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Bewegte Zeiten: Veloclub Rothenburg feiert 100-jähriges Bestehen

Der Veloclub Rothenburg wird im April stolze 100 Jahre alt. Die Vereinsgeschichte ist geprägt von einem Auf und Ab – nicht nur, was die Strassenfahrten anbelangt.
Ines Häfliger
Das Querfeldeinrennen des Veloclubs Rothenburg 1922 in Triengen (Bild: PD)

Das Querfeldeinrennen des Veloclubs Rothenburg 1922 in Triengen (Bild: PD)

100 Jahre ist es her, als 14 Rothenburger im Restaurant Metzgerhalle den Veloclub Rothenburg gründeten. Aktive Mitglieder durften jene werden, die ein eigenes Fahrrad besassen, 6.50 Franken Jahresbeitrag einzahlten und das politische Stimmrecht hatten. Frauen und Ausländer waren somit nicht zugelassen. Trotzdem: Das Velofahren hatte damals das Zeug zum Volkssport.

Weniger als 100 Jahre zuvor war das Fahrrad noch ein der männlichen Elite vorbehaltenes Luxusobjekt gewesen. Wenn sich jemand mit einem Hochrad auf die Strassen begab, markierte er damit seinen sozialen Status. Das Hochrad kostete ein kleines Vermögen, damit zu fahren erforderte viel akrobatisches Geschick und Wagemut. Um 1890 löste das Sicherheitsniederrad – der Prototyp des modernen Fahrrads – das Hochrad ab. Durch seine industrielle Massenanfertigung war es das erste Fortbewegungsmittel, das sich auch Arbeiter und einfache Angestellte leisten konnten.

1918 verfügte jeder zwölfte Schweizer ein Fahrrad, 1936 bereits jeder vierter. Das Velo schaffte in der Zwischenkriegszeit den Sprung von der Stadt aufs Land: Zwischen 1918 und 1936 nahm in der Innerschweiz der Velobestand um 300 Prozent zu, in Genf nur um 83 Prozent.

Mit Stolz auf zwei Rädern unterwegs

Angesichts dieser enormen Popularisierung des Radsports erstaunt die Gründung des Veloclubs Rothenburg nicht. Die Aufmerksamkeit der Bevölkerung war gross: Die Standarten-Weihe des Fahrradclubs war ein regelrechtes Volksfest. Laut Vereinschronik nahmen gegen 2000 Gäste an der Flaggentaufe teil. Als Glücksbringer wurde die Standarte überall mitgenommen; sei es ans kantonale Velorennen oder an die Wanderfahrt. Bei letzteren besuchte der Verein andere Veloclubs.

Der Club im Jahr 1919. Sie machten im Gründungsjahr Ausfahrten nach Zürich und um den Zugersee. (Bild: PD)Der Club im Jahr 1919. Sie machten im Gründungsjahr Ausfahrten nach Zürich und um den Zugersee. (Bild: PD)
Aktive Mitglieder durfte jeder werden, der ein eigenes Fahrrad besass. (Bild: PD)Aktive Mitglieder durfte jeder werden, der ein eigenes Fahrrad besass. (Bild: PD)
Durch die industrielle Massenherstellung Ende des 19. Jahrhunderts war das Sicherheitsniederrad – der Prototyp des modernen Velos – das erste Fortbewegungsmittel, das sich auch Arbeiter und einfache Angestellte leisten konnten. Im Bild: Das Querfeldeinrennen 1922 in Triengen. (Bild: PD)Durch die industrielle Massenherstellung Ende des 19. Jahrhunderts war das Sicherheitsniederrad – der Prototyp des modernen Velos – das erste Fortbewegungsmittel, das sich auch Arbeiter und einfache Angestellte leisten konnten. Im Bild: Das Querfeldeinrennen 1922 in Triengen. (Bild: PD)
Seit 1928 konnten auch Frauen dem Veloclub Rothenburg beitreten. Hier ist eine Ausfahrt nach Hildisrieden im Jahr 1920 zu sehen. (Bild: PD)Seit 1928 konnten auch Frauen dem Veloclub Rothenburg beitreten. Hier ist eine Ausfahrt nach Hildisrieden im Jahr 1920 zu sehen. (Bild: PD)
Kantonale Wanderfahrt nach Dagmersellen im Jahr 1924. (Bild: PD)Kantonale Wanderfahrt nach Dagmersellen im Jahr 1924. (Bild: PD)
Heute besteht der Veloclub aus rund 40 Mitgliedern. Hier sind die Clubmitglieder in den 1920er Jahren. (Bild: PD)Heute besteht der Veloclub aus rund 40 Mitgliedern. Hier sind die Clubmitglieder in den 1920er Jahren. (Bild: PD)
Start des Rennens Rothenburg - Engelberg 1947. Immer wieder waren grosse Namen dabei. (Bild: PD)Start des Rennens Rothenburg - Engelberg 1947. Immer wieder waren grosse Namen dabei. (Bild: PD)
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100 Jahre Veloclub Rothenburg

