BERUFSBILDUNG: «Beste Schule der Schweiz» weggespart

Die Luzerner Regierung will die Fachklasse Grafik schliessen. Der nationale Dachverband ist entrüstet – und will nun beim Kantonsrat für den Verbleib der Schule kämpfen.

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Studenten der Fachklasse Grafik anlässlich der Jahresausstellung 2013 in Luzern. (Archivbild Nadia Schärli)

Studenten der Fachklasse Grafik anlässlich der Jahresausstellung 2013 in Luzern. (Archivbild Nadia Schärli)

Lukas Nussbaumer

Die Fachklasse Grafik soll keine neuen Schüler mehr aufnehmen – die letzten haben ihre vierjährige Ausbildung Mitte August begonnen. Dies bestätigen gegenüber unserer Zeitung mehrere voneinander unabhängige Quellen. Die Fachklasse Grafik ist die schulische Alternative zur Lehre als Grafiker in einem Lehrbetrieb. Weil es in der Zentralschweiz im grafischen Bereich trotz hoher Nachfrage nach ausgebildeten Berufsleuten fast keine Lehrstellen gibt, ist die Ausbildung an der Fachklasse Grafik faktisch die einzige Möglichkeit, diesen Beruf zu erlernen.

Die Fachklasse Grafik nimmt pro Jahr rund 30 neue Studenten auf. Derzeit studieren in Luzern 100 zukünftige Grafikerinnen und Grafiker. Die Schule kostet den Kanton Luzern im laufenden Jahr 2,9 Millionen Franken, wie Sandra Kilchmann, die Kommunikationsbeauftragte der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, auf Anfrage sagt.

Regierungsrat: Kein Kommentar

Der zuständige Bildungsdirektor Reto Wyss will die geplante Schliessung auf Anfrage hin nicht kommentieren. Weder die Regierung noch die Verwaltung würden einzelne Vorab-Informationen zu Sparmassnahmen vor der Präsentation des Budgets für 2016 und des Aufgaben- und Finanzplans 2016 bis 2019 von Ende Oktober kommentieren, lässt er via Staatskanzlei schriftlich mitteilen. Es sei «dem Regierungsrat ein Anliegen, dass der Kantonsrat sich ein gesamthaftes Bild von der Finanzlage und -entwicklung machen und die Massnahmen in Kenntnis aller relevanten Fakten erörtern kann».

Beim Dachverband der Grafiker, dem Schweizer Grafiker Verband, löst das drohende Aus für die Fachklasse Grafik in Luzern helle Empörung aus. Geschäftsführerin Susann Mäusli sagt: «Ich bin entsetzt. Das ist eine Katastrophe für die ganze Branche.» Ein erster Abbauschritt – die vierjährige Ausbildungszeit hätte halbiert werden sollen – habe man Anfang des letzten Jahres noch abwenden können.

Mäusli will sich auch diesmal für ihre Branche, die fast keine Lobby hat, wehren: «Wir werden vom Verband aus an die Kantonsräte gelangen und um den Verbleib der Schule, die schweizweit das beste Renommee hat, kämpfen.»

Pure Konsternation: So lässt sich die Stimmungslage aus dem Umfeld der Schule beschreiben. Die Rede ist von einem «Riesenverlust für Luzern», von einem «grossen Schlag gegen die Berufsbildung», von «drohenden Härtefällen für langjährige Lehrer», von einer «tragischen Situation für junge Leute, die Grafiker werden wollen». Die Schulleitung will sich zum absehbaren Ende der Fachklasse Grafik nicht äussern.

Zweite Kürzung bei Berufsbildung

Die geplante Schliessung der Fachklasse Grafik ist nicht die einzige ge- plante Sparmassnahme der Regierung im Berufsbildungsbereich, die an die Öffentlichkeit gelangt ist. Vor knapp vier Wochen machte unsere Zeitung publik, dass die jährlichen Ausgaben des Kantons Luzern für die höhere Berufsbildung um 1,5 bis 2 Millionen Franken gekürzt werden sollen. Aktuell wendet Luzern für diesen Bereich 19 Millionen auf. Die Einsparung soll mit der Kürzung von Beiträgen an Bildungsgänge, die zu einer Berufs- oder Höheren Fachprüfung führen, erreicht werden. Ein für die September-Session eingereichtes Postulat des Emmer SVP-Kantonsrats Urs Dickerhof wurde vom Parlament jedoch ganz knapp als nicht dringlich eingestuft.