Berufsbildung
Corona hat keine Lehrstellen gekostet - medizinische Berufe werden immer beliebter

Die Erwartung, dass die Pandemie viele Lehrstellen kosten wird, ist bisher nicht eingetreten. Leicht verschoben haben sich die Präferenzen der Schulabgänger. Nach Gesundheits-Berufen wird häufiger gesucht.

Fabienne Mühlemann
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Die Lehrstellenvergabe für den Sommer 2021 ist derzeit in vollem Gang. Gesamtschweizerisch sind per Ende März 2021 rund 36'500 Lehrverträge abgeschlossen worden. Davon fallen 5148 auf die Zentralschweiz. Das sind rund 1500 Lehrverträge mehr als noch im Februar. Das gab das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation bekannt. Die Zahl liege gemäss Trendmeldungen seitens der Kantone im Rahmen der Vorjahre.

Die Coronapandemie hat also bisher keine grossen Auswirkungen auf die Lehrvertragsabschlüsse. Wie die «Aargauer Zeitung» berichtete, beeinflusst sie jedoch die Wahl der Berufe: Stand März sind im Kanton Aargau fast doppelt so viele Lehrverträge in der Pflege unterschrieben worden wie zum selben Zeitpunkt vergangenes Jahr. Auch KV-, Logistik- oder Verkaufsberufe seien gefragt, Gastronomie und Kitas tun sich schwerer damit, Nachwuchs zu finden. Lässt sich dieser Trend auch im Kanton Luzern feststellen?

Keine Auffälligkeiten im Kanton Luzern

Nein, sagt die Kommunikationsverantwortliche der kantonalen Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, Sandra Kilchmann:

«Im Kanton Luzern sind derzeit keine Auffälligkeiten zu erkennen.»

Die Lehrstellensuche verlaufe ähnlich wie in den vorherigen Jahren, bei keinem Berufsfeld seien grosse Veränderungen sichtbar. «Pflegeberufe waren schon immer beliebt», sagt Kilchmann. Genaue Zahlen für den Kanton Luzern würden in der ersten Juni-Woche veröffentlicht. Sie ruft die Lehrstellensuchenden dazu auf, dranzubleiben und sich weiterhin zu bewerben. Denn: Der im letzten Jahr prognostizierte Schwund an Lehrstellen sei nicht eingetreten.

Das bestätigt auch die Schweizer Lehrstellenplattform Yousty.ch. «Manch einer dürfte aufgrund der Coronasituation glauben, dass es künftig weniger Lehrverträge geben wird. Wir spüren seitens der Betriebe eine eher andere Entwicklung», heisst es in einer Mitteilung. Zahlen des Forschungsprojekts «Lehrstellen Puls» zeigen: Gemäss einer Umfrage im März bieten 77 Prozent der Lehrbetriebe weiterhin gleich viele oder mehr Lehrstellen an als im Vorjahr. Währenddessen verändert sich der Anteil Lehrbetriebe, die weniger Lehrstellen anbieten, seit letztem August kaum. Zudem bieten 4,9 Prozent der befragten Lehrbetriebe für Jugendliche zusätzliche Lehrstellen an, welche wegen Covid-19 sonst keine Stelle finden würden.

Detailhandel büsst an Beliebtheit ein

Die Migros Luzern versandte kürzlich eine Medienmitteilung, in der sie auf noch offene Lehrstellen hinwies. Wie sieht die aktuelle Stellenbesetzung beim orangen Riesen aus? «Diese entspricht etwa den Vorjahreswerten, sie ist sogar leicht höher als in den Vorjahren», sagt Claudius Bachmann, Mediensprecher der Genossenschaft Migros Luzern, auf Anfrage. Man stelle jährlich rund 80 Jugendliche in 14 verschiedenen Lehrberufen an, wobei die Mehrheit davon im Detailhandel ist. Besonders bei den Berufen im Umgang mit Fleisch sei es anspruchsvoll, interessierte und passende Jugendliche zu finden. «Dort haben wir auch noch acht Stellen in diversen Regionen offen. Aber auch im Fachmarkt Do it + Garden sind in Zug, Stans und Sursee noch immer einzelne Stellen frei», sagt Bachmann. Derzeit seien insgesamt noch 25 Lehrstellen unbesetzt, vorwiegend im Detailhandel.

Detailhandelsfachfrau, Gebäudereiniger oder Systemgastronomin: Für Sommer 2021 sind in der Zentralschweizer Genossenschaft Migros Luzern noch diverse Stellen offen.

Detailhandelsfachfrau, Gebäudereiniger oder Systemgastronomin: Für Sommer 2021 sind in der Zentralschweizer Genossenschaft Migros Luzern noch diverse Stellen offen.

Bild: PD

Dass die Lehrstellen im Detailhandel an Attraktivität eingebüsst haben, zeigt die Auswertung von Yousty.ch, welche aus den Suchanfragen resultiert. So findet sich der Lehrberuf Detailhandelsfachmann/-frau EFZ auf dem siebten Platz, während er im letzten Jahr noch auf Rang vier lag. Dafür sind die Lehrberufe Fachmann/-frau Gesundheit EFZ und Medizinische Praxisassistent/in EFZ auf Platz zwei und drei vorgerückt (zuvor fünf und sechs). Kaufmann/frau EFZ gilt weiterhin als beliebtester Lehrberuf.