Die erste Wanderfahrt fand im Mai 1924 statt, wie der Vereinschronik zu entnehmen ist. Dort heisst es: «Schön war das Grüpplein von 27 Teilnehmer in den neuen Sporthemden anzusehen, und viele neidische Blicke begegneten den Unsrigen, wir hatten aber auch Stolz. In Dagmersellen gab es da erst ein Hallo, als die Rothenburger eintrafen. Beim Tross durch die Ortschaft blieb mancher Blick haften an den schneidigen Gestalten unserer Rennfahrer. An dieser Wanderfahrt stellten wir den Teilnehmer-Rekord.»

Ebenso stolz war man aufs Bergrennen nach Engelberg. 1928 organisierte der Veloclub das Rennen zum ersten Mal, später übernahm der Männerradfahrerverein der Stadt Luzern die Planung. In den 50er-Jahren lockte das Rennen die Elite der Schweizer Radsportszene an: Ferdy Kübler, Hugo Koblet, Fritz Schär – sie alle kämpften auf der Strecke Luzern–Engelberg um den Sieg.

Massenmotorisierung lässt Mitglieder schwinden

Der Veloclub hat bewegte Zeiten hinter sich. Während des Zweiten Weltkrieges mussten viele der Mitglieder Militärdienst leisten. Die Vereinsaktivitäten beschränkten sich in dieser Zeit deshalb auf Anlässe wie Preisjassen oder kleinere Ausfahrten.

In den 1950er-Jahren verlor das Fahrrad im Zuge der Massenmotorisierung an Bedeutung. Der Rothenburger Veloverein hatte mit Mitgliederproblemen zu kämpfen. Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums beklagte sich der damalige Vereinspräsident Hugo Blaser über die nicht endende Motorisierung und fehlenden Radwege. Diese Umstände würden dem «gesunden Volkssport das Leben schwer machen».

Bergbefahrung zum Jubiläum

20 Jahre später war diese Krise längst vergessen. In den 80er-Jahren entwickelte sich der Verein vom Velo-, Kegel-, Jass- und Wandertreff zum Radrennclub. 1983 wurde die Radsportschule gegründet, drei Jahre später fand in Rothenburg erstmals die Schweizer Juniorenmeisterschaft statt. Bei dieser brillierten auch die eigenen Zöglinge. Etwa 2004, als Michael Schär die Goldmedaille im Einzelzeitfahren gewann.

Andreas Brunner, seit 18 Jahren Vereinspräsident, war ebenfalls Schüler der Radsportschule. Mangels Nachfrage musste diese 2010 schliessen. «Viele Eltern möchten ihre Kinder nicht auf die stark befahrenen Strassen lassen», erklärt sich Vereinspräsident Brunner das Nachwuchsproblem. Das jüngste Vereinsmitglied ist 32-jährig, insgesamt zählt der Veloclub rund 40 Mitglieder. Interessanterweise sind darunter keine Frauen, obwohl sie seit 1928 beitreten können.

Das 100-Jahr-Jubiläum feiert der Verein sportlich: Jahreshighlight ist die Befahrung des Cime de la Bonette, ein 2802 Meter hoher Gebirgspass in den französischen Alpen. «Wir haben praktisch alle Alpenpässe abgehakt», so Andreas Brunner. «Nach 100 Jahren ist es nun an der Zeit für den höchsten.»

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