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BERUFSMEISTERSCHAFT: Nur wer die Ruhe bewahrt, gewinnt

Erstmals gibt es eine Berufsmeisterschaft für die Fachleute Betreuung. Eindrückliche Aufgaben, nervöse Kandidaten und ein aussergewöhnlicher Sieger prägen die Premiere bei der Stiftung Brändi in Horw.
Stephan Santschi
Kim Braid (links) an den Berufsmeisterschaften für Fachleute Betreuung bei der Stiftung Brändi. (Bild: Dominik Wunderli (Horw, 18. November 2017))

Kim Braid (links) an den Berufsmeisterschaften für Fachleute Betreuung bei der Stiftung Brändi. (Bild: Dominik Wunderli (Horw, 18. November 2017))

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Fachperson Betreuung. So heisst der Beruf, der am Samstag in fünf Schweizer Regionen seine ersten Meister krönte. Neben Zürich, Bern, Aargau und St. Gallen massen sich bei der Stiftung Brändi in Horw auch Zentralschweizer in ihren professionellen Fähigkeiten. Doch dazu später mehr.

Die dreijährige Lehre entstand 2006 aus dem Zusammenschluss der Behindertenbetreuung, Kleinkindererziehung, Betagtenbetreuung und der sozialen Lehre. Die Ausbildung kann direkt im Anschluss an das neunte Schuljahr begonnen werden. Ein Absolvent begleitet Menschen im Alltag und ist in Kindertagesstätten, Alters- und Pflegeheimen oder Institutionen für Behinderte angestellt – entsprechend entscheidet er sich für eine dieser Fachrichtungen. Über 600 Lehrlinge werden in Zentralschweizer Betrieben und am Berufsbildungszentrum in Sursee ausgebildet. «Tendenz steigend», sagt Esther Müller.

Beruf kämpft um Aufmerksamkeit

Müller ist die Geschäftsleiterin der Zentralschweizer Organisation der Arbeitswelt Soziales (Zodas), und sie sagt mit Blick in die Zukunft: «Studien zeigen, dass wir bis 2024 in der Schweiz 45 000 bis 59 000 zusätzliche Fachkräfte benötigen.» Gründe hierfür seien die Überalterung der Gesellschaft und die Entstehung neuer Kinderkrippen. Mit der ersten Berufsmeisterschaft kämpfen die Betreuungsprofis also auch um Aufmerksamkeit. Vor allem in der Betagtenbetreuung wünscht sich der Verband mehr Lehrlinge.

Nun aber soll der Fokus auf die Premiere in Horw gerichtet werden. Sieben Frauen und ein Mann stellten sich an drei Posten den Herausforderungen ihres Alltags. Besonders eindrücklich: die Rollenspiele. Zunächst ging es darum, eine geistig mittelschwer behinderte Frau im Rollstuhl zum Verlassen des Parks aufzufordern, weil es Zeit fürs Mittagessen war. Danach musste eine Altersheimbewohnerin mit Heimweh getröstet werden, ehe es galt, den Streit zwischen zwei Kindern im Sandkasten zu schlichten. «Es war speziell, aussergewöhnlich», sagte Kim Braid und bezog sich auf die mehreren Dutzend Zuschauer. «Ich habe das Rundherum aber gut ausblenden können. In unserer Arbeit müssen wir die Ruhe bewahren, und es braucht Konzentration.» Die 22-Jährige aus Malters, die in den Heimen Kriens vor allem Demenzkranke betreut, hatte sich auch mit Kindern auseinanderzusetzen: «Das war eine Herausforderung.»

Im Weiteren bewerteten die Prüflinge eine Videosequenz, zeigten Handlungsalternativen auf und erläuterten einem Experten ein Fallbeispiel aus dem Alltag. Letzteres gelang Nora Gnädinger vorzüglich. «Oft ist die verbale Kommunikation nicht möglich», erklärte die 19-jährige Sinserin, die im Haus Maihof in Zug im dritten Lehrjahr mit Behinderten arbeitet. «Ich nehme sie ernst und interpretiere, was sie brauchen. Dafür braucht es Feingefühl.» Sie lerne so auch fürs Leben. «Ich reduziere den Menschen nicht auf ein Defizit, sondern sehe ihn als Ganzes.» Ebenfalls im dritten Lehrjahr steht die 21-jährige Horwerin Astrid Beeler vom Chinderhuis Nidwalden in Stans: «Anfänglich war ich meganervös. Dieser Anlass ist für mich eine gute Vorbereitung auf die Abschlussprüfung.»

«Bei einigen fühlte ich mich dumm, andere hörten zu»

Am Ende war es aber keine Frau, sondern mit Marlon Mettler der einzige Mann, der den Titel gewann. «Ich habe die Frauenrunde gesprengt», sagte der 19-jährige Brunner mit einem Lächeln, betonte aber auch, wie wichtig die Teamarbeit sei und dass man sich vor den Einsätzen gegenseitig unterstützt habe. Die besten drei werden sich nächstes Jahr im Schweizer Final mit der nationalen Konkurrenz messen. Neben Mettler sind dies Marion Zimmermann (21, Vitznau) und Nora Gnädinger.

Und wie empfand es Zora Schelbert, die als Laiendarstellerin die behinderte Frau im Rollstuhl mimte? «Die Herangehensweise war völlig unterschiedlich. Bei den einen kam ich mir dumm vor, sie waren zu stark auf ihr Ziel fixiert und liessen keinen Raum für Kommunikation. Andere hingegen hörten mir zu und fragten, ob ich es im Park geniesse.»

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