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BERUFSBILDUNG: Gewerbe rührt Werbetrommel

Kaufleute und Pfleger glänzen, Handwerker schneiden weniger gut ab. Nun sollen Werkstattparcours bei gewerblichen Berufen Schule machen.
Lehrlinge aus der Elektrobranche feiern ihren Lehrabschluss am 1. Juni in der Sporthalle des Schweizerischen Paraplegikerzentrums in Nottwil. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Lehrlinge aus der Elektrobranche feiern ihren Lehrabschluss am 1. Juni in der Sporthalle des Schweizerischen Paraplegikerzentrums in Nottwil. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Die Luzerner Wirtschaft kann sich über guten Nachwuchs freuen: 4413 Lehrlinge sind im Sommer zur Lehrabschlussprüfung (LAP) angetreten, 4192 von ihnen haben den Abschluss geschafft. Die Erfolgsquote hat sich gegenüber 2014 um 1 Prozent auf 95 Prozent verbessert (Ausgabe vom Donnerstag). Was Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung Luzern, besonders freut: «Im Gegensatz zu früheren Jahren gab es keine Ausreisser. So eine durchgehend gute Quote hat es selten gegeben.»

Handwerker fallen mehr durch

Fast schon Tradition hat die vergleichsweise hohe Durchfallquote in einzelnen Handwerksberufen. Während bei den KV-Stiften konstant rund 97 Prozent die Lehre erfolgreich abschliessen, stieg die Durchfallquote bei den Elektroinstallateuren von rund 8 auf knapp 10 Prozent. Patrick Kälin, Obmann für die Lehrabschlussprüfungen beim Verband Zentralschweizer Elektroinstallationsfirmen, erklärt dazu: «Die Erfolgsquoten im langjährigen Vergleich sind immer in etwa bei 8 bis 10 Prozent.»

Bei den Sanitär- und Heizungsinstallateuren schaffte etwa jeder fünfte Lehrling die Prüfung nicht. Vor allem im praktischen Teil bekundeten sie Mühe. Christian Distel, Präsident der Zentralschweizer Sektion des Branchenverbands Suissetec, führt dies unter anderem auf die geringe Auswahl an Schulabgängern zurück. Der Kanton verlangt nun vom Branchenverband eine Analyse. «Wir wollen wissen, welche Schlüsse daraus gezogen werden», sagt Spöring. Gaudenz Zemp, Direktor des Gewerbeverbands des Kantons Luzern, begrüsst, dass solche Ergebnisse analysiert werden, mahnt aber vor Schnellschüssen: «Schwache Jahrgänge wird es immer geben. Handlungsbedarf ist erst angezeigt, wenn sich eine Entwicklung über längere Zeit hinzieht.»

«Direkter Kontakt ging verloren»

Zemp weiss um die Nachwuchsprobleme einzelner Lehrberufe. Die Stärken der Lehre den Schülern zu vermitteln, sei anspruchsvoller geworden. «Früher war das Gewerbe mitten im Dorf. Die Kinder konnten auf dem Schulweg beim Spengler durchs Fenster sehen und hatten so direkten Kontakt.» Heute spiele sich vieles in Gewerbezonen ausserhalb der Wohngebiete ab, was sicherlich zeitgemäss sei. «Allerdings ging so der direkte Kontakt zwischen potenziellem Nachwuchs und den KMU verloren.»

Gegensteuer will der Gewerbeverband mit Lehrstellen-Parcours für Schüler geben. «Wir wollen, dass Schüler die Faszination der Berufe direkt in den Werkstätten erleben können.» Intensiviert werden sollen auch Massnahmen, die sich gezielt an Schüler der zweiten Sekundarstufe richten. Die neu jährlich stattfindende Zentralschweizer Bildungsmesse ist dabei die zentrale Plattform. Sie soll ergänzt werden durch Auftritte an lokalen Gewerbeausstellungen.

