BERUF: Steiler Aufstieg zum höchsten Statistiker der Schweiz

Georges-Simon Ulrich ist Direktor der Statistikstelle Lustat. Nun wird er befördert – obwohl ihm dies zuerst ungelegen kam.

Roger Rüegger
Drucken
Teilen
Georges-Simon Ulrich, Direktor der Lustat, wird neuer Direktor des Bundesamts für Statistik. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Georges-Simon Ulrich, Direktor der Lustat, wird neuer Direktor des Bundesamts für Statistik. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Die Anfrage, die Funktion als Direktor des Bundesamts für Statistik (BFS) zu übernehmen, kam für Georges-Simon Ulrich überraschend. Und entsprechend war der Inhalt seiner spontanen Antwort. «Ich lehnte ab, denn das familiäre Umfeld sowie die dynamischen und herausfordernden Aufgaben bei Lustat Statistik Luzern gefallen mir sehr gut», sagt der 45-jährige Vater einer sechs Monate alten Tochter und eines dreijährigen Sohnes aus Brüttisellen, der seit knapp zweieinhalb Jahren Direktor von Lustat Statistik Luzern ist.

«Einmalige Chance»

Das war vor zwei Monaten. Im Oktober tritt Ulrich nun dennoch die Stelle beim BFS in Neuchâtel an. Dies, nachdem er sich gemeinsam mit seiner Frau viele Abende über das Angebot Gedanken gemacht und die Vor- und Nachteile abgewogen hat. Die Entscheidung hat nämlich auch Auswirkungen auf das Unternehmen seiner Frau, welche eine Treuhandfirma führt. «Es ist eine einmalige Chance, deshalb werden wir diesen Schritt wagen», sagt Ulrich und betont, dass er eine solch gravierende Entscheidung niemals ohne seine Familie getroffen hätte.

Angebot hat Pläne durchkreuzt

Georges-Simon Ulrich pendelt seit zweieinhalb Jahren zwischen seinem Wohnort und Luzern und verbringt täglich drei Stunden im Zug. Die ungleich längere Distanz nach Neuchâtel wird er aber nicht täglich zurücklegen und schaut sich in der Region Neuenburg um. Darin hat Ulrich – zumindest theoretisch – eine gewisse Routine, denn die Familie hatte bereits Pläne, sich in Kürze in Luzern niederzulassen «Ich hätte mir gut vorstellen können, für den Rest meines Lebens hier zu bleiben. Aber nun kommt es anders, und darauf freue ich mich», sagt Ulrich. Wobei er mit «hier» nicht nur die Region Luzern, sondern in erster Linie Lustat Statistik Luzern meint.

562 Seiten Statistik

«Als ich meine Arbeit bei Lustat antrat, stiess ich auf ein hoch motiviertes Team. Die 28 Mitarbeitenden teilen mit mir die Leidenschaft an der Statistik – also die Möglichkeit, reale Lebensumstände in Zahlen zu fassen.» Er sei noch immer beeindruckt über den gewaltigen Output, den Lustat liefere. «Qualität ist dabei unser höchstes Gut.» Allein das Jahrbuch des Kantons Luzern weist laut Ulrich 562 Seiten auf. Darin sind über 590 Tabellen, Grafiken und Kartogramme enthalten. Daneben erscheinen jährlich viele weitere statistische Analysen – unter anderem der Sozialbericht des Kantons Luzern 2013, welcher am Lustat-Meeting vom 28. November 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Statistiker mit Leib und Seele

In seiner Amtszeit habe er nicht eine einzige Kündigung entgegennehmen müssen, sagt er nicht ohne Stolz. Ulrich ist überzeugt, dass das Team die gut funktionierenden Strukturen beibehalten und seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin bestens unterstützen werde. Der Mann ist Statistiker mit Leib und Seele. Was für viele vielleicht als langweilige oder trockene Materie empfunden wird, ist für ihn das Leben. Er trennt Arbeit und Beruf zwar schon, aber fliessend, wie er sagt. Ein bisschen Statistik sei immer gegenwärtig im privaten Bereich, wie umgekehrt auch seine Familie bei seiner Arbeit gegenwärtig sei. «Ich blende meine Frau und die Kinder im Berufsleben ja auch nicht völlig aus.»

Einzigartige Idee umgesetzt

Bei unserem Besuch zückt Ulrich als erstes sein Smartphone und führt das Lustat-App vor, über das er sich freut wie ein Teenager über ein neues Game. Das kommt nicht von ungefähr, denn Ulrich hat die einzigartige Idee einer statistischen App, welche auch Publikationen, News und Youtube Kommentare enthält, für den Kanton Luzern initiiert und umsetzen lassen. Er zeigt mit zwei Fingerzeigen, wie viele Leute 2010 im Kanton Luzern erwerbstätig waren. «Wir verfügen mit der Statistik über einen enormen Fundus an Zahlen und Fakten, auf dessen Grundlagen man fundierte Diskussionen führen kann. Es ist wichtig, dass wir diese an die Leute herantragen können.» Man bleibe nicht auf Hypothesen und Vermutungen sitzen. Die öffentliche Statistik bilde für die Gesellschaft, Politik und Wirtschaft eine solide Grundlage für Entscheide.

Die Nutzung der App ist laut Ulrich bemerkenswert. Innerhalb der ersten Tage haben rund 1000 Personen das App installiert. Etwa gleich viele wie die Lustat-Website pro Tag besuchen. Ulrich freut dies, denn offenbar interessieren sich die Leute für die Arbeit seines Teams.

Luzerner sind statistische Vorreiter

Als er sein Amt angetreten hat, habe er sich die Frage gestellt, ob es das statistische Jahrbuch des Kantons Luzern überhaupt noch brauche. Seine Antwort nach zweieinhalbjähriger Tätigkeit im Dienste der kantonalen Statistik: «Unbedingt. Man muss seinen Kanton kennen. Wer es durchliest, weiss Bescheid. Denn viele Fragen im täglichen Leben haben mit Statistik zu tun. Statistik ist ein Instrument, um tatsächliche Sachverhalte zu erklären.»

Auch sonst sind die Luzerner statistische Vorreiter. So hat der Kanton seit 2008 ein eigenes Statistikgesetz, welches die Unabhängigkeit der Statistik glaubwürdig macht. Lustat Statistik wird zwar hauptsächlich durch öffentliche Gelder finanziert, ist aber eine selbstständige rechtlich-öffentliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit.

Hinweis

Weitere Informationen finden Sie unter: www.lustat.ch