Besonders in Luzern und Kriens wird
der 2. Wahlgang spannend

In den zwei Städten könnte es am 28. Juni zu einem Linksrutsch kommen – in Kriens ist aber auch ein Rechtsrutsch möglich.

Stefan Dähler
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Die Stadthäuser in Luzern (links) und Kriens.

Die Stadthäuser in Luzern (links) und Kriens. 

Bilder: Pius Amrein und Urs Flüeler / Keystone 

Nirgendwo balgen sich so viele Kandidaten um den Einzug in die Exekutive wie in den Städten Luzern und Kriens. In erstgenannter kämpfen im zweiten Wahlgang am 28. Juni sieben Personen um die zwei verbliebenen Sitze, in letzterer sechs um vier Sitze.

Trotz der Fülle an Kandidaten dürfte es in Luzern vor allem auf ein Duell hinauslaufen: die bisherige Baudirektorin Manuela Jost (GLP) gegen die neue Judith Dörflinger (SP). Schafft Dörflinger die Wahl, würden Grüne und SP im Luzerner Stadtrat erstmals die Mehrheit stellen. Entsprechend alarmiert sind die anderen Parteien. Sie empfehlen geschlossen Manuela Jost und Finanzdirektorin Franziska Bitzi Staub (CVP) zur Wahl – sogar die SVP, die im Vorfeld des ersten Wahlgangs Jost noch scharf attackiert hatte.

Aussichten der Männer sind in Luzern weniger gut

Bitzi kann sich ihrer Wiederwahl noch nicht ganz sicher sein, ihr Sitz ist aber weniger gefährdet als jener von Jost. Die CVP-Kandidatin verpasste das absolute Mehr im 1. Wahlgang nur knapp. Die Aussichten der weiteren Kandidaten sind weniger gross. Die beiden jungen Linken Jona Studhalter (Junge Grüne) und Skandar Khan (Juso) schafften zwar im 1. Wahlgang ein achtbares Resultat. Um im 2. Durchgang ernsthaft ein Wort mitreden zu können, hätten sich die Jungparteien aber auf eine gemeinsame Kandidatur einigen müssen.

Silvio Bonzanigo, der nach seinem Rauswurf aus der SVP ohne Partei im Rücken antritt, dürfte chancenlos sein. Dasselbe gilt in noch grösserem Ausmass für den parteilosen Dauerkandidaten Rudolf Schweizer.

Nur noch eine bisherige Kandidatin in Kriens

Während es in Luzern möglich ist, dass der Stadtrat in der nächsten Legislatur in unveränderter Zusammensetzung weiterarbeitet, könnte in Kriens das Gegenteil eintreffen. Vier amtierende Stadträte haben ihren Rücktritt bereits erklärt – drei davon erst nach dem 1. Wahlgang infolge ihres schlechten Abschneidens. Die letzte verbliebene bisherige Kandidatin ist Bildungsvorsteherin Judith Luthiger (SP). Auch ihr Sitz könnte wackeln. Auf ein Duell wie in Luzern lässt sich die Ausgangslage in Kriens aber nicht reduzieren. Prognosen sind nach dem Erdbeben im 1. Wahlgang schwierig.

Klar ist, dass es entweder zu einem Links- oder Rechtsrutsch kommt. Dies, weil die CVP, die aktuell zwei Stadträte stellt, nach deren schlechten Abschneiden nur noch mit einer Kandidatin antritt: Christine Kaufmann-Wolf.

SP oder SVP könnten CVP-Sitz holen

Der zweite CVP-Sitz könnte an die SP gehen, die neben Judith Luthiger mit Cla Büchi antritt. Gemeinsam mit dem im 1. Wahlgang bereits gewählten Maurus Frey (Grüne) käme es dann zu einer linken Mehrheit. Aber auch SVP-Kandidat Marco Frauenknecht könnte profitieren, wodurch wieder alle grossen Parteien in der Exekutive vertreten wären. Möglich ist auch, dass die CVP ganz aus dem Stadtrat ausscheidet. Dieses Szenario ist aber unrealistisch, da Kaufmann in Kriens bekannt und ihre Kandidatur bei den bürgerlichen Parteien breit abgestützt ist. Auch Roger Erni (FDP) dürfte gute Wahlchancen haben.

Weniger geschlossen treten die Linken an. So versagen die Grünen – anders als im 1. Wahlgang – Judith Luthiger die Unterstützung. Sie empfehlen nur Cla Büchi. Ob Luthiger als letzte verbliebene Bisherige beim Wahlvolk nun einen Vor- oder Nachteil hat, wird sich zeigen. Der parteilose Marcel Zandegiacomo, dessen Kandidatur erst am Donnerstag bekannt wurde, dürfte chancenlos sein.

Stadtpräsidium in Kriens: Grüne gegen CVP

In Kriens ebenfalls noch offen ist das Rennen um das Stadtpräsidium. Die Grünen wollen den Sitz des zurücktretenden Cyrill Wiget mit Maurus Frey verteidigen. Hier agieren die Linken wieder gemeinsam – Frey geniesst die Unterstützung der SP. Gegen ihn tritt Christine Kaufmann-Wolf an, die auch beim Stadtpräsidium von den bürgerlichen Parteien unterstützt wird.