Bescheidenheit in Zeiten der grössten Not

Der Tod des Vaters ist ein harter Schlag für eine grosse Bergbauernfamilie im Entlebuch. Hier und vielerorts in unserer Region können unsere Leserinnen und Leser helfen.

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Im Schafstall der Familie L.: Mutter Bernadette mit Sohn Severin, Enkel David und den Töchtern Nadia und Aline. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Im Schafstall der Familie L.: Mutter Bernadette mit Sohn Severin, Enkel David und den Töchtern Nadia und Aline. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

«Ich weiss, dass die LZ-Weihnachtsaktion jedes Jahr auch im Entlebuch Menschen in Not hilft», sagt Bernadette L.* (46) am Küchentisch ihres Heimets hoch oberhalb einer Entlebucher Gemeinde. Sie dränge keineswegs, mit ihrem Schicksalsschlag in die Zeitung zu kommen, «aber wenn es hilft, Spenden zu sammeln, damit möglichst vielen geholfen werden kann, dann dürfen Sie über uns schreiben».

Akute Leukämie

Im Mai dieses Jahres klagt ihr Mann (47) über Halsschmerzen. Der Arzt stellt im Juni fest, dass «etwas im Blut nicht stimmt». Eine Woche später liegt Werner L. mit einer akuten Leukämie im Spital. «Wir hatten grosse Hoffnung, dass die Chemotherapie hilft», sagt Bernadette L., aber ein Pilz habe die Lunge immer von neuem entzündet. Am ersten Augustsonntag scheint es Werner L. besser zu gehen, «er sagte, in vier, fünf Tagen bin ich wieder zu Hause».

Doch es kommt anders. Am Dienstag muss Werner L. an die Lungenmaschine und weitere medizinische Geräte angeschlossen werden, «und am Donnerstag, 11. August, ist er gestorben». Bernadette L. hat Tränen in den Augen, ihre Tochter Nadia (14) sitzt mit gebeugtem Kopf still auf ihrem Stuhl. Zur Familie gehören weiter Severin (12), Aline (3), Grosskind David (2) und dessen Mutter Petra. Sie ist in der Kochlehre und wohnt ebenfalls auf dem elterlichen Hof.

Auf dem Hof bleiben

«Wir vermissen Werner sehr», sagt Bernadette L. leise. «Unser grosser Wunsch ist, dass wir hier auf dem Hof bleiben können. Aber da sind noch einige Fragen offen.» Werner und Bernadette L. waren ein Landwirt-Ehepaar mit Ideenreichtum und grosser Tatkraft; sie hatten 1997 von Kuh- auf Schafhaltung umgestellt und eine Liegenschaft dazugekauft. 200 Milchschafe stehen im Stall. Zwar arbeitet ein «zuverlässiger, guter Angestellter» mit, «aber es fehlt der Betriebsleiter», sagt Bernadette L. Über den Winter werde die Tochter vom Nachbarhof, gelernte Landwirtin, aushelfen und die gute Betreuung der Lämmer sicherstellen. Aber auf den nächsten Sommer «müssen wir schauen, wie es weitergeht, und das ist auch eine finanzielle Frage». Natürlich seien es die Kinder gewohnt, in Haus und Hof mitzuhelfen, «jetzt einfach noch etwas mehr».

Überlegen und rechnen

Eine weitere Sorge ist der halbfertige Anbau ans Wohnhaus. Werner L. wollte für die Kinder mehr Platz schaffen. Er, der früher im Nebenerwerb gerne und geschickt Zimmerarbeiten ausführte, wollte den Innenausbau im Winter in Eigenleistung erbringen. «Nun müssen wir zuerst einmal einen Kostenvoranschlag machen lassen und dann weiter überlegen und rechnen», sagt Bernadette L.

Die Augen der schlanken, stillen Frau leuchten auf, als sie auf Wunsch der Journalistin schildert, wie ihr Mann war: «Liebenswürdig, offen, gesellig, hilfsbereit. Er war auch den Nachbarn gegenüber sehr hilfsbereit, er konnte nicht Nein sagen.» Nadia holt ein Fotoalbum und zeigt auf einen aufrechten, strahlend fröhlichen Mann mit Handorgel. «Er hat viel mit uns Kindern unternommen, und er war bei den Urchigen Entlebuchern dabei. Ich habe oft mit ihm zusammen Schafe gemolken.» Nach einer kurzen Pause fügt sie leise hinzu: «Heute jodelt niemand mehr im Melkstall.»

