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Video

Tessiner Rekrut in Emmen mit Steinen beworfen – Armeechef schaltet sich ein

Schockierende Bilder aus der Kaserne Emmen: Mehrere Rekruten bewerfen einen Kameraden mit Steinen und Nüssen. Das VBS reagiert erschüttert auf den Vorfall, ein Verfahren läuft. Nun schaltet sich der Chef der Armee persönlich ein.
Kilian Küttel

Ein junger Mann steht mit dem Rücken zur Kamera. Grüne Hose, grüne Jacke, grüne Mütze. Er hat den Kopf ein-, die Schultern angezogen, die Arme an den Körper gelegt. Er wendet seinen Blick ab, das Gesicht ist nicht zu erkennen, die Angst trotzdem zu sehen, zu spüren. Zurecht.

Wenige Meter hinter ihm stehen rund zehn andere. In den Händen tragen sie etwas, das sich zum Werfen eignet: Nüsse und Steine. Schräg vor ihnen steht ein weiterer Mann, breitschultrig, breitbeinig: «Bereit?», fragt er – «Feuer!». Dutzende Geschosse fliegen durch die Luft, mal mit voller Wucht und schnurgerade, mal in hohem Bogen. Die meisten treffen ihr Ziel: den Rekruten. Am Rücken, an den Schultern, in der Kniekehle. Er knickt ein, hat Schmerzen. Die anderen zeigen kein Erbarmen: «Nein», schreit einer. Er ist enttäuscht. Er hat verfehlt.

Es sind 22 Sekunden Videomaterial, die seit Mittwochmorgen in den Schweizer Medien kursieren. Das Video entstand im September unweit der Kaserne Emmen, wie das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) mit Verweis auf die Tessiner Station RSI berichtete. Beim Opfer soll es sich um einen 24-jährigen Rekruten aus dem Tessin handeln. Der Zwischenfall ereignete sich im Rahmen einer Fliegerabwehr-Rekrutenschule – offenbar auf Befehl eines Vorgesetzten der Soldaten.

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Vater erhebt schwere Vorwürfe gegen das Militär

Der Fall sorgte für Empörung in den Kommentarspalten: «Finde, was da passiert ist, ist unter jeder Sau», schreibt ein User. Und ein anderer fordert: «Ein solcher Vorgesetzter muss zwingend aus der Armee entfernt werden. Die Mitläufer ebenfalls.» Auch die Armeeführung ist über die Misshandlung erschüttert: «Jegliche Form von körperlicher Züchtigung akzeptieren wir in keiner Weise», sagt Armeesprecher Daniel Reist auf Anfrage.

Die Militärjustiz hat ein Verfahren eröffnet. Ans Licht kam der Fall, weil der Vater des Opfers dem Sender RSI das Video zugespielt hatte. Ausserdem deponierte er eine Beschwerde beim Militär. Der Vater erhebt happige Vorwürfe an die Landesverteidigung: Sein Sohn sei während der Ausbildung schikaniert und gemobbt worden – vom Kader und von seinen Kameraden. Gegenüber RSI sagte der Tessiner, sein Sohn sei etwa in Unterhosen im Zimmer stehen gelassen worden. Es habe noch weitere Aktionen gegeben, die erniedrigend waren. Im Tessin wirft der Fall aktuell hohe Wellen. Die Tageszeitung «La Regione» wittert eine Erniedrigung aufgrund der Südschweizer Herkunft des Rekruten. Es gehe um eine alte Gewohnheit, dass sich Deutschschweizer gegen Tessiner Soldaten verbrüdern würden.

Armeechef kündigt Truppenbesuch an

Wann die Militärjustiz im Verfahren einen Entscheid fällt, ist gemäss Daniel Reist noch offen. Der Rekrut wurde am Montag vom Untersuchungsrichter befragt. Er befindet sich weiterhin in der Rekrutenschule und führt seine Ausbildung weiter. Die Strafen für die mutmasslichen Täter könnten von einem einfachen Verweis, über eine Entlassung aus dem Militärdienst bis hin zu strafrechtlichen Konsequenzen reichen. «Noch ist aber unklar, ob und welche Sanktionen verhängt werden. Das Verfahren läuft», so Reist.

Die inszenierte Steinigung trifft die Armee offenbar so tief, dass sie zur Chefsache erklärt worden ist: Korpskommandant Philippe Rebord, Chef der Armee, wird die Truppe besuchen und mit den Involvierten sprechen – dem Opfer, seinen Kameraden und dem Kadermitglied. Wann dieses Treffen stattfindet, will die Armee nicht sagen.

Auf die Frage, ob es vergleichbare Fälle gebe, sagt Reist: «Ein Fall wie jener in Emmen ist mir nicht bekannt. Glücklicherweise.» Jedoch gibt es in der Schweizer immer wieder Skandale wegen Gewalt in der Armee. So kam im Frühling 2017 ein anderes Video an die Öffentlichkeit: Während einer Schiessübung forderte ein Vorgesetzter von seinen Männern, sich vorzustellen, wie sie ihre Freundin mit einem anderen im Bett erwischen. Daraufhin feuerten die Soldaten los.

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