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Beschuldiger legt vor Luzerner Gericht «Beichte» ab – doch vieles bleibt offen

Brüder vermitteln Kredite an nicht kreditwürdige Kunden – mit gefälschten Dokumenten und Falschangaben. Ein Fall für das Luzerner Kriminalgericht.
Roger Rüegger

Es sollte eine lange Verhandlung am Kriminalgericht für die beschuldigten Brüder werden. Der Ältere (49, Serbien) trägt einen blauen Anzug, der Jüngere (43, Schweiz) Jeans, kariertes Hemd, rote Weste. Bei der Befragung war ein albanischer Übersetzer anwesend, da der Schweizer kaum Deutsch spricht.

Beide Beschuldigten waren des gewerbsmässigen Betrugs und der qualifizierten Geldwäscherei angeklagt. Dem Älteren wird zudem Urkundenfälschung vorgeworfen, dem Jüngeren falsche Anschuldigung. Die Untersuchungen dauerten viereinhalb Jahre. Die Männer bestritten bei den über 100 Einvernahmen praktisch alle Anschuldigungen. Anders bei der Verhandlung, die um 8.15 Uhr begann und bei der noch 23 Fälle hängig waren. Der Ältere wurde zuerst befragt. «Heute bin ich bereit», sagte er und fügte an, er wolle beichten. Die Männer operierten im Finanz- und Versicherungsbereich in zwei Gesellschaften, in denen der Ältere als Inhaber und Geschäftsführer fungierte. Sie vermittelten und organisierten bei Banken Kredite für Personen, welche die Voraussetzungen für den Erhalt eines Kredites nicht erfüllten. Etwa weil sie ein zu geringes Einkommen hatten oder keiner Arbeit nachgingen. Die Vorwürfe seien zum Teil richtig, sagt er. Die Leute hätten sich in einer Notlage befunden, er habe ihnen helfen wollen.

Vermittlungsgebühr von Kreditnehmer und Bank

Die Beschuldigten stellten frisierte Schriftstücke wie Lohnabrechnungen oder Arbeitsverträge für die Kreditantragsteller her. Die Papiere lauteten laut Anklage in den meisten Fällen auf Gesellschaften und Einzelunternehmen, die von Leuten geführt werden, die mit den Beschuldigten befreundet waren. Diese wurden instruiert, bei Nachfragen der Banken die im Zusammenhang mit den Krediten gemachten Falschangaben als korrekt zu bestätigen. Damit wurde den Banken eine nicht vorhandene Kreditfähigkeit der Antragsteller vorgetäuscht.

Die Leute, die durch diese Tricks zu Geld kamen, entschädigten die Beschuldigten für die Vermittlung, je nach Höhe des Kredites, mit mehreren tausend Franken. Davon wollte der Ältere allerdings nichts wissen. Er habe nie Geld genommen, nur geholfen. Bei der Beweisaufnahme belastete er seinen Bruder.

Geld geflossen ist aber von den Kreditnehmern reichlich. Notabene ohne Quittung. Und für die Vermittlung überwiesen auch die Banken Provisionen an die Beschuldigten. Der Staatsanwalt beantragte für den Älteren eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren und zudem 5 Jahre Berufsverbot. Dazu noch eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen, deren Höhe nicht definiert ist. Für den Jüngeren beantragte er 30 Monate, davon 6 Monate unbedingt sowie eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen.

20-Jähriger kauft Liegenschaft

Die Beschuldigten besitzen ausserdem mehrere Liegenschaften. Unter anderem jene im Kanton Nidwalden, in der sie wohnen. Diese hat aber just am Tag der Verhandlung ein Sohn des älteren Beschuldigten gekauft, ein 20-jähriger Detailhandelsangestellter. Auf die Frage der Richterin, wie der junge Mann zu so viel Geld komme, antwortete der Beschuldigte, dass dieser eine Bank gefunden habe, die nicht auf die üblichen 20 Prozent Eigenmittel bestehe. Der Geldfluss bei den Beschuldigten ist offensichtlich vorhanden, aber nicht sehr transparent. Eine plausible Erklärung bleiben beide Männer schuldig.

Der Verteidiger des Älteren stellte fest, dass die Beschuldigten stets alleine handelten und keine Mittäterschaft bestand. Sein Mandant habe lediglich in neun Fällen Lohnabrechnungen den Banken vorgelegt und diese so getäuscht. Diese Papiere habe er aber nicht selber fingiert. «Es handelt sich nicht um Urkundenfälschung sondern lediglich um Betrug», betonte er und beantragte eine angemessene bedingte Strafe für mehrfachen Betrug. Von den übrigen Vorwürfen sei sein Mandant freizusprechen. Auch der Anwalt des Jüngeren wollte einen Freispruch. Sein Klient habe nicht die Kenntnis, Kredite zu beantragen, da er weder Deutsch sprechen noch schreiben könne, sagte er um 17.30 Uhr. Das Urteil folgt später.

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