«Bete oder stirb!» – Selbsternannter «Prophet» aus Hochdorf erhält Recht vor Bundesgericht

Ein gläubiger Familienvater litt an Wahnvorstellungen und drohte seiner 16-jährigen Tochter mit dem Tod. Nun hat er sich erfolgreich gegen seine Strafe gewährt – vorerst.

Niels Jost
Drucken
Teilen

Das Luzerner Kantonsgericht muss sich erneut mit einem aussergewöhnlichen Fall beschäftigen, der bis ins Jahr 2016 zurückgeht. Ein Familienvater aus Hochdorf drohte seiner damals 16-jährigen Tochter, sie umzubringen, wenn sie in ein Klassenlager mitfahren sollte, in dem auch Knaben zugegen sind. Der gläubige Muslim drohte auch anderen Familienmitgliedern mit dem Tod, wenn sie nicht regelmässig beteten.

In einem eingeleiteten Strafverfahren begründete der Mann seine Drohungen damit, dass er der zwölfte Prophet sei und von Allah sowie vom Erzengel Gabriel den Auftrag erhalten habe, «den richtigen Islam» zu verkünden. Ein forensisch-psychiatrisches Gutachten stellte eine wahnhafte Störung im Sinn eines religiösen Wahns fest. Deshalb stellte das Bezirksgericht Hochdorf 2017 die Schuldunfähigkeit fest, ordnete jedoch eine stationäre Therapie an.

Kantonsgericht muss alternative Therapie prüfen

Gegen diese Therapie wehrte sich der Mann im Februar 2020 vor Kantonsgericht – mit Erfolg. Die Massnahme wurde in eine «fürsorgerische Unterbringung» in einem Pflegezentrum umgewandelt. Der Mann beschwerte sich erneut, da auch diese Massnahme auf einen dauerhaften Freiheitsentzug hinauslaufe. Dieses Mal scheiterte er jedoch im Juni vor Kantonsgericht, da nicht nur eine Fremd- sondern auch eine Selbstgefährdung bestünde.

Der «Prophet» zog das Urteil weiter ans Bundesgericht. Die höchste Instanz gibt dem Mann nun Recht. Das Kantonsgericht habe nicht geprüft, ob auch ambulante Therapien oder solche in einer offenen Institution möglich gewesen wären. Das Kantonsgericht muss damit erneut eine Massnahme festlegen.