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BERUFSBILDUNG: Kanton Luzern spart kräftig bei Lehrlingen

In Luzern kostet ein Lehrling viel weniger als im Schweizer Durchschnitt. Die auf den ersten Blick erfreuliche Nachricht kommt bei Lehrern und Linken nicht gut an: Die Qualität der Ausbildung leide.
Kilian Küttel
Ein Lehrling der Ruag bei der Arbeit. (Bild: Jakob Ineichen / Neue LZ)

Ein Lehrling der Ruag bei der Arbeit. (Bild: Jakob Ineichen / Neue LZ)

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Benno Wey findet klare Worte: «Wenn es um die Ausbildung der Lehrlinge ging, war Luzern noch nie teuer. Trotzdem spart der Kanton immer weiter in diesem Bereich», sagt der Präsident des Luzerner Berufsschullehrerverbandes. Grund für seine Kritik sind die neusten Zahlen der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung. Diese teilte unlängst mit, dass die Kosten pro Lehrling im Jahr 2016 um 2,1 Prozent gesunken sind. Rund 8500 Franken brachte der Kanton noch für einen einzelnen Lehrling auf. Das sind fast 23 Prozent weniger als im landesweiten Vergleich – rund 11'000 Franken kostete ein Lehrling durchschnittlich im Rest der Schweiz.

Wo gespart wird, wird abgebaut – bei den Leistungen, beim Personal, bei der Qualität. Das glaubt jedenfalls Benno Wey. Ein Beispiel dafür seien die Klassengrössen: «Früher lag das Maximum bei 24 Lernenden, heute führen wir Klassen mit bis zu 26 Personen. So leidet die Betreuung eines einzelnen Lehrlings.» Weiter überfordere die technologische Entwicklung die Infrastruktur. Zwar habe der Kanton im Bildungsbereich 4 Millionen Franken für die Verbesserung des W-Lan-Netzes investiert. «Doch unsere Computerräume sind veraltet», so Wey. Und: Auch die Zwangsferienwoche vom Herbst 2016 habe einen wesentlichen Einschnitt bedeutet. «Ich hoffe, das war eine einmalige Mass­nahme», sagt Wey.

95,5 Prozent bestanden Lehrabschluss-Prüfung

Weys alarmistischen Tönen zum Trotz zeigt sich das Luzerner Lehrlingswesen überaus robust. Mehr noch: Es ist erfolgreicher als in den Jahren zuvor. Dies lässt sich an den Erfolgsquoten bei den Lehrabschlüssen festmachen: Im vergangenen Sommer bestanden 95,5 Prozent der Auszubildenden ihre Abschlussprüfung. Im Jahr zuvor waren es 94,9 Prozent gewesen. Die Leistungen werden also abgebaut, gleichzeitig werden die Lehrlinge besser. Wie geht das zusammen? Christof Spöring, der Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, windet den Leuten an der Front ein Kränzchen: «Die Lehrpersonen und Berufsbildenden identifizieren sich sehr stark mit ihrer Aufgabe. Sie zeigen ein hohes Engagement für den Nachwuchs.» Ein Gut, das es laut Wey zu verteidigen gilt: «Luzern ist und bleibt ein Gewerbekanton. Das sollte man nicht vergessen.»

Die aktuellen Zahlen sind kein einmaliger Effekt, sondern Ausdruck einer Entwicklung. Denn die Kosten sind bei der Berufsbildung seit mehreren Jahren rückläufig. 2013 etwa fielen in Luzern pro Lehrling noch knapp 9000 Franken an. Auch das war bereits günstig – im Schweizer Durchschnitt kostete ein Lehrling damals 10 800 Franken.

Weshalb ist die Berufsbildung in Luzern seit Jahren so günstig? Spöring: «Das liegt mitunter an der Bildungsstruktur.» In Luzern absolviert ein Grossteil der Jugendlichen eine normale Berufslehre, in anderen Kantonen sind vollschulische Angebote wie Wirtschaftsmittelschulen höher im Kurs – beispielsweise in der Romandie. «Der schulische Ausbildungsweg», so Christof Spöring, «ist kostenintensiver. Deshalb investieren andere Kantone mehr Mittel.»

SP schaut kritisch in die Zukunft

Nicht nur der Berufsschullehrerverband beäugt die Entwicklung kritisch, auch die SP ist nicht begeistert: «Wir begrüssen diesen Leistungsabbau überhaupt nicht», sagt SP-Kantonsrat Urban Sager (Stadt Luzern). Auch er führt die Qualitätsminderung als Argument ins Feld. Aber eben: Die Zahlen der erfolgreichen Lehrabschlüsse zeichnen ein anderes Bild. Allerdings mahnt Sager zur Vorsicht: «Die Effekte von Sparprogrammen zeigen sich immer erst eine gewisse Zeit nach deren Einführung. Das heisst, wir haben keine Garantie, dass die Erfolgsquote in den nächsten Jahren so hoch bleibt.» Ähnliches glaubt auch Spöring: «Ich staune selber, dass die Quote immer noch so hoch ist.» Er sei gespannt darauf, wie sich die Zahl in Zukunft entwickelt. Denn aufgrund der Sparprogramme sei die Ausbildung «kostenoptimiert bis zum Letzten».

Anders klingt es vom Luzerner Gewerbeverband. Dessen Direktor Gaudenz Zemp sagt: «Überall in der Wirtschaft herrscht grosser Kostendruck. Bei den Lehrerverbänden scheint aber die Vorstellung zu bestehen, man könne sich diesem entziehen.» Das sei nicht der Fall. Der FDP-Kantonsrat (St. Niklausen) stellt den Behörden ein gutes Zeugnis aus. Und auch den hiesigen Lehrlingen: «Luzern schneidet an Berufsmeisterschaften immer sehr gut ab. Und auch im brancheninternen Vergleich steht unser Nachwuchs gut da.»

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