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BERUFSBILDUNG: Kanton Luzern zwingt Lehrlingen Laptops auf

Wer im Spätsommer 2018 seine Lehre startet, muss einen eigenen Laptop in die Berufsschule mitbringen. Der Kanton empfiehlt Lehrmeistern, sich an den Kosten zu beteiligen. Ob diese Folge leisten, ist allerdings mehr als fraglich.
Evelyne Fischer
Ein eigener Laptop ist für Luzerner Lehrabsolventen künftig Pflicht. (Symbolbild:Keystone/Martin Rütschi)

Ein eigener Laptop ist für Luzerner Lehrabsolventen künftig Pflicht. (Symbolbild:Keystone/Martin Rütschi)

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Wenn im nächsten Jahr der Lehrbeginn ansteht, läutet dieser an Luzerner Berufsschulen eine neue Ära ein. Für rund 1500 1.-Lehrjahr-Absolventen von 30 Berufen heisst es dann: Bringt euer eigenes Gerät – Bring your own device. Ein Notebook für jeden ist Pflicht. «Dabei handelt es sich nicht um eine Sparmass­nahme des Kantons», sagt Christof Spöring, Leiter der Dienst­stelle Berufs- und Weiterbildung. «Wir wollen die Informatikkompetenzen der Lernenden stärken. Denn wer heute in der Lehre ist, wird in seinem Berufsleben digital extrem gefordert sein.»

Die Einführung der Laptop-Strategie ist der zweite Schritt des Projekts «Pegasus», das der Luzerner Kantonsrat im Juni 2014 verabschiedete. Damals wurde ein Sonderkredit über 4,7 Millionen Franken genehmigt, um alle kantonalen Gymnasien und Berufsfachschulen mit WLAN aufzurüsten. Die Regierung rechnete mit Einsparungen von 1,3 bis 1,5 Millionen aufgrund wegfallender Ersatzbeschaffungen für aufgehobene PC-Arbeitsplätze.

Anforderungen variieren von Lehre zu Lehre

Umgesetzt wird «Bring your own device» wie folgt: Der Kanton stellt den Berufsschülern via Cloud eine Zusammenarbeitsplattform und die Microsoft-Office-Palette zur Verfügung. Was die einzelnen Geräte leisten können müssen, geben die Berufsschulen vor, die Anforderungen variieren von Beruf zu Beruf. Bei den meisten sollte das Notebook mindestens über einen 13-Zoll-Bildschirm, 4-GB-Arbeitsspeicher und das Betriebssystem Windows 7 oder höher verfügen.

Klar ist: «Ein Tablet reicht für die benötigten Programme nicht aus, es braucht Notebooks», sagt Spöring. «Lernende im Bereich Gesundheit und Soziales müssen mit Durchschnittskosten von 300 bis 500 Franken rechnen. In den technischen Berufen dürften die Geräte 500 bis 700 Franken kosten, wenn sie Verkaufsaktionen berücksichtigen», sagt Spöring. «Die Dienststelle Berufs- und Weiterbildung empfiehlt Lehrbetrieben, sich an der Notebook-Anschaffung mindestens zu beteiligen. Denn in einzelnen Berufen sind die Kosten der Geräte im Vergleich zum Lehrlingslohn hoch.»

Detaillisten: «Verdeckte Gebühr ist sehr bedenklich»

Dieser Vorschlag erntet Kritik: «Eine Überwälzung an die Lehrbetriebe ist nicht angebracht, zumal diese kaum auf die Kosten Einfluss nehmen können», sagt Gaudenz Zemp, Direktor des kantonalen Gewerbeverbands mit 7500 Mitgliedern. «Die Kosten sollten in erster Linie von den Schulen und an zweiter Stelle von den Lernenden respektive den Eltern getragen werden.» Zemp moniert, der Kanton habe in den letzten Jahren diverse Auslagen Dritten aufgebürdet. «Ausbildungsbetriebe werden heute bereits bei Lehrmitteln, Kursen oder Lehrabschlussvorbereitungen mit Mehrkosten konfrontiert. Weitere Auslagen machen die Ausbildung von Lehrlingen zunehmend unattraktiv.»

Keine Freude an zusätzlichen Aufwendungen hat auch Heinz Bossert, Präsident des Detaillistenverbands des Kantons Luzern. Er taxiert eine Beteiligung als «verdeckte Gebühr» und hält eine solche «als Vertreter des KMU-Detailhandels mit rund 600 Mitgliedern, 5500 Mitarbeitern und zirka 1000 Lehrlingen als sehr bedenklich». Solche Massnahmen würden «den gewerblichen Effort für die Aus- und Weiterbildung belasten». Und Bossert fragt zynisch: «Wie lange dauert es noch, bis der erste Finanzkünstler und Beschaffungsexperte auf die Idee kommt, in den Schulungszentren Toilettengebühren für Lehrlinge und Lehrmeister einzuführen?»

Ob man sich an den Kosten beteiligt, ist auch beim Luzerner Kantonsspital offen. Das Luks bietet Ausbildungsplätze in 16 Berufen, jährlich starten 120 bis 130 Jugendliche eine Lehre. «Heute beteiligt sich das Luks nicht an den Anschaffungskosten», sagt die Medienbeauftragte Bettina Wildi. «Fast alle Lernenden besitzen aber einen Laptop oder ein iPad. Viele Aufgaben sind bereits online zu bearbeiten.»

Für Spöring von der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung ist klar: «Es werden sich sicher nicht alle Lehrbetriebe an den Kosten beteiligen, aber sie dürften sich aneinander angleichen.» Schon heute gebe es Lehrmeister, die ans Schulmaterial einen Beitrag leisten, obwohl dies nicht vorgeschrieben sei. So oder so sollten sich selbst Jugendliche in finanziellen Schwierigkeiten ein Gerät besorgen können. «Schulmaterial ist Teil der Sozialhilfe, gegebenenfalls müssen andere Institutionen einspringen.»

Laut Spöring dürfte die Notebook-Pflicht bei Lehrlingen nicht für rote Köpfe sorgen. Er stützt sich dabei auf Erfahrungen aus dem Pilotversuch der letzten zwei Schuljahre. Bereits heute sind 20 Berufe mit «Bring your own device» unterwegs – darunter Elektroinstallateure, Automatiker und Logistiker. Die Pflicht eigener Geräte habe «keine Reklamationen» nach sich gezogen. Im Gegenteil. «Die Lernenden erkennen den Mehrwert, mit solchen Geräten souverän umgehen zu können», sagt Spöring. Die Rückmeldungen seien «durchwegs positiv». Digitale Lernplattformen würden auch Zugriffe von zu Hause erlauben, Themen liessen sich besser gemeinsam erarbeiten. «Bisher lohnte sich der Einsatz von Computern nur für längere Unterrichtssequenzen, zudem war die Verfügbarkeit von Informatikräumen knapp.»

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