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Geldwäscherei in der Zentralschweiz: Besuch des mysteriösen Maserati-Fahrers

Auch im Kanton Luzern ist die Zahl der Meldungen auf Geldwäschereiverdacht 2018 im Vergleich zum Vorjahr sprunghaft angestiegen. Hätten sämtliche Branchen die Pflicht, Verdachtsfälle zu melden, wären es womöglich noch weit mehr.
Thomas Heer
Geldwäscherei: Die Verdachtsfälle haben auch in der Zentralschweiz zugenommen. (Symbolbild: Gabriele Putzu/Keystone/Ti-Press)

Geldwäscherei: Die Verdachtsfälle haben auch in der Zentralschweiz zugenommen. (Symbolbild: Gabriele Putzu/Keystone/Ti-Press)

Es ist zwar schon einige Monate her, aber der Unternehmer aus einer Rontaler Gemeinde erinnert sich an den Vorfall, als wäre das Geschehene gestern passiert. Denn eines Tages fuhr vor seiner Liegenschaft ein Sportwagen der Marke Maserati vor. Das Fahrzeug war offenbar im Kanton ­Tessin registriert. Darauf jedenfalls liess das Autokennzeichen schliessen.

Aus der Limousine stieg dann ein Mann, «Typ Pepe Grillo», wie der Unternehmer erzählt. Demnach also nicht mehr der Jüngste, leicht übergewichtig, im Gesicht ein Zehntagebart wuchernd. Und was dem Rontaler auch noch auffiel: Die Füsse des Unbekannten steckten in hippen, teuren Moreschi-Slippers. Der Fremde kam schnell zur Sache. Wem denn das Gebäude gehöre, wollte dieser wissen, und er redete danach weiterhin nicht lange um den heissen Brei, indem er sagte: Er hätte grosses Interesse, die Immobilie zu kaufen. Weiter erzählte der «Tessiner», er sei von Rotkreuz kommend nun im Kanton Luzern angekommen und suche auf diese Weise in der Region Liegenschaft für den käuflichen Erwerb.

Der überraschte Unternehmer gab sich in der Folge als ahnungsloser, einfacher Angestellter aus und wimmelte den Fremden mit ein paar Floskeln ab. Vom Maserati-Fahrer hat der Unternehmer seither weder etwas gehört noch ihn je wiedergesehen.

Das Vorgehen dieses Mannes auf dem Immobilienmarkt scheint einigermassen erstaunlich. Gut möglich, dass er mit hehren Absichten in die Deutschschweiz reiste. Nicht auszuschliessen ist jedoch, dass er mit dem angestrebten Deal Geld waschen wollte. Denn es ist davon auszugehen, dass auch auf dem Schweizer Immobilienmarkt jährlich flüssige Mittel von zig Millionen Franken aus kriminellen Machenschaften in den legalen Wirtschaftskreislauf eingeschleust werden.

300 000 Franken bar auf den Tisch gelegt

Denn wie der Kunst- ist auch der Immobiliensektor nicht der Geldwäscherei-Gesetzgebung unterstellt. So haben also Lie­genschaftsmakler keinerlei Verpflichtung, die Herkunft des Geldes für die getätigten Geschäfte abzuklären. In diesen Kontext passt auch jener Fall, der sich vor wenigen Jahren zutrug. Eine bis damals fast unbekannte Innerschweizer Immobilienkauffrau legte im Zuge einer Hotelversteigerung in Emmen die Anzahlung von 300 000 Franken bar auf den Tisch. Darüber berichtete die «Zentralschweiz am Sonntag» in der Ausgabe vom 16. April 2017.

Wie die «Luzerner Zeitung» bereits am Freitag berichtete, veröffentlichte die Geldwäschereimeldestelle des Bundes MROS diese Woche die Zahlen vom vergangenen Jahr. Demnach stieg die Zahl der gemeldeten Verdachtsfälle aus dem Kanton ­Luzern 2018 gegenüber dem ­Vorjahr um 77 Prozent auf 39 Vorkommnisse. Im Kanton Schwyz kam es bei einem Anstieg von 15 im Jahr 2017 auf 43 Fällen letztes Jahr fast zu einer Verdreifachung. In den Kantonen Ob- und Nidwalden sowie Uri gab es dagegen je nur einen gemeldeten Verdachtsfall. Spitzenreiter in der Zentralschweiz ist mit 159 Meldungen der Kanton Zug. Wie die «Luzerner Zeitung» schrieb, haben die Zuger Fälle vor allem mit dem Handel von virtuellen Währungen wie Bitcoin zu tun.

Kalabresische Mafia benutzte Stadtzürcher Firma

Wie nötig es ist, dass Behörden, Banken, Versicherungen, Anwälte oder Treuhänder ein wachsames Auge in Bezug auf illegale Geldtransfers haben, zeigte exemplarisch ein Beispiel, worüber die NZZ Mitte März ausführlich berichtete. Demnach setzte die Zürcher Kantonspolizei am 29. Mai 2017 ein schweizerisch/brasilianisches Ehepaar fest. Die beiden betrieben zusammen mit mehreren Mitarbeitern im Stadtzürcher Kreis 4 ein Institut für Geldtransfers. Zwischenzeitlich unterhielten diese Finanzdienstleister zusätzlich Filialen in Genf, Basel und Lausanne.

Die Firma des Ehepaars überwies jährlich 100 Millionen Franken an Kunden in Südamerika. 2 bis 3 Prozent der überstellten Summen entfielen als Provisionen an die beiden. Der Haken dabei: Ein Teil des transferierten Geldes stammte aus kriminellen Machenschaften der kalabresischen Mafia.

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