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Interview

Beugen, Drücken, Heben: Das sagt der Weltmeister im Powerlifting über seinen Sport

Mirco Pinato aus St. Erhard ist bärenstark: Eben erst wurde der 56-Jährige in der Slowakei Weltmeister im Powerlifting.
Turi Bucher
Nimmt’s sozusagen nicht auf die leichte Schulter: Mirco Pinato in seinem Fitnessraum. (Bild: Pius Amrein, St. Erhard, 14. November 2018)

Nimmt’s sozusagen nicht auf die leichte Schulter: Mirco Pinato in seinem Fitnessraum. (Bild: Pius Amrein, St. Erhard, 14. November 2018)

Mirco Pinato, Sie haben an der WM ja nur eine einzige Kniebeuge gemacht.

Ja, aber mit 180 Kilo im Nacken.

Ach so! Dann erklären Sie mal, was an der Powerlifting-WM in der Slowakei gefordert wurde.

Neben der Kniebeuge gibt es noch das Bankdrücken. Ich liege auf einer Bank, hebe wie bei der Kniebeuge das Gewicht aus der Verankerung und stemme es von der Brust in die Höhe. Hier habe ich 150 Kilo geschafft. Und als dritte Disziplin steht das Kreuzheben auf dem Programm. Das Gewicht liegt auf Hüfthöhe, dann heisst es: Stange hoch und ausgestreckt hinstehen. Mit 215 Kilo.

In welcher Kategorie sind Sie angetreten?

In der Kategorie bis 100 Kilo und 55 bis 59 Jahre. Zuerst musste ich eine Vorqualifikation in der Schweiz überstehen. Im slowakischen Trnava musste ich dann im Final nochmals richtig Gas geben. Man beobachtet die Konkurrenz und pokert. Soll ich eher auf Nummer sicher gehen, oder soll ich doch etwas mehr riskieren? Am Schluss hat’s geklappt.

Nach der WM stand auch noch die Schweizer Meisterschaft auf dem Programm. Wie lief es da für Sie?

In Wangen an der Aare habe ich nur im Bankdrücken teilgenommen. Ich habe 155 Kilo gedrückt und tatsächlich noch Gold geholt. Ich wusste, ich muss über 150 Kilo drücken.

Welche Disziplin ist die ­härteste?

Das Kniebeugen. Die Gefahr, sich zu verletzen, an den Knien oder im Rücken, ist beim Kniebeugen meiner Meinung nach am grössten. Das Bankdrücken mache ich schon länger, da bin ich routiniert. Beim Kreuzheben ist es so: Entweder kommt es ... oder es kommt nicht.

Wie hat es bei Ihnen eigentlich mit dem Powerlifting angefangen?

Ich habe als Knabe Kampfsport betrieben. Judo, Karate – ich habe da schon diverse Medaillen nach Hause gebracht. Mit 18 Jahren ging ich zusätzlich ins Krafttraining, eine Zeit lang ins Boxen, und immer ins Fitnesstraining. Dann wurde ich für den Kampfsport zu alt. 2017 habe ich einen Kollegen zur Powerlifting-WM in Prag begleitet ... und dort beschlossen, dass ich 2018 selber starte.

Was sagt eigentlich Ihre Familie zu Ihrer sportlichen Tätigkeit?

Ich kann sowohl auf die Unterstützung meiner Frau Sabine und der beiden Kinder sowie auch auf die Unterstützung der Mitarbeiter in meiner Beschriftungsfirma zählen. Einen Tag vor meiner Abreise in die Slowakei lag ich schon im Bett, da kam meine Tochter Giuliana ins Zimmer und sagte: «Papa, komm als Weltmeister heim!» Da wusste ich, was zu tun ist. Der Druck war ja schon vorher extrem hoch. Ich war noch nie im Leben so nervös wie an der WM. Auch mein Sohn Gianluca hat mich abgeklatscht, als ich heimkam. Als ich den Titel holte, habe ich aber zuerst meiner Mutter Rosa nach Sursee telefoniert. Sie ist 81 und hat halt kein Whatsapp.

Wo trainieren Sie?

Ich habe nicht weit von meinem Arbeitsplatz ein eigenes Fitnessstudio, welches ich speziell fürs Powerlifting eingerichtet habe. Für mich ist das auch ein Ort der Ruhe, eine Oase. Wenn ich alleine trainiere, läuft allerdings AC/DC oder andere Hardrock-Musik. Ab und zu trainiere ich mit einem Powerlifting-Kollegen, da wird die Technik gegenseitig kontrolliert, werden kleine Fehler korrigiert. Trotz hartem Training fühle ich mich jedes Mal wie neu geboren.

Was macht der bärenstarke Mann in seiner Freizeit?

Früher habe ich mich rund zehn Jahre lang hobbymässig als Springreiter betätigt. Dem Fitnesssport bin ich immer treu geblieben. Ausserdem bin ich Harley-Davidson-Fahrer und habe in meiner Hobbygarage Liebhaber-Sportfahrzeuge wie einen Mangusta oder einen De Tomaso Pan­tera. Seit zehn Jahren bin ich ausserdem Hauptverantwortlicher des Hirschparks Sursee. Im Moment haben wir da 18 Tiere, während zweier Tage in der Woche übernehme ich die Fütterung selber. Dazu unternehme ich ausgiebige Spaziergänge mit der deutschen Schäferhündin Abbey. Leider ist ihre Gefährtin Bealie vor kurzem gestorben.

Wie sieht es eigentlich in Ihrem Sport mit Verletzungen aus?

Jeden zwickt’s irgendwo. Wer etwas anderes behauptet, der lügt. Wenn es in der Brust zwickt, dann kann es bereits ein Bluterguss sein. Die grösste Verletzung, nämlich gerissene Schulterbänder, habe ich mir beim Skifahren geholt. Konditionell war ich an den beiden Titelwettbewerben eigentlich gar nicht topfit. Aber es geht ja um die Explosivkraft. Ausserdem habe ich ein Jahr lang auf jeglichen Tropfen Alkohol verzichtet. Der Alkohol geht ins Nervenzentrum, das ist nicht gut. Aber nach dem Schweizer-Meister-Titel hatte ich mir definitiv ein Bier verdient.

Müssen Sie sehr auf die ­Ernährung achten?

Ernährung ist sehr wichtig. Aber ich darf eigentlich immer gut essen, auch in der Vorbereitungsphase. Ich darf ruhig etwas auf den Rippen haben, ich bin ja nicht Bodybuilder.

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