BEROMÜNSTER: Von der Senke zum Hügel in 15 Jahren

Im Ortsteil Gunzwil soll die bestehende Deponiezone im Gebiet Saffental erweitert werden. Der Aushub würde nicht nur eine Geländesenke auffüllen, sondern auch die Gemeindekasse.

Evelyne Fischer
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Ein Bagger bei Aushubarbeiten auf einer Baustelle. (Symbolbild: Corinne Glanzmann)

Ein Bagger bei Aushubarbeiten auf einer Baustelle. (Symbolbild: Corinne Glanzmann)

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Der Weiler Saffental, unweit des früheren Landessenders in Beromünster, könnte bald ein neues Gesicht erhalten: Die dort ansässige Firma Amrein Gebr. AG will in unmittelbarer Nähe der jetzigen Kiesgrube eine regionale Deponie für unverschmutzten Aushub eröffnen. Also Erd-, Sand-, Stein- und Felsmaterial, kein Bauschutt, kein Siedlungsabfall.

Betreiberin ist die dafür gegründete Saffental AG. Diese will die vorhandene, aber bis jetzt noch nicht genutzte Deponiezone erweitern. Dafür nötig ist eine Teilrevision der Ortsplanung, über die die Stimmbürger im Juni befinden. Morgen orientiert der Gemeinderat über das Geschäft.

Deponie soll regionale Engpässe beseitigen

«Bei den Deponiemöglichkeiten gibt es derzeit regionale Engpässe», sagt Beat Amrein, seit November Mitglied der Geschäftsleitung und in dritter Generation für das Familienunternehmen ­tätig. Daher habe man entschieden, die bereits rechtskräftige Deponiezone von 7,1 Hektaren um weitere 8,7 Hektaren zu erweitern. «Die Deponie lässt sich dadurch besser in die bestehende Landschaft integrieren und gleichzeitig auch wirtschaftlicher betreiben. Denn Grundinvestitionen für Planung, Maschinen oder Zufahrten braucht es so oder so.»

Der Gemeinderat von Beromünster unterstützt das Vorhaben: «Aushub, der regional anfällt, soll regional abgelagert werden», sagt Gemeindepräsident Charly Freitag (FDP). «Der Bedarf für eine Deponie ist gegeben. Denn die nahen Kiesgruben im Saffental und in der Kulmerauer Allmend stossen langsam an die Kapazitätsgrenze.» Dies bestätigt die kantonale Dienststelle Umwelt und Energie (UWE): In der Kiesgrube Saffental sei das Potenzial bald ausgeschöpft. «Bei der Kulmerauer Allmend liegt zurzeit ein Gesuch zur Höherschüttung auf, mit dem Ziel, zusätzliches Auffüllvolumen zu schaffen», sagt Natalie Kamber, Medienbeauftragte des UWE. Das entsprechende Baugesuch ist bis 6. Februar auf der Gemeindekanzlei in Triengen einsehbar. Das Projekt im Saffental wäre aus Sicht des Kantons sinnvoll: «Die geplante Deponie würde die Lücke im Gebiet nördlich des Sempachersees schliessen», sagt Kamber.

Heissen die Stimmbürger die Teilrevision gut, kann die Saffental AG loslegen, sobald Zonenplanänderung und Baubewilligung rechtskräftig sind. «Wenn alles ideal läuft, könnten wir 2018 starten», sagt Amrein. Während 15 Jahren sollen insgesamt 1,35 Millionen Kubikmeter Material abgelagert werden. Zum Vergleich: Im Kanton Luzern wurden 2015 rund 1,15 Millionen Kubikmeter Aushub deponiert.

38 Anlieferungen und Wegfahrten täglich

Derzeit gibt es im Kanton Luzern 12 Deponien für unverschmutztes Aushubmaterial. Jene im Saffental würde zu den grössten gehö­ren. Jährlich dürften hier 90 000 Kubikmeter sauberes Material gekippt werden, gerechnet wird mit insgesamt 16 700 Fahrten – dies entspricht bei 220 Betriebstagen rund 38 Anlieferungen und 38 Wegfahrten täglich. «Im besten Fall liefern wir Aushub an und transportieren Kies ab», sagt Amrein. Ziel sei es – aus ökologischer und ökonomischer Sicht – Leerfahrten zu vermeiden. Er betont: Bereits heute gebe es 24 Anlieferungen und ebenso viele Wegfahrten täglich. Daher sagt auch Gemeindepräsident Freitag: «Der Mehrverkehr hält sich im Rahmen. Mit dem neuen Deponiestandort fahren weniger LKW durch die Siedlung.»

Zu Beginn ist ein Kiesabbau möglich – im Sinne einer «nachhaltigen Ressourcennutzung», sagt Amrein. «Wir vermuten, dass die Ausläufer der Moräne bis in die Deponiezone hineinreichen.» Die Menge des Kiesvorkommens sei unklar. Darauf folgt die Aufschüttung: Im Schnitt liegt das Terrain künftig 8,6 Meter höher, die maximale Schütthöhe an der tiefsten Stelle beträgt 22 Meter. Dadurch verschwindet die heutige Senke. Oder wie es im Umweltverträglichkeitsbericht heisst: «Mit der vorgesehenen Endform entsteht ein sanfter Hügel, der sich gut in die glazial geprägte Landschaft einfügt.»

270 000 Franken Abgeltung pro Jahr

Durch die Aufschüttung wird das frühere Feuchtgebiet zwischen dem Weiler Saffental und dem Moosbach aufgewertet: 6 Hek­taren zusätzliche Fruchtfolge­flächen sollen entstehen, rund 22 Prozent der Deponiefläche sind für ökologische Ausgleichsmassnahmen reserviert – vorgeschrieben sind 15. «Nicht zuletzt aufgrund dieses Mehrwerts ist der Gemeinderat der Meinung, dass der Eingriff ins Landschaftsbild verträglich ist», sagt Freitag.

Die Deponie spült Geld in die Gemeindekasse: Gemäss dem aktuellen Finanz- und Aufgabenplan darf Beromünster mit Gebühren von jährlich 270 000 Franken rechnen. Mit ein Grund, weshalb man dem Projekt wohlgesinnt ist? «Die Abgeltung ist ein Nebeneffekt, für uns steht derzeit die Teilrevision des Zonenplans im Vordergrund», sagt Freitag. «Die Bevölkerung soll das Projekt nicht anhand der Einnahmen beurteilen.»

Hinweis

Zonenplanänderung und Baugesuch liegen bis 21. Februar auf der Kanzlei öffentlich auf. Infoabend: Morgen Mittwoch, 19.30 Uhr, Mehrzweckhalle, Beromünster.

Bild: Grafik LZ

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