BERUFSEINSTIEG: Speranza-Gedanke geht weiter

In Luzern gibt es ein neues Angebot für Schüler mit Problemen beim Berufseinstieg. Es startet kommende Woche mit 27 Jugendlichen.

Hugo Bischof
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Nicht allen Jugendlichen fällt der Übertritt von der Schule in den Berufsalltag oder die Berufsschule leicht. (Symbolbild Keystone / Archiv)

Nicht allen Jugendlichen fällt der Übertritt von der Schule in den Berufsalltag oder die Berufsschule leicht. (Symbolbild Keystone / Archiv)

Viele Jugendliche schaffen die Integration in den Arbeitsmarkt nicht selbstständig. Sie brauchen zusätzliche Hilfe auf ihrem Weg in die Berufslehre oder für den Berufseinstieg. Dafür gibt es in Luzern nun eine neue Organisation mit dem Namen FuturX.

Finanzierung durch Stiftungen

Die Genossenschaft FuturX wurde am 21. April dieses Jahres gegründet. Sie hat ihren Sitz an der Alpenstrasse 5 in Luzern. Finanziell unterstützt wird FuturX in Form einer Anschubfinanzierung unter anderem von der Albert Koechlin Stiftung und der Josef-Müller-Stiftung.

Bahnbrechend in diesem Bereich tätig war bisher die vom Surseer Unternehmer Otto Ineichen (1941–2012) gegründete Stiftung Speranza. Sie schuf zusätzliche Lehrstellen und finanzierte diverse Schulungs- sowie Brückenangebote im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit. Die Stiftung Speranza hat ihre Tätigkeiten Ende des abgelaufenen Schuljahres 2014/15 beendet. Otto Ineichens Sohn Mark hat sie durch die neue Ineichen Foundation ersetzt – zur Unterstützung von Menschen, «die unverschuldet in Not geraten sind».

Der Speranza-Gedanke wird nun aber weitergeführt. Einige der bisherigen Speranza-Mitarbeiter sind nämlich führend in der Genossenschaft FuturX tätig, darunter die beiden Geschäftsleiter Adrian Schmid (38) und Vera Ziswiler (34).

«Reges Interesse»

«Unser Angebot stösst auf ein reges Interesse», sagt Ziswiler. «Die Anmeldungen liegen über unseren Erwartungen.» FuturX startet seine Fördertätigkeit am 17. August mit 27 Jugendlichen. Elf davon werden das Schulungsangebot vollzeitlich besuchen. Dazu kommen neun Praktikumsbegleitungen und sieben Lehrbegleitungen. «Die Jugendlichen, die unsere Angebote nutzen, stammen oftmals aus schwierigen privaten Verhältnissen», sagt Vera Ziswiler. «Oft fehlt auch ein wohlwollendes und unterstützendes Umfeld. Zudem sind Eigenmotivation und -verantwortung nicht so gross.»

Schulische Schwierigkeiten (Konzentrations- und Leseschwächen) können ebenfalls Gründe für eine Zuweisung zum FuturX-Angebot sein. Dazu kommen sprachliche Schwierigkeiten aufgrund von Immigration im Jugendalter, leichte Delinquenzen oder Lehrabbrüche. 15 Nutzer der ersten FuturX-Angebote haben den Schweizer Pass. Weitere Nationalitäten sind Italien (2), Afghanistan (2), Eritrea (2), Kambodscha (1), Portugal (1), Pakistan (1), Sri Lanka (1), China (1) und Kroatien (1).

Die grosse Mehrheit der Jugendlichen wird durch die sozialen Dienste verschiedener Gemeinden des Kantons Luzern zugewiesen. Weitere Zuweiser sind unter anderem das Schweizerische Arbeiterhilfswerk Zentralschweiz und die Jugendanwaltschaft des Kantons Luzern.

Eigene Schulungsräume

Die Genossenschaft FuturX hat an ihrem Sitz an der Alpenstrasse in Luzern eigene Schulungsräume. Bei der Lehrvorbereitung werden die Teilnehmer dort in der Regel fünfmal pro Woche ganztags unterrichtet. Auf dem Lehrplan stehen Fächer wie Mathematik, Deutsch, Allgemeinbildung und Berufsintegration. Es gibt aber auch Workshops zu Themen wie Sexualität, Sucht und Geld/Budget.

In der Praktikumsbegleitung sind die Teilnehmer zwei bis vier Tage in ihrem Betrieb, die restliche Zeit bei FuturX. In der Lehrbegleitung sind sie normal im Betrieb und in der Berufsschule. Von FuturX werden sie bei Bedarf begleitet bei Problemen in der Berufsschule (Nachhilfeunterricht, Prüfungsvorbereitung) oder bei Schwierigkeiten im Betrieb (Missverständnisse, Demotivation, Zuverlässigkeit). Einen Teil der Kosten für die Schulung übernehmen die zuweisenden Stellen. Die Differenz wird in der Startphase durch die unterstützenden Stiftungen gedeckt. FuturX ist aber auch auf Spenden angewiesen. «Das Ziel von FuturX ist es, möglichst alle Teilnehmenden nachhaltig in den Arbeitsmarkt zu integrieren», sagt Vera Ziswiler.

Aufnahme «zeitnah und flexibel»

«Wir denken nicht in Schuljahren, sondern von Monat zu Monat», so Ziswiler. Die Aufnahme geschehe zeitnah und flexibel. «Heute anrufen, übermorgen Eintrittsgespräch, Start nächste oder übernächste Woche», erläutert die Co-Geschäftsleiterin das Konzept. Das Gleiche gelte für den Übertritt in einen anderen Modus: «Sobald jemand eine Praktikumsstelle hat, kommt er oder sie in die Praktikumsbegleitung. Das senkt automatisch auch die Kosten für die zuweisenden Stellen.»

Dabei dürfe man aber nicht vergessen, dass das FuturX-Angebot «für Jugendliche mit besonders schwierigen Ausgangslagen und in sehr herausfordernden Situationen konzipiert ist», sagt Ziswiler. «In einzelnen Fällen kann der Integrationsprozess, das heisst der Einstieg in ein Praktikum, deshalb auch länger als ein paar Monate dauern.»

Hugo Bischof

Hinweis

Genossenschaft FuturX, Alpenstrasse 5, 6004 Luzern. Kontakt Geschäftsleitung: Telefon 041 412 27 21, E-Mail: info@futurx.ch, Spendenkonto: CH06 0077 8200 1624 0200 1