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Betreibungen von einer Million Franken: Hotelimperium in Weggis steht vor dem Untergang

Die Weggiser Hotels Albana, Graziella und Post Hotel sind offenbar kurz vor dem Ruin. Hinter der Betreiberfirma steht der umstrittene Gastronom Afrim Baftiri. Eine Pleite wird ihm aber nichts anhaben können – das hat er schon oft bewiesen.
Kilian Küttel
Die Weggiser Hotels Albana (hinten) und Post Hotel (vorne). (Bild: Pius Amrein (24. Oktober 2018))

Die Weggiser Hotels Albana (hinten) und Post Hotel (vorne). (Bild: Pius Amrein (24. Oktober 2018))

Diese Geschichte beginnt mit einem Schweigen: ignorierte Anrufe, unbeantwortete E-Mails, ein Chef, der sich nicht meldet – obwohl seine Mitarbeiter versichern, er werde es tun. Afrim Baftiri spricht nicht.

Dabei hätte er einiges zu erzählen: Seit 15 Jahren errichtet er ein Hotel- und Gastroimperium rund um den Vierwaldstättersee. Zielstrebig, gerissen und oftmals an der Grenze der Legalität.

Firma beschäftigt Behörden, Justiz und Anwohner

Baftiris Geschichte ist jene eines Mannes, der Anfang der 90er-Jahre aus Mazedonien in die Schweiz kommt. Mit Ideen, Ehrgeiz und Bauernschläue im Gepäck. Und einem Abschluss in Chemie in der Tasche. Angefangen als Hilfsmetzger, führt er am Ende mehrere Restaurants und Hotels in der Zentralschweiz. Man könnte von einer Erfolgsgeschichte sprechen. Könnte – wäre da nicht die Art und Weise, wie der 45-Jährige sein Reich erbaut. Immer wieder beschäftigt diese Justiz und Behörden. Und erzürnt Anwohner und Geschäftspartner.

Wie in Weggis. Dort führt Baftiri derzeit drei Hotels: das «Albana» an der Luzernerstrasse, das «Graziella» im Ortsteil Hertenstein sowie das «Post Hotel» an der Seestrasse. Doch das Reich wankt.

Erstens, weil das «Post Hotel» aus dem Hotelierverband Hotelleriesuisse ausgeschlossen wurde. Zweitens: Die LH Gastro GmbH, welche die drei Hotels betreibt, wurde von Juni 2017 bis Ende Januar 2019 Dutzende Male betrieben. Acht Seiten lang ist der Betreibungsregisterauszug, der unserer Zeitung vorliegt. Fast 50 verschiedene Gläubiger verlangen zusammen knapp 1 Million Franken von der Firma. Der kleinste Einzelbetrag beläuft sich auf 74.30, der grösste Posten auf 186'845 Franken.

Ausgleichskasse will 90'000 Franken

Zu den Gläubigern gehören Hotels, Handwerker, Versicherungen, Luzerner, Obwaldner und Zürcher Steuerbehörden sowie GastroSocial, die Ausgleichskasse für das Gastgewerbe. Dieser schuldet die Firma rund 90'000 Franken. Ob es sich um Arbeitgeberabgaben handelt, wollte die Ausgleichskasse weder bestätigen noch dementieren.

Eine der grössten Forderungen stellt der Hergiswiler Fredy Schönholzer, der mit Erotikshops reich geworden ist und sich im Raum Zürich einen Namen als Immobilien-Grösse gemacht hat. Alles in allem will er über 262'000 Franken von der LH Gastro GmbH. Worum es sich dabei handelt, wollte sein Vertreter, Millieu-Anwalt Valentin Landmann, mit Verweis auf das Anwaltsgeheimnis nicht sagen.