Dankbar für die Hilfe

Sie habe sehr viel Hilfe von Seiten ihrer beiden Familien, von Nachbarn, Freunden und Bekannten und auch von unbekannter Seite erhalten, betont Bernadette L. «Meine Kinder und ich sind dafür sehr dankbar», sagt sie. Die Anteilnahme und die Hilfe gäben ihnen auch viel Kraft.

Bei der Frage nach nötigen Anschaffungen für die Kinder zeigt sich die Bescheidenheit der Bergbauernfamilie. Nadia zögert eine Weile und sagt dann: «Ich hätte schon gern ein neues Velo.» Ihr bisheriges Velo habe sie seit sieben Jahren, «und wir haben es damals bereits als Occasion erhalten». Severin wünscht sich ein Schreibpult, und Bernadette L. fügt an, für die Kinder bräuchte sie auch zwei Bettdecken (Duvets). Kinderkleider würden innerhalb der Familie und der Nachbarschaft ausgetauscht.

Beim Gespräch am Küchentisch nimmt auch die Sozialvorsteherin der Gemeinde teil. «Bernadette, du darfst sagen, was fehlt oder welche Ausgaben noch auf dich zukommen», sagt sie. Zum Beispiel für Kinderbetreuung. Müsse Bernadette L. für eine Besorgung oder einen Termin ins Dorf, komme eine ihrer Schwestern und schaue zu den beiden kleinsten Kindern, «aber wenn die mal nicht kommen können, sollte auch einmal eine Haushalthilfe gegen Bezahlung einspringen können». Die Mitglieder der Familie L. seien «gschaffige und bescheidene Menschen, die unverschuldet in eine Notlage geraten sind und Hilfe verdienen», sagt die Sozialvorsteherin. Sie wird für Familie L. ein Gesuch um Überbrückungshilfe bei der LZ-Weihnachtsaktion einreichen.

Das Herz sprechen lassen

Mit einer Spende an die LZ-Weihnachtsaktion können unsere Leserinnen und Leser helfen – hier und bei vielen anderen Familien und Einzelpersonen in der Zentralschweiz, die finanzielle und oft auch soziale Probleme haben. Bereits sind gegen 700 Hilfsgesuche eingetroffen. Finanzielle Hilfe bedeutet für die Betroffenen auch, dass andere Menschen in der Advents- und Weihnachtszeit an sie denken und Hoffnung und Zuversicht schenken möchten. Heute liegt der Einzahlungsschein unserer Zeitung bei. Wir danken allen, die ihr Herz und ihr Portemonnaie grosszügig öffnen.

Ruth Schneider / Neue LZ

* Familiennamen und Gemeinde nennen wir auf Wunsch der betroffenen Familie nicht.

LZ Weihnachtsaktion

rs. Am Samstag lag unserer Zeitung der Flyer mit vielen Infos und dem Einzahlungsschein der LZ-Weihnachtsaktion bei. Unser Spenden-Postkonto: 60-33377-5.

Online spenden können Sie auf .

Sammelaktionen: Bitte teilen Sie es uns mit, wenn Sie für die LZ-Weihnachtsaktion ein Konzert oder einen Suppentag planen oder etwas basteln. Tel. 041 429 54 04. Mail:

Keine Sachspenden: Aus logistischen Gründen können wir keine Gegenstände entgegennehmen.

Gesuche:Direkte Gesuche Privater an die LZ-Weihnachtsaktion sind nicht möglich. Gesuche werden von Sozialämtern und Institutionen eingereicht.

Sorgfältige Prüfung: Alle Gesuche – ausschliesslich aus unserer Region – werden vom Beirat der LZ-Weihnachtsaktion sorgfältig geprüft: Das 14-köpfige, ehrenamtlich tätige Fachgremium aus allen Zentralschweizer Kantonen garantiert für den sorgfältigen und wirkungsvollen Einsatz der Spenden. Präsident ist Klaus Fellmann, alt Regierungsrat, Dagmersellen.