Schwieriger ist laut Zemp die Lage für Berufe, die strukturelle Probleme haben: «Kaminfeger etwa ist ein toller Beruf, wird aber wegen neuer Technologien wie Wärmepumpen zunehmend verdrängt. Dennoch brauchts hier Nachwuchs.»

Auch Branchen mit Zukunft kämpfen um eine gute Auswahl an Lehrstellenbewerbern. Elektroinstallationsfachmann Patrick Kälin: «Die offenen Lehrstellen haben beim Beruf des Elektroinstallateurs zugenommen, somit ist die Auswahl von gut qualifizierten Schulabgängern zu klein.» Grund sei die demografische Entwicklung einerseits, aber auch der verschärfte Wettbewerb um die Schulabgänger andererseits. Immerhin: «In unserer Branche konnten wir dies durch mehr Lehrverträge beim Beruf des Montageelektrikers wieder ausgleichen.»

Mädchen schneiden besser ab

Wird die Durchfallquote dieses Jahres nach Geschlecht unterteilt, fällt auf: Mit 6,7 Prozent sind diesen Sommer mehr als doppelt so viele junge Männer durch die LAP gefallen als junge Frauen (2,8 Prozent). Laut Christof Spöring liegt diese Differenz durchaus im Rahmen der vergangenen Jahre: «Junge Frauen sind in diesem Alter oft reifer und fleissiger als ihre männlichen Kollegen – das zeigt sich auch an den Gymnasien und ist ein weit verbreitetes Phänomen.»

Bei jenen 5 Prozent, die den Abschluss nicht geschafft haben, sucht die Dienststelle zusammen mit den Lehrbetrieben und den betroffenen Personen das Gespräch. Spöring: «Eine Wiederholung der Prüfung ist kein Weltuntergang.»

Lehrmeister wichtige Bezugsperson

Oft geht laut Christof Spöring vergessen, wie wichtig die Lehrmeister sind: «Sie sind nicht nur für das Vermitteln der fachlichen Kompetenzen wichtig, sondern auch erste Bezugsperson im beruflichen Umfeld. Als solche prägen sie Lehrlinge auch bei der persönlichen Entwicklung.» Das habe in Zeiten von getrennt lebenden Eltern eine zusätzliche Bedeutung. Zudem habe eine Studie aus den USA das duale Bildungssystem der Schweiz auch deshalb als das beste gelobt, «weil die Lehrlinge bei uns in den Betrieben fachlich und erzieherisch profitieren.»

Allgemeinbildung harmonisiert

Berufsschule avd. Seit einem Jahr erhalten Lehrlinge im ersten Lehrjahr quer über alle Berufe in der Berufsschule alle den gleichen Allgemeinbildungsunterricht. Der Kanton Luzern hat dies eingeführt, um möglichst alle jungen Erwachsenen in Fragen von Wirtschaft, Recht, Politik oder Persönlichkeitsentwicklung auf einen vergleichbaren Stand zu bringen. Laut Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung Luzern, ist es für eine Bilanz noch zu früh, «aber der Start verlief ohne Probleme». Nächsten Sommer werden die ersten Lehrlinge mit Berufsattest (zwei Jahre) und harmonisiertem Allgemeinbildungsunterricht abschliessen.

Laut Gewerbeverbandsdirektor Gaudenz Zemp ist das Verständnis für harmonisierten Unterricht in den Lehrbetrieben durchaus vorhanden: «Der neue Lehrplan in diesem Fach wird akzeptiert, auch wenn in einzelnen Fällen noch Skepsis vorhanden war.» Patrick Kälin vom Verband Zentralschweizer Elektroinstallationsfirmen erklärt dazu: «Grundsätzlich macht eine Harmonisierung der Anforderungen im Allgemeinunterricht bei den Lehren für die beruflichen Grundbildungen Sinn.»>

Alexander von Däniken

Bild: pd

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