Das Firmenkonstrukt ist verworren

Recherchen im Umfeld von Afrim Baftiri sind schwierig. Die Umstände sind verworren, wie das Beispiel der Hotels in Weggis zeigt. Auf dem Papier hat die ZB Investment AG die drei Häuser gepachtet. Eingetragen ist diese Firma auf den Chinesen Wei Geng. Korrespondenzen der Luzerner Gastgewerbepolizei mit einem Weggiser zeigen aber: Mindestens das «Graziella» und das «Post Hotel» hat Geng an die LH Gastro GmbH unterverpachtet. Einzige Gesellschafterin und Geschäftsführerin der LH Gastro GmbH ist eine Italienerin, die in Kriens wohnt. Auch sie ist für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Auf sie läuft auch die Betriebsbewilligung für das Hotel Graziella. Der Name Afrim Baftiri findet sich nirgends im Handelsregister. Nur gibt es etliche Belege und Indizien, die darauf hindeuten, dass er hinter allem steht – auch hinter dem «Albana»:

  • Die Wirtepatente für das «Albana» und das «Post Hotel» haben seine Töchter inne.
  • Im Sommer 2018 wurden zwei nachträgliche Baugesuche für den Aussenbereich des «Post Hotels» eingereicht, bei denen die ZB Investment AG Bauherrin und Afrim Baftiri Planverfasser sind.
  • Auf den Business-Portalen Linkedin.com und Xing.com stellt sich Baftiri unter seinem früheren Namen Baftiroski als CEO der Lucerne Hotel Group dar. So nennt sich die LH Gastro GmbH alternativ. Unter diesem Namen tritt die Firma auf einer Website auf, die auf Baftiri eingetragen ist.
  • Das Luzerner Kantonsgericht verurteilte Afrim Baftiri im Mai 2017 rechtskräftig wegen der schwindelhaften Gründung zweier Firmen. Eine davon hiess Lucerne Hotel Group AG. Der Name ähnelt frappant der LH Gastro GmbH.
  • Die LH Gastro GmbH hat ihren Sitz an der Schattenbergstrasse 107 in Kriens. An der gleichen Adresse also wie das Hotel Himmelrich. Diese Liegenschaft gehört der Lucerne Immobilien GmbH. Deren einziger Gesellschafter heisst Urim Baftiri und ist Afrims Bruder.
  • Schliesslich: Egal, mit wem man in Weggis über die drei Hotels spricht – von der offiziellen Geschäftsführerin spricht niemand, von Wei Geng die wenigsten, von Afrim Baftiri jeder.

Das Thema treibt die Bevölkerung um: Nachdem unsere Zeitung erstmals über Missstände in den drei Hotels berichtet hatte, meldeten sich etliche Personen bei uns. Alle Informanten sind unserer Zeitung namentlich bekannt. Alle hatten die gleiche Bedingung: keine Namen, keine Rückschlüsse. Jeder pochte auf Anonymität, weil er Konsequenzen fürchtete.

Die Informanten und ihre Angst

Es gab den Informanten, der ein Treffen eine halbe Stunde vor dem Termin absagte. Aus Angst, wie er zugab. Es gab den Vertreter einer Firma, die Forderungen von über 20 000 Franken stellt. Erst erzählte er ausführlich von seinen Erlebnissen mit der LH Gastro GmbH. Kurz vor der Publikation zog er alle Aussagen zurück. Oder es gab den Beizer, der seine Sicht der Dinge schilderte, und versprach, weitere Informationen zu beschaffen. Er liess nie wieder von sich hören.

Regelmässig fiel auch der Ratschlag an unsere Zeitung, vorsichtig zu sein. Ob die Furcht begründet ist, lässt sich nicht erhärten. Aktuell laufen bei der Luzerner Polizei, der Staatsanwaltschaft und auch bei der Bundesanwaltschaft keine Ermittlungen gegen Afrim Baftiri.

Urner Behörden griffen durch

Weg aus dem Kanton Luzern: Auch im Urnerland hat der Baftiri-Clan seine Spuren hinterlassen. Genauer in Sisikon. Am 23. Juni 2016 erhält die Geschäftsführerin der LH Gastro GmbH ein befristetes Gewerbepatent für das Hotel und Restaurant Tellsplatte an der Axenstrasse. Mit dem Liegenschaftseigentümer Franz Aschwanden aber kommt es zum Zerwürfnis. Im «Blick» äusserte dieser heftige Anschuldigungen an die Adresse Baftiris.

Sein Treiben in Sisikon hat Baftiri mittlerweile beendet. Auf Druck der Behörden. Wer beim Urner Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind (CVP) nach den Gründen fragt, führt ein angenehmes Telefongespräch. In diesem wird Camenzind eine Erklärung liefern, wie ein Gastronom seit Jahren mit der Obrigkeit aneinandergeraten kann, ohne selber empfindlich getroffen zu werden:

«Es gibt Unternehmer, die bewegen sich an der Grenze der Legalität, ohne sie zu überschreiten. In einem Graubereich. Das Treiben ist aber weder relevant noch wichtig genug, eine koordinierte Aktion der Behörden auszulösen.»

