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BETREUUNG: Praktika stören auch Verband

Bis zu drei Jahre lang absolvieren angehende Betreuerinnen Praktika. Das stösst nicht nur dem Kanton Luzern sauer auf, sondern auch dem zuständigen Verband. Dieser wartet auf eine nationale Lösung.
Alexander von Däniken
Angehende Betreuer müssen vor Lehrbeginn mehrere Praktika machen. (Symbolbild: Gaetan Bally/Keystone)

Angehende Betreuer müssen vor Lehrbeginn mehrere Praktika machen. (Symbolbild: Gaetan Bally/Keystone)

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@ luzernerzeitung.ch

Christof Spöring fand deutliche Worte. Der Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung des Kantons Luzern wetterte: «Vor allem Jugendliche, die eine Lehrstelle als Fachleute Betreuung suchen, müssen vorher oft ein bis drei Jahre Praktika machen. Das ist ein unhaltbarer Zustand.» Hintergrund von Spörings Aussage ist, dass vor allem Mädchen nach der obligatorischen Schule nicht gleich eine Anschlusslösung haben.

Was sagt der zuständige Verband dazu? Esther Müller ist Geschäftsführerin der Zentralschweizer Organisation der Arbeitswelt Soziales (Zodas). Sie sagt: «Herrn Spörings Aussage ist nicht falsch. Es spielen jedoch viele Faktoren mit.» Die Praktika seien ein grosses Thema. Die Zahl nehme aber nicht zu, sondern sei seit zehn Jahren konstant auf hohem Niveau. Damals wurde die Berufslehre Fachfrau/-mann Betreuung ins Leben gerufen.

Stadt Luzern zahlt Lehrbetrieben Zustupf

Ein Grund, weshalb dennoch viele Betriebe – vor allem bei der Kinderbetreuung – auf Praktika setzen, hat laut Müller mit den zum Teil bescheidenen finanziellen Möglichkeiten zu tun. Immerhin gebe es Gemeinden wie die Stadt Luzern, welche jene Betriebe im Bereich Kinderbetreuung belohnt, die Lehrstellen anbieten. In die gleiche Kerbe schlagen auch Zodas und deren Dachverband Savoirsocial. Letzterer bemühe sich auf nationaler Ebene, mit Bund und Kantonen eine Lösung zu finden. Denn: «Praktika für Schulabgängerinnen sind unnötig», so Müller. Der Verband sensibilisiere Betriebe, Jugendliche sowie Eltern und sei bei der Suche nach Lösungen auch im Austausch mit der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung.

Vom sozialen in den gesundheitlichen Bereich: Beim Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) beurteilt man die zahlreichen Praktika von angehenden Betreuerinnen weniger kritisch, wie Claudia Husmann, Leiterin der Zentralschweizer Geschäftsstelle, erklärt. Denn: «Für die Betreuung gibt es Anstellungsmöglichkeiten ohne Berufsbildung, mit einem guten Kurs des Schweizerischen Roten Kreuzes.» Viele angehende Betreuerinnen seien sich nicht bewusst, dass die fehlende Berufsbildung auf den Lohn drücke. So würde der Anfangslohn rund 3600 Franken betragen.

Mehr Sorgen bereitet Claudia Husmann das Lohndumping bei ausländischen Pflegefachfrauen – wobei Lohndumping untertrieben ist. So komme es vor, dass in der Region eine Pflegefachfrau aus dem Ausland, deren Ausbildung vom Roten Kreuz anerkannt worden ist, für 900 Franken pro Monat beschäftigt werde. Der Anfangslohn liegt aber bei 5200 bis 5300 Franken pro Monat. «Der tiefe Lohn wird dann begründet mit mangelnden Kenntnissen der Sprache oder des Schweizer Gesundheitssystems», so Husmann. Diese «Praktika» würden von den Betroffenen fälschlicherweise als Chance angesehen, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

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