BEVÖLKERUNG: Deshalb schrumpft Adligenswil

Während die Region Luzern boomt, geht die Bevölkerungszahl in Adligenswil zurück. Das ist gar nicht im Sinne des Gemeinderats.

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Adligenswil schrumpft langsam aber sicher zusammen. (Bild: Archiv Neue LZ)

Adligenswil schrumpft langsam aber sicher zusammen. (Bild: Archiv Neue LZ)

Die Region Luzern boomt: Ob in Emmen, Ebikon oder Luzern: Neubauprojekte schiessen aus dem Boden, die Gemeinden wachsen. Nicht so in Adligenswil: Dort schrumpft die Bevölkerung seit mehreren Jahren. Zählte die Gemeinde 2010 noch 5485 Einwohner, waren es im letzten Jahr nur noch 5323. Das ist ein Minus von fast 3 Prozent. Zum Vergleich: In Meggen stieg die Einwohnerzahl in den letzten Jahren um 2,2 Prozent und in Ebikon gar um 4 Prozent.

Ein Bevölkerungsrückgang entspricht überhaupt nicht dem Ziel des Adligenswiler Gemeinderats. «Natürlich möchten wir wachsen», sagt Gemeindepräsidentin Ursi Burkart-Merz (CVP). Deshalb habe man die Ortsplanung revidiert, die im Januar 2014 von der Gemeindeversammlung gutgeheissen wurde. Sie sieht vor, dass in den nächsten 15 Jahren die Einwohnerzahlen auf 6000 bis 6200 ansteigen soll. «Wir möchten ein moderates Wachstum», sagt Burkart. Die Gebiete Äbnet, Obmatt, Altmatt Nord, Altmatt Süd, Blatten, Chluse und Gämpi sollen überbaut werden.

Beschwerde gegen Ortsplanung

Der Ausbau kommt aber nicht wie geplant voran. Gemäss Ursi Burkart ist einer der Gründe für den Bevölkerungsrückgang die Beschwerde der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz gegen die Ortsplanung. Die Stiftung kritisiert, der Bedarf für neue Einzonungen sei nicht gegeben, das Wachstum nicht begründet.

Raimund Rodewald von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz widerspricht der Darstellung der Gemeindepräsidentin: «Die Beschwerde kann keinesfalls der Grund dafür sein, dass die Gemeinde nicht wächst.» Sogar das Gegenteil sei der Fall: «Die sinkenden Bevölkerungszahlen waren mit ein Grund für die Beschwerde», sagt Rodewald. Zudem: «Mehr Bauland bringt nicht mehr Einwohner», findet Rodewald.

Die neue Ortsplanung beinhalte eine unverhältnismässig grosse Bauzone, so Rodewald. «Sie ist nicht mit dem Raumplanungsgesetz vereinbar. Es handelt sich auch um viele Einfamilienhäuser, was der heutigen Vorstellung einer Raumplanung widerspricht.» Zudem würden noch genügend Landreserven bestehen, findet Rodewald. «Es könnte eine bessere Siedlungsverdichtung angestrebt werden.»

Bereits im Januar 2014 wurde die neue Ortsplanung vom Volk gutgeheissen. Nun muss das Kantonsgericht darüber entscheiden. Auf Anfrage teilt das Kantonsgericht mit, dass noch unklar sei, wann der Entscheid zu erwarten ist. Die Gemeinde wurde zwar informiert, dass bereits im Frühling ein Urteil zu erwarten sei. «Nach unserer Ansicht ist es doch eher eine langwierige Angelegenheit», sagt Ursi Burkart-Merz. Angst davor, dass die Ortsplanung beim Kantonsgericht nicht durchkommt, hat sie aber nicht. «Wir sind guter Dinge, dass die geplante Ortsplanung umgesetzt wird», so Burkart. «Die Beschwerde nehmen wir aber ernst.»

«Wir sind nicht neidisch»

Solche Probleme haben andere Gemeinden in der Region nicht. So haben Meggen, Ebikon oder Horw rege Bautätigkeiten – sie sind denn auch mit ein Grund für das starke Wachstum dieser Gemeinden. Sie haben noch Landreserven seit ihrer letzten Ortsplanungsrevision. «Wir sind deswegen aber keineswegs neidisch», sagt Ursi Burkart. Man gönne anderen Gemeinden die Bevölkerungszunahme. «Klar ist aber auch, dass wir selbst ebenfalls ein solches Wachstum möchten.»

Adligenswil habe viel zu bieten, findet Burkart. «Die Nachfrage von möglichen Zuzügern nach Adligenswil wäre vorhanden.» Das spüre man daran, dass die Gemeinde wegen Wohnungen, Häusern und Grundstücken kontaktiert werde. «Das Problem ist aber, dass es keine neuen Bauten gibt und nur wenig freie Wohnungen und Häuser hat», so Burkart. Die vorhandenen Wohnungen würden dementsprechend auch teuer verkauft. «Für gewisse Familien sind diese Preise dann nicht mehr bezahlbar oder lohnen sich in Konkurrenz zu anderen Gemeinden nicht», sagt Ursi Burkart. Das führe dazu, dass eher reichere, kinderlose Paare nach Adligenswil ziehen. In den Jahren 1970 bis 1990 waren viele junge Familien nach Adligenswil gezogen, deren erwachsene Kinder heute infolge fehlender freier Wohnmöglichkeit «ausfliegen». Dadurch sinkt die Bevölkerungszahl.

Attraktive Alternative für Zuger

Die Gemeinde Adligenswil sei trotz hohem Steuerfuss von 2,1 Einheiten immer noch sehr attraktiv, betont Ursi Burkart. «Mit der schönen Lage östlich von Luzern ideal gelegen in Richtung Zug und Zürich bleibt man attraktiv. Gerade weil das Wohnen zum Beispiel im Kanton Zug teurer geworden ist.» Der Steuerfuss schrecke kaum ab, sagt die Adligenswiler Gemeindepräsidentin. «Ich denke, die wenigsten schauen bei der Wohnungssuche auf die Steuereinheiten. Ausserdem sind die Wohnungspreise in steuergünstigeren Gemeinden oft teurer», so Burkart. Dennoch bleibe das Ziel, den Steuerfuss mittelfristig wieder zu senken. «Das erreichen wir aber nur mit einem Wachstum.»

Raphael Gutzwiller