Das Rechtssystem solle unbescholtene Bürger vor der Willkür des Staats schützen. «Gleichzeitig ist es möglich, das System zu seinen Gunsten auszunutzen», so der Urner Volkswirtschaftsdirektor.

Das Kapitel Sisikon ist laut Camenzind zu Ende, «weil wir irgendwann ein sehr unangenehmer Staat wurden.» Nachdem die befristete Bewilligung für die «Tellsplatte» ausgelaufen ist, stellt eine Tochter Baftiris ein neues Gesuch. Bewilligt wird es nicht.

Ihr kommt das Geschäft in Weggis in die Quere. Gemäss Urner Recht kann eine Person nur einen einzelnen Gastrobetrieb führen. Zuerst wehrt sich der Baftiri-Clan, irgendwann erlischt der Aufstand: Die Baftiris packen ihre Sachen. Und hinterlassen ein Trümmerfeld: Hotel und Restaurant sind seit Monaten zu, Grundeigentümer Franz Aschwanden hat Betreibungen von mehr als 360'000 Franken eingeleitet.

Firmen gehen regelmässig Pleite

Ein Blick in Afrim Baftiris Vergangenheit zeigt: Ohne Nebengeräusche geschäftet er kaum je. Firmenkonkurse begleiten seinen Weg. Mit der Zarogastro GmbH beispielsweise betrieb Baftiri das Gefängnishotel am Löwengraben in der Stadt Luzern. Im Januar 2009 stellte der damalige Amtsgerichtspräsident der Stadt Luzern das Konkursverfahren mangels Aktiven ein. Die Gläubiger sahen keinen Rappen.

Oder die Geschichte mit der Frosch Club AG. Zusammen mit einem Kompagnon führte Baftiri den damaligen Frosch Club im Krienser Industriegebiet. Die Firma ging 2010 Pleite. Auch hier gab es für die Gläubiger nichts mehr zu holen – darunter war damals die Gemeinde Kriens, der Baftiri Billettsteuern schuldete.

In diesen Fällen war Baftiri jeweils als Gesellschafter der Firmen eingetragen. Das ändert sich ab 2011: Damals übernimmt die Lucerne Hotel Group AG das Hotel Himmelrich in Kriens, und die Globo Event AG das Gefängnishotel am Löwengraben. Bei beiden Firmen sind Freunde Baftiris als Gesellschafter eingetragen, er selber steht in keinem amtlichen Dokument. Anonymität und Verschwiegenheit sind wichtige Komponenten in seiner Unternehmensphilosophie (siehe Grafik). Für das Luzerner Kriminal- und das Kantonsgericht aber ist klar: Federführend war Baftiri.

Die Globo Event AG ist seit 2017 in Liquidation, die Lucerne Hotel Group AG wurde im Februar 2013 nach mehreren Namenswechseln aus dem Handelsregister gelöscht.

Wegen Umbauarbeiten ist das Hotel Himmelrich in Kriens geschlossen. (Bild: Pius Umrein, 12. Juli 2010))

Wegen Umbauarbeiten ist das Hotel Himmelrich in Kriens geschlossen. (Bild: Pius Umrein, 12. Juli 2010))

«Himmelrich» ist offenbar geschlossen

Im Dezember 2014 wurde die LH Gastro GmbH eingetragen, domiziliert im Hotel Himmelrich in Kriens. Auch hier ist Afrim Baftiri am Ruder, obwohl die Betriebsgesellschaft die Hotel Himmelrich AG seines Bruders Urim ist. Die Situation ist ähnlich wie in Weggis: Die Wasser- und Abwasserrechnungen für das Jahr 2018 wurden nicht bezahlt, gleiches gilt für die Kurtaxen-Abgaben.

Derzeit ist das «Himmelrich» wegen Umbauarbeiten geschlossen. Wer die Nummer des «Himmelrichs» wählt, landet im «Post Hotel». Dort will man nichts zum Umbau in Kriens sagen. Die Geschichte endet wie sie angefangen hat, mit einem Schweigen.

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