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BEROMÜNSTER: Wo Kinder Philosophen werden

Neu bietet das Gymnasium eine Kinderkanti für Primarschüler an. Die Nachfrage ist so gross, dass nun alle Veranstaltungen zweimal durchgeführt werden.
Roseline Troxler
Philosophie macht sichtlich Spass: Primarschülerin Lucie (links) während einer Veranstaltung der Kinderkanti an der Kantonsschule Beromünster. (Bild Eveline Beerkircher)

Philosophie macht sichtlich Spass: Primarschülerin Lucie (links) während einer Veranstaltung der Kinderkanti an der Kantonsschule Beromünster. (Bild Eveline Beerkircher)

Weshalb soll der Mensch nicht lügen? Wo endet die Unendlichkeit? Rigo Söder, Philosoph und Lehrer an der Kantonsschule Beromünster, lädt an diesem Mittwochnachmittag zu einem philosophischen Gedankenexperiment ein. Wer ihm zuhört, sind nicht etwa junge Erwachsene, sondern 10-, 11- oder 12-Jährige. Söder beweist während zweier Lektionen: Auch Primarschüler interessieren sich für philosophische Fragen. Die Stunden sind Teil des Angebots der Kinderkanti, das die Kantonsschule Beromünster seit September anbietet.

Mit Alltagsfragen zur Philosophie

Mit Fragen aus dem Alltag führt Söder die 24 Schüler an den Philosophen Immanuel Kant heran. Zum Beispiel mit jener, ob man der Mutter gegenüber abstreitet, dass man bereits vor dem Abendessen ein Guetzli gegessen hat. Ein fragender Ausdruck da, ein verschmitztes Lachen dort; auch Erstaunen zeichnet sich auf den Gesichtern der Schüler ab. Mit Humor gelingt es Söder, die Philosophie praktisch näherzubringen. Er sagt: «Die Gedankenexperimente sollen Spass machen.»

In der Pause hängen die Gedanken noch vielerorts bei der Philosophiestunde. Sarah (10) aus Römerswil gefallen die Lektionen. «Ich finde es gut, dass der Lehrer uns immer fragt, wie wir über ein Thema denken.» Auch Leonie (11) aus Herlisberg ist begeistert: «Das Thema Lügen ist nicht so kompliziert, weil wir selber überlegen können, wie wir das erleben.» Beide Mädchen möchten gerne an die Kanti gehen, auch weil sie Themen wie die Philosophie interessieren.

Für Primarschüler Unbekanntes

Neben der Philosophie begegnen die Kinder physikalischen, ökonomischen und philologischen Themen. Die Kinderkanti umfasst über das Jahr verteilt vier Veranstaltungen à zwei Lektionen. Prorektorin Flavia Steiger Kraushaar erklärt: «Wir haben hier bewusst vier ganz unterschiedliche Fachbereiche gewählt, welche die Kinder von der Primarschule her so noch nicht kennen.» Die Lektionen finden jeweils beim Fachlehrer in dessen Schulzimmer statt. «So können die Schüler auch gleich die jeweiligen Instrumente und Einrichtungen bestaunen», sagt Steiger.

Jörg Baumann, Rektor der Kanti Beromünster, sagt zur Motivation, das Angebot zu lancieren: «Viele Kinder sind Ende der Primarschule extrem neugierig, haben aber manchmal zu wenig Möglichkeiten, diese Neugierde zu befriedigen. Später flacht diese von der Entwicklung her eher wieder ab.»

Wie das Gewerbe versucht, Schülern den dualen Bildungsweg schmackhaft zu machen, buhlen auch die Kantis früh um Nachwuchs. Flavia Steiger sagt: «Die Kantonsschule Beromünster erhält mit der Kinderkanti vor dem Hintergrund der freien Schulwahl im Kanton eine zusätzliche Profilierung.» Laut Jörg Baumann bietet die Kinderkanti eine Chance, den Primarschülern die Kanti näherzubringen und so möglichen Nachwuchs zu gewinnen. Er betont aber: «Die Kinderkanti ist für alle interessierten 5.- und 6.-Klässler der Primarschule offen. Eine Vorselektion findet hier bewusst nicht statt. Auch braucht es für einen Besuch keinen bestimmten Notenschnitt.»

Überrascht über grosse Nachfrage

Das Konzept der Kinderkanti, die für die Schüler kostenlos ist, scheint zu funktionieren. Baumann sagt: «Ich bin überrascht, dass es derart eingeschlagen hat.» Er habe erwartet, dass die erste Veranstaltung knapp gefüllt werde. Doch es wollten so viele Schüler mitmachen, dass alle Veranstaltungen doppelt geführt werden. Den ersten Themenblock zur Physik haben 18 Mädchen und 25 Buben besucht. Werbung habe man kaum gemacht, so Baumann. «Wir haben mit den Schulleitungen der Primarschulen in unserem Einzugsgebiet Kontakt aufgenommen.» Dieses deckt das Michelsamt ab und reicht bis nach Rothenburg.

Das Projekt ist laut Baumann auf Initiative mehrerer Lehrpersonen entstanden und ist in dieser Art schweizweit einzigartig. «Die Kinderkanti ist sowohl für die Schüler wie auch die Lehrer ein Experiment», unterstreicht der Rektor. Es stelle sich die Frage, wie viel Theorie den Kindern zumutbar sei. Diese Neugier habe auch Lehrer angespornt, mitzumachen. «Für die Arbeit erhalten sie nur eine symbolische Entschädigung, keinen Lohn. Der Aufwand für die Vorbereitung aber ist gross», sagt Baumann.

Die Kinderkanti soll sich als permanentes Angebot etablieren. Eine zweite Auflage im kommenden Schuljahr zu anderen Themen ist geplant. Die Kanti will nun zunächst alle Veranstaltungen in diesem Jahr durchführen, bevor ein Entscheid fällt, ob das Angebot längerfristig weitergeführt wird. Baumann betont: «Wir hoffen, dass es nicht bei einem Anfangshype bleibt.»

Hinweis

Infos zur Kinderkanti samt Veranstaltungsdaten finden Sie unter www.ksberomuenster.lu.ch Es gibt noch vereinzelt freie Plätze.

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