Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

BEROMÜNSTER: Seine Zeichnungen sollen Tradition bewahren

Die Nachtwächter haben im Mittelalter in den Gassen für Ordnung gesorgt. Ludwig Suter macht das noch heute – in Form eines Theaters. Seine Geschichten hat er nun in einem Buch publiziert.
Yasmin Kunz
Nachtwächter Ludwig Suter unterwegs in Beromünster.Bild: Manuela Jans-Koch (27. Oktober 2016).

Nachtwächter Ludwig Suter unterwegs in Beromünster.Bild: Manuela Jans-Koch (27. Oktober 2016).

Das Hotel zum Wilden Mann in der Stadt Luzern ist der Treffpunkt für das Gespräch. Dass Ludwig Suter – vielleicht besser bekannt als Nachtwächter von Beromünster und der Stadt Luzern – sich diese Lokalität ausgesucht hat, kommt nicht von ungefähr. Suter ist fasziniert von ­historischen Bauten. Das Gebäude – heute ein Restaurant und Hotel – wurde im Jahr 1517 erbaut und war damals eine Pinte ohne Speisungs- und Beherbergungsrecht. Erst seit dem 19. Jahrhundert ist der «Wilde Mann» als Adresse mit gutem Ruf bekannt. Vor jedem Rundgang kehrt Suter im «Wilden Mann» ein.

Seit 15 Jahren führt Suter mit Hellebarde, Feuerhorn und Laterne durch Beromünster und die Stadt Luzern. Seine Aufgabe: Er muss in den Gassen für Ordnung und Sicherheit sorgen. Dabei folgt er dem Weg, den der Wächter laut einer Urkunde von 1495 immer zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang gegangen ist.

Mit dem Bilderbuch einen Traum erfüllt

Auch nach den vielen Jahren hat die Nachfrage für das «Gassentheater» nicht abgenommen, wie der 67-Jährige sagt. Trotzdem reduzierte Suter seine Einsätze. «Ich bin halt nicht mehr der Jüngste und zudem bin ich gesundheitlich angeschlagen.» Und weil er die Zahl seiner Aufführungen schmälern musste, hat er das Leben des Nachtwächters nun in einem Bilderbuch dargestellt. «Es war schon lange mein Traum. Wenn ich mal nicht mehr als Nachtwächter unterwegs sein kann, dann haben die Leute wenigstens ein Buch von mir.» Ein halbes Jahr haben ihn seine Frau und die beiden erwachsenen Töchter von externen Aufträgen abgeschottet, damit er sich ganz auf sein Werk konzentrieren konnte. Jetzt, sechs Monate später, ist sein über 60 Seiten dickes Bilderbuch gedruckt. Suter: «Ich bin stolz darauf, und habe Freude, dass ich meinen Traum realisieren konnte.» Gewidmet hat er das Bilderbuch seiner Familie. «Sie sind die härtesten Kritiker meiner Zeichnungen und meiner Texte», sagt er mit einem Lachen. Finanzielle Unterstützung hat er insbesondere von der Korporation Beromünster sowie vom Kanton und von der Gemeinde erhalten.

Der an der Kunstgewerbeschule Luzern ausgebildete Grafiker skizzierte vorerst alles in ein Notizbüchlein, bevor er die Zeichnungen scannen und vergrössern liess, um sie im Anschluss auszumalen. Eine spezielle Maltechnik wendete er dabei nicht an: «Es ist ein Mix aus Farbstiften, Wasserfarben und Gouache. Ich probiere gerne aus.» So einfach das nun tönen mag: Dem Buch liegen aufwendige Recherchen zu Grunde. Suter macht ein Beispiel: «Wenn ich eine Fledermaus oder einen Fuchs zeichnen will, muss ich zuerst wissen, wie die Tiere aussehen. Dafür habe ich etwa Lexika beigezogen oder besuchte das Museum.» Trotzdem ist nun keine fliegende Fledermaus im Buch. Wie kommt das? «Meine Geschichte spielt im Winter. Die Fledermäuse schlafen dann.»

Obwohl Suter gerne Neues probiert: Moderne Zeichnungsinstrumente sagen ihm nicht viel. «Ich werde nie an einem Computer zeichnen. Um diese Technik zu erlernen, bin ich nun zu alt.» Damit hat der Nachtwächter aber kein Problem. «Ob am Computer oder von Hand, die Kreativität lässt sich so oder so ausleben.»

Beromünster ist sein Lieblingsrundgang

Suter ist mit Leib und Seele ­«Möischterer», wie er sagt. Seit 1386 ist seine Familie in Beromünster beheimatet. Sein Haus, worin sich auch sein Atelier befindet, stammt aus dem 18. Jahrhundert und liegt mitten im Flecken Beromünster. Dass Suter Nachtwächter geworden ist, hat übrigens einen konkreten Ursprung: «Ich habe vor vielen Jahren an einem Nachtwächterrundgang teilgenommen. Dieser hat mir nicht zugesagt, weil es eher einer regulären Stadtführung gleichkam. Das kann ich besser, dachte ich mir.» Seither hat der Hobbyschauspieler das Gassentheater über tausend Mal aufgeführt – am liebsten in Beromünster.

Hinweis

Die Buchvernissage findet am Samstag, 12. November, um 17 Uhr, im Stiftstheater in Beromünster statt. Ein Buch kostet 34 Franken und ist im Buchhandel und beim Autor ab Mitte Monat erhältlich.

Yasmin Kunz

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.