Berufsbildung
Weniger Stipendien ausbezahlt: Kanton Luzern ist ratlos

Die Zahl der Stipendiengesuche ist 2020 zurückgegangen, ebenso die ausbezahlte Summe. Der Leiter der zuständigen Dienststelle kann sich den Einbruch nicht erklären. Nun wird analysiert.

Lukas Nussbaumer
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Das neue Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik wird seinen Sitz an der Uni Luzern haben.

Das neue Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik wird seinen Sitz an der Uni Luzern haben.

Rund 4500 Schülerinnen und Schüler starten im Kanton Luzern jährlich ins Berufsleben. Mehr als drei Viertel aller Schulabgänger aus der Volksschule – im letzten Jahr waren es 76,5 Prozent – beginnen eine Lehre, den mit Abstand beliebtesten Ausbildungsweg im Anschluss an die obligatorische Schulzeit. Fast 900 junge Erwachsene entschieden sich für eine Berufsmatura, je zur Hälfte lehrbegleitend oder in Vollzeitausbildung. Diese Eckdaten von 2020 weichen gegenüber den Vorjahren nur minim ab, wie die Dienststelle Berufs- und Weiterbildung mitteilt. Verläuft bei der Berufsbildung im Kanton Luzern also trotz Corona alles in gewohnten Bahnen?

Nicht ganz. Erstens haben insbesondere Jugendliche aus bildungsfernen Familien oder mit Lerndefiziten derzeit Mühe, eine Lehrstelle zu finden. Der KMU- und Gewerbeverband des Kantons Luzern veranstaltet deshalb erstmals eine Online-Lehrstellenbörse. Zweitens boomt die Laufbahnberatung, weshalb die Dienststelle Berufs- und Weiterbildung ihr Angebot in diesem Bereich ausbauen will (siehe Kasten am Ende des Beitrags). Und drittens wurde das Stipendienbudget erstmals seit Jahren nicht ausgeschöpft – und zwar bei weitem nicht.

Budget um 1,5 Millionen verfehlt

Gemäss Voranschlag hätte der Kanton Luzern im letzten Jahr 9,4 Millionen Franken Stipendien auszahlen können – eine Million mehr als 2019 und 2018. Doch das Budget 2020 wurde mit einer ausbezahlten Summe von 7,92 Millionen um rund 1,5 Millionen verfehlt. Der im letzten Jahr beanspruchte Betrag ist damit nur leicht höher als jener im Sparjahr 2017. Damals wurde das Budget zwischenzeitlich auf 7,7 Millionen gesenkt. Auch die Zahl der bezogenen Darlehen war rückläufig (siehe Grafik).

Ausbezahlte Stipendien im Kanton Luzern

Ausbezahlte Summe (in Mio. Franken)
Budgetierte Summe (in Mio. Franken)
201520162017201820192020Jahr0246810

Der Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung Christof Spöring sagt, ihn habe die tiefe Summe «überrascht, denn ich ging von einem Wachstum aus». Die bisherigen Modellrechnungen hätten jeweils gut zugetroffen. Auch die Zahl der Gesuche ging zurück – im Vergleich zu 2015 um mehr als 500, was laut Spöring ebenfalls erstaunlich ist: «Wegen der Pandemie konnten weniger Schulabgänger ein Zwischenjahr absolvieren, nahmen ihr Studium also sofort in Angriff. Deshalb hätte ich eher eine Zunahme der Gesuche erwartet.»

Nun will die Dienststelle analysieren, warum der Budgetwert nicht erreicht wurde. Ziel sei es, die zur Verfügung stehende Summe auch auszuschöpfen. Die Zurückhaltung bei den Darlehen kann laut Spöring mit der Schweizer Mentalität zu tun haben, möglichst keine Schulden machen zu wollen.

Stipendiengesuche im Kanton Luzern

Bewilligte Gesuche
Abgewiesene Gesuche
201520162017201820192020Jahr05001000

Zu den freudigen Überraschungen zählt dafür das Ergebnis einer Umfrage: Die Zufriedenheit mit der Berufsbildung ist 2020 gestiegen. So zeigten sich 88 Prozent der Lernenden zufrieden, im Vorjahr waren es erst 84 Prozent. Auch bei den Lehrmeisterinnen und Lehrmeistern stieg die Zufriedenheitsquote – von 85 auf 87 Prozent.

Laufbahnberatung gefragt wie nie

Die Laufbahnberater am Beratungs- und Informationszentrum für Bildung und Beruf (BIZ) des Kantons Luzern haben im letzten Jahr mit 1685 fast 19 Prozent mehr Beratungsfälle verzeichnet. Dieses Angebot werde vor allem von Erwachsenen genutzt, sagt Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung. Er rechnet auch in den kommenden Jahren mit einer steigenden Nachfrage. Dies auch deshalb, weil die Laufbahnberatung für Personen ab 40 Jahren ab dem nächsten Jahr gratis sein wird und weil Spöring davon ausgeht, dass die digitale Transformation der Wirtschaft das Bedürfnis nach einer Standortbestimmung weiter erhöht. «Wir planen nun einen Stellenausbau», so Spöring.

Insgesamt ging die Zahl der Anfragen, Kontakte und Beratungen von knapp 95'000 im Jahr 2019 auf etwas über 80'000 zurück. Grund: Das BIZ an der Obergrundstrasse 51 blieb coronabedingt während 13 Wochen geschlossen.