BETREUUNG: Die Kleinen lieben seine Geschichten

Lehrling Basil Zeier ist einer der wenigen männlichen Mitarbeiter in den Luzerner Kitas. Wie man Kinder bei Laune hält, hat er von seinem Vater gelernt.

Astrid Longariello
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Basil Zeier (21) in der Kindertagesstätte Campus in der Stadt Luzern. (Bild Boris Bürgisser)

Basil Zeier (21) in der Kindertagesstätte Campus in der Stadt Luzern. (Bild Boris Bürgisser)

Basil Zeier staunt nicht schlecht, als eine Mutter ihren dreijährigen Sprössling im Pyjama abgibt. «Er wollte sich partout nicht anziehen lassen, nur Basil dürfe das», erzählt die Mutter. So hat sie kurzerhand die Kleider mitgenommen und den Streikenden Basil Zeier übergeben. Der 21-Jährige lacht, und im Nu steckt der Kleine hochzufrieden in seinen Kleidern. Solche Erlebnisse freuen den jungen Mann, der mit seiner für einen Mann nicht gerade alltäglichen Berufswahl sehr glücklich ist.

Basil Zeier ist in Sarnen geboren, wohnt in Alpnach Dorf und hat seine Lehre bei der Kindertagesstätte Campus in Luzern 2013 begonnen. Egal, ob Windeln wechseln, Elterngespräche führen, kleine «Bobos» heilen oder selbst erfundene Geschichten erzählen; Basil Zeier liebt seine Arbeit sehr. «Ich bin stolz, dass mir die Eltern ihre Kinder anvertrauen», sagt Zeier. «Die Kinder vergöttern Basil. Wenn sie könnten, würden sie ihn aufessen», weiss Cornelia Glenz, Geschäfts- und Kita-Leiterin.

Viel mehr Frauen im Beruf

Derzeit absolvieren in den Stadtluzerner Kindertagesstätten rund 10 Männer eine Ausbildung – gegenüber etwa 70 Frauen. Das zeigen Zahlen der Abteilung Kinder Jugend Familie Stadt Luzern. Dass Zeier nicht einen typischen Männerberuf erlernen wollte, stand für ihn schon ziemlich bald fest. «Den ganzen Tag im Büro sitzen oder nur handwerklich tätig sein, nein, das wäre nichts für mich», begründet er seine Berufswahl.

Er habe in seiner Verwandtschaft stets mit Kindern zu tun gehabt, diese aufwachsen und sich entwickeln sehen, und das habe ihn fasziniert. So überraschte sein Entschluss, Fachmann Betreuung Kleinkinder zu werden, niemanden. «Wenn jemand solch einen Beruf richtig gut ausüben kann, dann Basil Zeier», so tönt es in seinem Freundeskreis. Auch seine Mutter Bernadette Halter Zeier findet die Berufswahl ihres Sohnes absolut richtig. «Er liebte Kinder schon immer. Seine grosse Gabe, die Umwelt und seine Mitmenschen aufmerksam zu beobachten und zu studieren, kommt ihm bei seiner Arbeit sicher zugute», stellt sie fest. Basil Zeier selbst ordnet sich Eigenschaften wie Ruhe, Geduld, Empathie und Kreativität zu.

Zu den grossen Leidenschaften Zeiers gehört mit Sicherheit das Geschichtenerzählen. Dabei handelt es sich nicht etwa um bereits existierende Märchen oder Geschichten. Nein, der Lehrling kreiert sie jeweils aus dem Stegreif und dem Moment heraus.

Inspiration durch den Vater

Gerade diese Leidenschaft basiert auf dem wohl traurigsten Moment im Leben des jungen Mannes. Vor drei Jahren ist sein Vater bei einem Wanderunfall ums Leben gekommen. Er hat das Erzählen und Erfinden an seinen Sohn weitergegeben. Denn soweit sich Basil Zeier zurückerinnern kann, gehörten selbst erfundene Geschichten seines Vaters zum täglichen Ritual, auf das er sich jeweils so freute. Eine Tradition, die heute sein Sohn in der Kita Campus mit sehr viel Empathie weiterführt.

Am Abend geniesst er die Ruhe

«Bitte, bitte, Basil, erzähle uns vom Säbelzahntiger», bettelt ein kleiner Junge. «Ja, und er muss heute zu meiner Mami nach Hause gehen», tönt es aus einem zweiten Kindermund. Basil Zeier zögert nicht lange, und schon klingelt der Säbelzahntiger an der Haustüre des kleinen Jungen. Dieser kichert laut los. Er stellt sich vor, wie seine Mutter die Türe öffnet und da einen Säbelzahntiger entdeckt. Die anderen Knirpse stimmen in das Gelächter mit ein. Und sofort wollen ihn die Kinder zum Einkaufen schicken. Sie leben ganz in der Welt des Tigers. Auf diese Art entstehen Zeiers Geschichten. «Es sind die Kinder, die mir den Input für die Storys liefern. Den Säbelzahntiger lieben sie sehr. Manchmal muss er auch gefährlich sein, denn sie wollen durchaus zwischendurch Angst empfinden. Das gehört dazu», lacht er.

Nach einem vollen Arbeitstag geniesst Basil Zeier die Ruhe zu Hause. «Wenn ich so viele Stunden in Gesellschaft verbringe, ist es schön, abends einfach mal zu lesen», sagt er. Früher habe er aktiv Fussball und Unihockey gespielt, doch momentan fehle dafür die Zeit. Zwischendurch trifft er sich gerne mit Freunden.

TV-Team begleitet Zeier

Zeiers Priorität gehört jedoch ganz klar seinem Lehrabschluss. Dabei wird er nun vom Schweizer Fernsehen begleitet. Er hat sich für die Dokuserie «Mini Lehr und ich» beworben und wurde mit vier weiteren Lehrlingen ausgewählt. In den Sendungen soll gezeigt werden, was die fünf Jugendlichen während ihrer Ausbildung alles gelernt haben und womit sie zu kämpfen hatten. Basil Zeier sieht darin eine grosse Chance, um weitere Erfahrungen zu sammeln. Bis jetzt habe er das Ganze nur positiv erfahren, und auch die Kinder hätten ihren Spass an den Kameras gehabt.

Astrid Longariello

Hinweis

Die erste Folge von «Mini Lehr und ich» wird am Montag, 4. Juli, um 20.55 Uhr auf SRF 1 gezeigt.