BETTAG: Regierung und Kirchen appellieren ans Volk

Besorgt über eine wachsende Bedenkenlosigkeit, aber auch überzeugt, dass die gelebte Sorgfalt ungleich grösser ist, wenden sich Regierung und Landeskirchen des Kantons Luzern an die Menschen, die ihn bewohnen.

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(Symbolbild Keystone)

(Symbolbild Keystone)

«Sie tun dies am Dank-, Buss- und Bettag, der durch die Besinnung auf gemeinsame Werte die verantwortungsvollen und verbindenden Kräfte bestärken möchte», wie es in einer Medienmitteilung heisst. Hier der Aufruf im Wortlaut:

Lob des Erfolgs
«Wer seinen Geschmack schon gekostet hat, weiss: Erfolg ist schön. Und mag er auch 'keiner der Namen Gottes' sein (Martin Buber): Die Bibel schmäht die Erfolgreichen nicht – im Gegenteil. Gelobt wird, wer aus den anvertrauten Talenten etwas macht.

Leistung hat grosse soziale Kraft, und es ist schön, wo sie von Erfolg gekrönt ist: Als Betrieb, der Arbeitsplätze schafft. Als Gesetzesvorlage, die erneuerbare Energien fördert. Als kunstvolles Handwerk, herausragender Marathonlauf oder ergreifendes Konzert

Negative Seiten
Zunehmend aber wird Erfolg von persönlicher Leistung abgekoppelt und nahezu jedes Mittel gerechtfertigt, ihn zu erreichen: schädigendes Doping, betrügerische Machenschaften, egoistische Gewinnmaximierung, riskante Experimente und massiver Gewalteinsatz für eine 'friedlichere' Welt. Zuweilen ohne Rücksicht auf materielle, körperliche oder seelische Verluste. Aber: Der Zweck Frieden heiligt die Mittel der Vernichtung nicht. Kein noch so guter Zweck heiligt schlechte Mittel.

Wo Erfolg auf Kosten anderer geht, an Raubbau erinnert und zum Massstab der Beurteilung von Menschen wird, verliert er seine ganze Schönheit. Nur wo Weg und Ziel übereinstimmen, kann ein Höchstmass an Sorgfalt und Solidarität verwirklicht werden.

Ehrliche Arbeit wichtiger
Nachhaltiger als gesellschaftlicher Erfolg ist die schlichte ehrliche Arbeit, die den Lebensunterhalt sichert; die engagierte Auseinandersetzung, die nach Lösungen für drängende Probleme sucht; die interessierte Offenheit, die die Begegnung ermöglicht; die versöhnliche Art, die das Scheitern verarbeitet, und die zuversichtliche Haltung, die an die Güte des Lebens glaubt.

Unser Staat gründet in der Überzeugung der Gleichheit in der Verschiedenheit. An seinem Anfang standen unterschiedliche Persönlichkeiten, die sich gleichberechtigt in dem einen Ziel wiedergefunden haben: eine solidarische Gemeinschaft. Nicht um den Erfolg Einzelner ging und geht es, sondern um das Wohl aller.

Daran soll nicht gerüttelt werden.»

scd