen, die Region und nicht die Welt zu ernähren. Im internationalen Markt können wir nicht mithalten.»