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BERUFSWAHL: Berufsberaterin Helga Hotz: «Oft ist grosser Druck spürbar»

An der Bildungsmesse Zebi, die am Donnerstag auf der Luzerner Allmend beginnt, müssen sich Schüler mit ihrer beruflichen Zukunft befassen. Dies fällt nicht allen leicht.
Interview Stefan Dähler
Helga Hotz, Berufsberaterin: «Überhöhte Berufsvorstellungen der Eltern können eine Verweigerungshaltung auslösen.»

Helga Hotz, Berufsberaterin: «Überhöhte Berufsvorstellungen der Eltern können eine Verweigerungshaltung auslösen.»

Interview Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Für die Schüler der 2. Oberstufe gilt es nun ernst. Sie müssen sich entscheiden, welche weiterführende Schule oder Berufslehre sie künftig absolvieren. In den kommenden Tagen steht für die Schüler-Tage ein Besuch der Zentralschweizer Bildungsmesse Zebi in der Messe Luzern auf dem Programm. Über 160 Berufsverbände, Schulen und Unternehmen präsentieren ihre Aus- und Weiterbildungen. Wie findet man in dieser Fülle das passende An­gebot? Und was kann man tun, wenn Jugendliche Probleme mit der Berufswahl haben? Helga Hotz (50), Berufsberaterin beim Beratungs- und Informationszentrum Luzern (BIZ), gibt Auskunft.

Helga Hotz, ab welchem Alter sollten sich Jugendliche mit der Berufswahl beschäftigen?

Eine Auseinandersetzung mit dem Thema können Eltern jederzeit anregen und unterstützen, entsprechend dem Alter und Entwicklungsstand ihrer Kinder. In der Primarschule kommt es im Rahmen des Zukunftstages zu Kontakten mit der Arbeitswelt, wenn Jungen und Mädchen die Berufe ihrer Eltern oder anderer Erwachsener kennen lernen. In der 7. Klasse wird das Thema dann auch im Unterricht behandelt. Da geht es vor allem darum, sich mit eigenen Interessen und Fähigkeiten auseinanderzusetzen, welche als Grundlage für die Berufswahl gelten. Das 8. Schuljahr ist bezüglich der Berufswahl das wichtigste, dann sollten die Jugendlichen das Angebot an Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten kennen lernen.

Die Jugendlichen machen in diesem Alter eine heikle Phase durch. Welche Probleme tauchen auf?

Eine Auseinandersetzung mit den eigenen Interessen und Fähigkeiten sowie des Berufsangebotes findet gelegentlich zu wenig statt. Es kommt zudem vor, dass sich Jugendliche entmutigen lassen, wenn sie Absagen auf eine Schnupper- oder Lehrstellenbewerbung erhalten. In der Oberstufe ist oftmals ein grosser Druck spürbar, schnell einen Lehrvertrag abzuschliessen. Teilweise führt dies zu Konkurrenz.

Welche Rolle spielen dabei die Eltern?

Sofern von dieser Seite noch Druck dazu kommt, kann dies Jugendliche allenfalls entmutigen und blockieren. Sie sollten sich mit einer positiven Einstellung mit der Berufswahl auseinandersetzen können. Überhöhte Berufsvorstellungen der Eltern können eine Verweigerungshaltung auslösen. Förderlich sind eine offene Haltung gegenüber den Interessen und eine möglichst realistische Einschätzung der Fähigkeiten ihrer Kinder.

Was, wenn eine Schnupperlehre enttäuschend verläuft?

Dann gilt es, genau hinzuschauen und sich die Frage zu stellen, ob den Jugendlichen die Berufs­inhalte nicht gefallen haben oder ob sie sich im Betrieb nicht wohlgefühlt haben beziehungsweise nicht betreut worden sind. Je nach dem macht es Sinn, im gleichen Beruf in einem anderen Betrieb zusätzlich zu schnuppern.

Wie geht man damit um, wenn Jugendliche trotz fehlender Chancen auf einem Traumberuf beharren?

Wichtig ist, dass ein solcher Wunschberuf ernst genommen wird. Oftmals hängt ein Beharren auch mit den hohen eigenen Erwartungen zusammen oder mit einer Angst, sich realistisch mit der Berufswahl auseinanderzusetzen. Eine Berufsberaterin kann Alternativen aufzeigen, die etwas mit dem Wunschberuf gemeinsam haben. Wichtig ist auch aufzuzeigen, dass dank unserem durchlässigen Bildungssystem das Erreichen des Wunschberufs auch zu einem späteren Zeitpunkt noch möglich ist.

Was kann man bei Motivationsproblemen tun?

Diese können auch zusammenhängen mit der Angst vor dem Versagen, mit fehlendem Know-how – etwa darüber, wie man sich bewirbt. Gerade bei schulisch schwächeren Lernenden mit wenig Unterstützung seitens der Eltern erleben wir oftmals, dass diese zusätzliche Unterstützung brauchen. Dafür gibt es verschiedene Angebote des Kantons, etwa Case Management, Mentoring oder Berufsintegrationsberatungen. Auch die Berufsmesse Zebi kann bei Jugendlichen einen Motivationskick bewirken.

Welche Möglichkeiten haben Schüler mit mangelhaften Noten?

Grundsätzlich ermöglicht das breite Angebot an Berufslehren auf einfacherem Niveau auch leistungsschwächeren Jugendlichen den Berufseinstieg. Gerade für sie bewährt es sich, die Ziele nicht zu hoch zu stecken und den Berufseinstieg mit einer schulisch weniger anspruchsvollen zweijährigen Lehre mit eidgenössischem Berufsattest zu starten. Nach dem Abschluss ist es für Lernende mit guten Leistungen möglich, ins zweite Jahr der dreijährigen Lehre einzusteigen, um das eidgenössische Fähigkeitszeugnis zu erlangen. Gute Rückmeldungen aus Schnupperlehren sowie sogenannte Schlüsselkompetenzen wie Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit und Loyalität sind zudem weitere Erfolgsfaktoren.

Sie haben das breite Angebot angesprochen. Wie findet man bei der grossen Auswahl das «Richtige»?

Wichtig ist, dass die Berufswahl zum Thema gemacht wird und der Jugendliche angeregt wird, sich mit seinen Interessen und Fähigkeiten auseinanderzusetzen und Berufe kennen zu ­lernen. Das BIZ unterstützt Jugendliche und deren Eltern mit einem breiten Informations- und Beratungs­angebot im Berufswahlprozess. Wichtig sind zudem Berufs- und Betriebsbesichtigungen sowie Schnupper­lehren. Hilfreich sind weiter Gespräche mit Menschen, die bestimmte Berufe oder Ausbildungen aus eigener Erfahrung kennen. Wesentlich und auch entlastend für Jugendliche ist gelegentlich der Hinweis, dass die erste Berufswahl keine Lebenswahl ist, sondern ein erster Schritt in die Berufswelt, dem später in der Regel weitere Schritte folgen.

Hinweis

Die Zebi findet vom 9. bis 12. November in der Messe Luzern auf der Allmend statt. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos zur Messe auf www.zebi.ch, zur Berufswahl allgemein auf www.biz.lu.ch und www.berufsberatung.ch

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