BEVÖLKERUNG: Fünf Gemeinden stechen heraus

Fast alle Luzerner Gemeinden haben 2013 mehr Einwohner verzeichnet als zehn Jahre zuvor. In einer Gemeinde im Hinterland gab es allerdings eine markante Abnahme.

Matthias Stadler
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Grafik zur Bevölkerungsentwicklung im Kanton Luzern in den letzten 10 Jahren. (Bild: Grafik Neue LZ)

Grafik zur Bevölkerungsentwicklung im Kanton Luzern in den letzten 10 Jahren. (Bild: Grafik Neue LZ)

Wachstum – ein Wort, welches polarisiert. Die einen verteufeln es, für die andern kann es nicht genug davon geben. Die einen fragen sich, wie viel davon die Schweiz noch verträgt, die andern wundern sich, wie man es überhaupt in Frage stellen kann. Klar ist: Die Bevölkerungszahl in der Schweiz wächst seit Jahren kontinuierlich. Klar ist auch: Diese Bevölkerungszunahme hat in den letzten Jahren Ausmasse angenommen, welche viele Einwohner dieses Landes mit Argwohn beobachten. Das Resultat zur SVP-Masseneinwanderungsinitiative lässt grüssen. Am 30. November entscheidet das Schweizer Stimmvolk über die noch schärfere Ecopop-Initiative, welche das Bevölkerungswachstum auf jährlich 0,2 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung beschränken möchte.

Oberkirch: 1020 Einwohner mehr

Das Bevölkerungswachstum kriegt auch der Kanton Luzern zu spüren. So hatten 73 von 83 Gemeinden zwischen 2003 und 2013 eine Bevölkerungszunahme zu verzeichnen (siehe Grafik). In sieben Gemeinden schrumpfte die Bevölkerungszahl während dieses Zeitraums, in drei Gemeinden gab es keine Veränderungen. Die Zahlen stammen von Lustat Statistik Luzern und wurden von unserer Zeitung ausgewertet.

Die prozentual grösste Bevölkerungszunahme im Kanton Luzern fand in Oberkirch statt. Zwischen Ende 2003 und 2013 wuchs die Gemeinde von 2872 Einwohner auf 3892. Dies ergibt eine Zunahme von 36 Prozent. Ernst Roth (CVP), Gemeindepräsident von Oberkirch, zeigt sich erfreut über die Zahlen: «Als Wachstumsregion ist es eines unserer Ziele, zu wachsen», sagt er.

Verkehrstechnisch gut erschlossen

Roth ortet verschiedene Gründe als Ausschlag für das Wachstum: «Das Seegebiet, die Landschaft, die Nähe zu Sursee und viele Arbeitsplätze in der Region tragen zum Wachstum bei.» Hinzu komme, dass Oberkirch verkehrstechnisch gut erschlossen sei. Skeptikern des Wachstums entgegnet er, dass er in Oberkirch keine negativen Entwicklungen feststelle. So sei beispielsweise das Vereinsleben intakt. Hinzu komme, dass 90 Prozent der Fläche in Oberkirch entweder landwirtschaftlich genutzt werde oder unberührte Natur sei. Wenn gebaut werde, sagt Roth, geschähe dies innerhalb von Wohngebieten, wo früher Landwirtschaft betrieben worden sei. In diesen Gebieten mache es beispielsweise wegen der Immissionen keinen Sinn mehr, intensive Landwirtschaft zu betreiben. Ausserdem könne man, wenn man bauen möchte, nicht einfach Land einzonen und losbauen. Den Einzonungen ging gemäss Roth ein Planungsverfahren mit Studienaufträgen an Architekten und nachfolgend die Ausarbeitung von Gestaltungsplänen voraus.

Die weiteren Spitzenplätze des Bevölkerungswachstums gehen an Meierskappel, Knutwil, Schlierbach und Rain.

Anzahlmässig am stärksten wuchs – nicht gänzlich überraschend – die Stadt Luzern. Sie zählte Ende letzten Jahres 7129 Einwohner mehr als Ende 2003.

Sanftes Wachstum anstatt Rummel

Nicht überall wuchsen die Gemeinden in den letzten zehn Jahren. So war vor allem die Region Entlebuch von einer Bevölkerungsabnahme betroffen. Die Einwohnerzahl der Gemeinden Romoos, Hasle, Escholzmatt-Marbach und Entlebuch schrumpfte innerhalb von zehn Jahren zwischen 1 und 9 Prozent.

Verhältnismässig am meisten Personen verliessen die Gemeinde Luthern. 11 Prozent weniger Einwohner verzeichnete die Gemeinde im Luzerner Hinterland letztes Jahr, verglichen zu 2003. Mit 1330 Einwohnern zählte sie somit 158 Personen weniger als noch vor elf Jahren.

Der Gemeindepräsident von Luthern, Beat Burri (CVP), erklärt sich die Abnahme mit dem Strukturwandel. Das Dorf sei landwirtschaftlich geprägt, der Rückgang in der landwirtschaftlichen Tätigkeit nehme jedoch enorm zu. Burri sagt zudem, dass in den letzten Jahren auch mehr Personen verstarben, als es Geburten gab. Mittlerweile wächst Luthern laut dem Gemeindepräsidenten wieder, vermehrt würden wieder Leute ins Dorf zurückkehren. Zur Entwicklung sagt Burri: «Wir wollen ein sanftes Wachstum und keinen Rummel. Sonst geht zu viel verloren von der Landschaft.»

Zuwanderung verantwortlich

Luthern steht nicht nur mit dem prozentual stärksten Rückgang an der Spitze, sondern auch in absoluten Zahlen. Mit 158 Personen weniger im Dorf teilt es sich allerdings den ersten Rang mit Escholzmatt-Marbach. Die Entlebucher Gemeinde hatte genau gleich viele Abgänge zu verzeichnen, verlor wegen seiner höheren Bevölkerungsanzahl allerdings «nur» 4 Prozent seiner Einwohner und kommt neu auf 4323 Bewohner.

Ein weiterer Blick in die Statistik zeigt, dass die Zahl der Gesamtbevölkerung im Kanton Luzern zwischen 2003 und 2013 um 37 255 Personen zunahm. Dies entspricht einer Zunahme von 11 Prozent. Ende letzten Jahres wohnten 390 349 Personen im Kanton.

Khanh Hung Duong, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Lustat Statistik Luzern, hat eine einfache Erklärung für die Bevölkerungszunahme/Zuwanderung. «Der Wanderungssaldo hat viel mehr zum Wachstum beigetragen als beispielsweise der Geburtenüberschuss», sagt er. Es seien durchaus auch Schweizer aus anderen Kantonen und dem Ausland zugezogen, aber den grössten Teil des Wanderungsgewinns hätten Ausländer ausgemacht.

Luzern soll um 50 000 wachsen

Die Luzerner Regierung rechnet in der Periode von 2012 bis 2035 mit einem Bevölkerungswachstum von 50 000 Personen für den Kanton Luzern. Die Teilrevision des kantonalen Richtplans beschreibt, dass die Einwohnerzahl auf 435 000 zunehmen wird. Die Regierung erwartet ein Bevölkerungswachstum von 0,52 Prozent pro Jahr.
Sie hat Richtlinien definiert, welche Gemeinde wie stark wachsen darf. Es wird zwischen sechs Kategorien unterschieden, wobei die Gemeinden in der tiefsten Kategorie maximal 0,22 Prozent pro Jahr wachsen dürfen, jene in der höchsten maximal 0,77 Prozent.