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BETREUUNG: Fehlende Hortplätze - Stadt soll Eltern entschädigen

Nicht alle Kinder finden einen Platz in den Schulhorten. Sie weichen auf Kitas aus, was deutlich teurer ist. SP und Grüne fordern nun Massnahmen – obwohl die Stadt bereits einen Ausbau plant.
Stefan Dähler
Kinder im Hort der Schulanlage Felsberg. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 19. April 2016)

Kinder im Hort der Schulanlage Felsberg. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 19. April 2016)

Wenn beide Eltern arbeiten, können Kindergarten- und Schulkinder ausserhalb der Unterrichtszeiten in einem der städtischen Horte betreut werden. Allerdings ist das wegen fehlender Hort­plätze nicht immer möglich. «Mit Schuljahresbeginn 2015/16 konnte für 97 Familien die Betreuung ihrer Kinder ganz oder teilweise nicht wie angemeldet übernommen werden», schrieb die Stadt Luzern im Mai in einem Bericht und Antrag.

Die Betroffenen müssen sich anderweitig organisieren. Entweder reduziert ein Elternteil sein Arbeitspensum. Oder die Kinder werden über Mittag und an schulfreien Nachmittagen für ein paar Stunden von Verwandten beziehungsweise Bekannten betreut. Weiter möglich ist, dass die Kinder in dieser Zeit eine Kinder­tagesstätte (Kita) besuchen.

Finanzielle Nachteile durch fehlenden Hortplatz

Letztere Option hat für die Eltern jedoch finanzielle Nachteile zur Folge. Die Zahlen variieren je nach Einkommen und Betreuungsumfang. «Bei einem Haushaltseinkommen von rund 90 000 Franken kostet die Betreuung in einem Hort monatlich 250 Franken, wenn das Kind diesen zwei Tage in der Woche am Mittag und Nachmittag besucht», nennt Grossstadträtin Noëlle Bucher (Grüne) ein Beispiel. In einer Kita dagegen müssten die Eltern unter denselben Voraussetzungen rund 700 Franken zahlen. In einer Motion verlangen nun Grüne und SP, dass Eltern, deren Kinder keinen Hortplatz erhalten haben, von der Stadt entschädigt werden. Der Betrag soll so hoch sein wie die Differenz zwischen Hort- und Kita-Kosten, um die finanziellen Nachteile auszumer­zen. «Ausbezahlt würde der Betrag nur, wenn man sich für einen Hortplatz angemeldet hat», sagt Bucher.

Welche Kosten diese Entschädigungen für die Stadt zur Folge hätten, können die Motionäre nicht abschätzen. Sie wären bei der aktuellen Finanzlage aber verkraftbar. «Letztendlich soll die Motion aber ein Anreiz sein, mehr Hortplätze zu schaffen, damit die Entschädigung so selten wie möglich fällig wird», sagt Bucher. Schliesslich sei die Stadt verpflichtet, «den Lernenden bedarfsgerechte schul- und familienergänzende Tagesstrukturen» zur Verfügung zu stellen, wie es im kantonalen Volksschulbildungsgesetz heisst. «Derzeit hat der Eintritt des Kindes in den Kindergarten für berufstätige Eltern Komplikationen zur Folge. Man muss die Kita drei Monate im Voraus kündigen, ohne zu wissen, ob das Kind tatsächlich einen Hortplatz erhält», so Bucher. Sie habe ein gewisses Verständnis, dass nicht jederzeit überall ein Platz frei sein könne. «97 betroffene Familien sind aber klar zu viel.»

Bei der Stadt nimmt aufgrund des hängigen Vorstosses niemand Stellung zum Thema. Aus dem im Mai erstellten Bericht und Antrag wird jedoch ersichtlich, wo ein Mangel an Hortplätzen besteht. Im Schulbetrieb Ruopigen fehlen zehn Wochenplätze, im Säli zehn Ganztagesplätze, im St. Karli fünf Plätze. Weiter gibt es in den Schulen Littau Dorf, Maihof und Felsberg/Unterlöchli/Utenberg vor allem zu wenig Mittagstisch- und Nachmittagsplätze. Die Zahl der fehlenden Hortplätze ist niedriger als jene der Kinder, die keinen Platz erhalten. Dies, weil die wenigsten Schüler täglich einen Hort besuchen. Ein Platz wird an mehrere Kinder vergeben.

Zahl der Kinder in Horten wird steigen

Im vergangenen Schuljahr nutzten 27 Prozent der Primarschüler ein Betreuungsangebot. Die Stadt rechnet damit, dass es mittelfristig 35 bis 40 Prozent sein werden. Derzeit umfasst das Angebot der Stadt rund 530 Hortplätze sowie zusätzliche 168 Plätze über Mittag. Bis 2020 soll die Zahl der Hortplätze auf 710 ausgebaut werden (Ausgabe vom 21. Mai). Für Motionärin Noëlle Bucher geht dieser Ausbau aber zu langsam. Zudem würden die Plätze nicht ausreichen. Dies, weil die Nachfrage nach Betreuungsangeboten stärker steigen werde als von der Stadt angenommen. Das zeige ein Vergleich mit anderen Städten. In Basel und Zürich etwa nutzen heute über 60 Prozent der Kindergarten- und Primarschulkinder ein Tagesstrukturangebot.

Stefan Dähler

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