BERUFS-WM: 22 Stunden volle Konzentration

André Schmid aus Ufhusen bereitet sich derzeit intensiv auf die Berufsweltmeisterschaften Anfang Juli in Leipzig vor. Der Carros-seriespengler will Gold holen.

Roseline Troxler
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André Schmid (22) trainiert das Ausbeulen von Einbuchtungen am Auto. (Bild Nadia Schärli)

André Schmid (22) trainiert das Ausbeulen von Einbuchtungen am Auto. (Bild Nadia Schärli)

Obwohl die Berufsweltmeisterschaften in Leipzig immer näher rücken, nimmt es André Schmid (22), der eine Lehre als Carossier Spenglerei EFZ abgeschlossen hat, noch gelassen. In gut zwei Wochen wird der Ufhuser bereits in Deutschland weilen und nach einer kurzen Vorbereitungszeit in den Wettkampf starten.

Er ist noch zu wenig schnell

Auf André Schmid warten 22 entscheidende Stunden, die höchste Konzentration abverlangen. In dieser Zeit, über vier Tage verteilt, wird er fünf Aufgaben bewältigen. Vom Herrichten eines vorne stark beschädigten Autos über das komplette Ersetzen einer Seite bis zu Ausbeularbeiten reicht das Aufgabenspek­trum. Auf eine Aufgabe freut sich André Schmid ganz besonders – den Elektroposten. «Dort werde ich ein Überschlagschutzsystem von BMW reparieren.»

Vor dieser Aufgabe hat André Schmid am wenigsten Bammel. Bei den Aufgaben, wo es darum geht, die Blechteile herauszutrennen, hat er aber Bedenken. «Da bin ich noch zu langsam.» An Testprojekten trainiert sich André Schmid nun in den letzten Wochen vor den Weltmeisterschaften Geschwindigkeit an. «Ich habe mir für jede Teilaufgabe einen detaillierten Zeitplan erstellt, welchen ich nun immer wieder durchtrainiere und an gewissen Stellen noch anpasse.»

Viel Unterstützung vom Lehrbetrieb

Früh erweckten Autos das Interesse von André Schmid. Schon als Kind bastelte er an Modellen herum. Am Beruf des Carrosseriespenglers gefällt ihm besonders die handwerkliche Tätigkeit.

In seinem Lehrbetrieb im bernischen Auswil, gleich neben Huttwil gelegen, erfährt der Ufhuser viel Unterstützung. «Mein Chef und seine Frau werden gar an der WM in Leipzig vorbeischauen», sagt André Schmid. Er schätzt die Vielfalt und die Mitarbeiter in seinem Lehrbetrieb. Immer mittwochs erhält Schmid im Geschäft Zeit zum Üben. Für das Training gewisser Aufgaben reist Schmid viel herum – nach Zofingen, Bern, Worblaufen, Spiez und Schlieren. «Freizeit bleibt momentan wenig. Handorgel und E-Piano müssen sich gedulden.» Seit Februar trainiert André Schmid mehrmals wöchentlich für die WM. Für die Regionalausscheidung und die Schweizer Meisterschaften war dies hingegen noch nicht gross von Bedeutung. Dank Bestleistung bei der Lehrabschlussprüfung konnte er sich dafür qualifizieren.

Der Sieger der Schweizer Meisterschaften 2012 kennt seine Konkurrenten in Leipzig nicht. Im Internet habe er die Fotos betrachtet. Besonders stark seien jeweils die Asiaten, da sie sich jahrelang nur auf die Weltmeisterschaften vorbereiten würden. «Wenn die Prüfungsaufgaben jeweils stark von den Übungsaufgaben abweichen, ist dies ein Vorteil für uns Schweizer – wir sind flexibler als die Asiaten», sagt André Schmid.

Ziel ist Gold

Der 22-Jährige möchte sich in Leipzig Gold angeln. Mentaltraining helfe ihm, ruhig zu bleiben und seine Gedanken ins Positive zu steuern. Entscheidend für eine erfolgreiche Teilnahme an den Weltmeisterschaften sind laut Schmid handwerkliches Geschick, Ausdauer, mentale Stärke und Selbstkritik.

Ende Juni beginnt die 720 Kilometer lange Reise nach Deutschland. Begleitet wird André Schmid neben seinem Chef auch von seiner Familie, und selbst Freunde haben ihre Unterstützung vor Ort angekündigt. In einem Vorbereitungscamp für alle Schweizer Teilnehmer finden dann die letzten Trainings und Vorbereitungen vor dem grossen Wettkampf statt. «Die Stimmung und das Team sind der Hammer. Alle freuen sich schon riesig auf die einmalige Chance in Leipzig.»